Starke Frauen und die stärkste Frau

Sie ist gerade 75 Jahre alt geworden: Pippi Langstrumpf, die stärkste Frau der Welt. Sie ist Konventionssprengerin und hat für uns Mädels so manche Kette gelockert, stellt alles in Frage.

Wir brauchen Pippi, wir brauchen sie mehr denn je. So, wie die Gesellschaft momentan aufgestellt ist, wird sichtbar, welch alte Rollenbilder wir in diesem wunderbaren Land noch pflegen und leben. Der Mann geht ins Büro/Arbeitszimmer und die Frau jongliert Homeschooling, das bisschen Haushalt und ihren eigenen Job (siehe Studie EconStar). Während Männer im Homeoffice reihenweise Studien publizieren, reichen Frauen kaum mehr wissenschaftliche Arbeiten ein. Tja, kein Wunder, dass sich daraus auch langfristig Nachteile in der beruflichen Entwicklung der Frauen ergeben (siehe Böckler.de).

Wie kommen wir da raus? Ist es ein Zugeständnis, dass wir einfach familiensozialer eingestellt sind und dem Job die Kindererziehung nicht opfern wollen? Denn, wenn beide Eltern arbeiten gehen, wer kümmert sich dann um die Kinder? Oder müssen wir von unseren Göttergatten einfach ein Teilzeitmodell fordern, das meine in Scheidung lebenden Freundinnen genießen?

Das führt mich zurück zu Pippi. Sie ist unglaublich stark, macht was ihr gefällt und ist dabei nicht egoistisch und selbstbezogen, sondern einfach nur unglaublich erfolgreich. Erinnern wir uns doch wieder an die Stärken einer Pipi.

Vielleicht ein neues Vorlesebuch für unsere Kinder? Drücken wir es Papi in die Hand, vielleicht kommt er ins Grübeln.

Erhältlich zum Beispiel beim Hugendubel.

Bildschirmfoto 2020-05-21 um 11.57.03

Mit herrlichen Illustrationen von Katrin Engelking

 

Brief an einen Freund

Derzeit mache ich mir etwas Sorgen. Nein, nicht um die grassierende Erkrankung, sondern darum, was sie aus uns Menschen macht. Wie wir miteinander bereit sind umzugehen. Ich bin erschrocken, wie weit wir bereit sind unsere Seele für die uns erhaltende Wirtschaft zu verkaufen.

Wir haben den ersten Lockdown unseres Lebens erlebt. Wir gewöhnten uns an die rasante Digitalisierung und deren Möglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen.

Und nun?
Egal was die Obrigkeiten beschließen, die Menschen sind mittlerweile eigensinnig genug und lockern auf ihre Art. Ich glaube kaum, dass auch nur irgendwelche Maßnahmen von der Bevölkerung den Richtlinien entsprechend umgesetzt werden.
Halt, stimmt nicht: Der Nasen-Mundschutz ist allgegenwärtig – ist er doch das äußerliche Zeichen des sich Fügens in auferlegte Verhaltensmaßnahmen.

Aber was sehe ich dann? Wie wird er abgesetzt und in die Hosentasche gesteckt, vor dem nächsten Geschäft wieder gezückt und oft genug verkehrt herum (inside out) wieder aufgesetzt?!
Verabredungen unter Familien und Kindern, Freunden und Verwandten sind keine Seltenheit. Mich wundert es, dass mein Funknetz immer noch #StayHome anzeigt. Die Welt scheint schon wieder auf den Beinen zu sein.

Bildschirmfoto 2020-05-09 um 10.13.51.png

Was mich daran erschreckt?! Es wird billigend in Kauf genommen, dass ein Großteil unserer Bevölkerungsgruppe diesem Virus erliegen wird. Die Zahl der Infektionen wird rapide steigen. „Juckt mich nicht“, höre ich dann „unsere überalterte Gesellschaft wir halt jetzt entschlackt.“ Geht’s noch?! Da steigen in mir Bilder einer längst überwunden gedachten Zeit in mir auf. Euthanasie – das scheint es zu sein. Gut, nicht ganz so drastisch, aber die Sorglosigkeit von vielen drängt dieses Gedanken auf.

In der Hosentasche werden wir einen Impfausweis mit angezeigten Immunitäten tragen? Das erinnert mich an Metropolis. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.

 

Home-schoolst Du noch oder lebst Du schon (wieder)?

Kleiner Einblick in meinen derzeitigen Alltag: Vier Kinder zum Frühstück treiben, dann zum Zähneputzen und an die Rechner (immerhin haben wir so viele…), Videokonferenz um 10, Einkaufen, Kochen, Aufräumen, alle raus zum Sport treiben, Vokabeln abfragen, dazwischen mal was von meinem Mailberg abarbeiten , 20 Uhr die nächste Sitzung. Diese Leier kennen wir alle derzeit nur zu gut. Wir sind halt ständig erreichbar, für jeden.

Seien wir mal ehrlich: Ständig wird gesagt, wir Eltern ersetzen keine Lehrer. Aus den Ministerien werden Stimmen laut, dass dieses Schuljahr die Schüler mit Nachsicht versetzt werden. Noten gibt es in Bayern seit Mitte März nicht mehr.

Und da soll ich mich stressen?! Ich bin begeistert, dass sowohl unsere Waldorfschule, sowie die Real-, die Grundschule und das altsprachliche Gymnasium es mittlerweile alle schaffen unsere Kinder vormittags weitgehend selbständig zu beschäftigen. Natürlich muss ich ab und zu Divisionen kontrollieren, Englischtexte korrigieren und mal eben (meist um 22 Uhr) Deutsch-Interpretationen aus dem Ärmel schütteln (Merkmale des Naturalismus bei „der Bahnhofswärter Thiel“) …

Aber mal ehrlich, hätte man vor acht Wochen versucht unsere Sekretariate per Mail zu erreichen, wäre man kläglich gescheitert. Und jetzt? Digitale Pinnwände mit Videodateien, Diktaten und Konferenzen zu fast sämtlichen Themen.

Unsere Schulen haben einen Quantensprung hin zur Digitalisierung gemacht.

Anstatt ständig zu meckern, dass unsere Schulen nicht digital, nicht fortschrittlich und modern genug sind, sollten wir versuchen das Beste der jetzigen Zeit in die darauffolgende hinüber zu retten und gemeinsam Schule neu denken.

Das wäre es.

https://der-achte-tag.podigee.io/31-neue-episode