Per Aspera ad Astra

Betrachtungen einer (Feld-)Hockey-Mum

Nun spielt mein Kind also Hockey im Verein. Das heißt viele Fahrdienste, Termine für Punktspiele an Wochenenden, Kuchen backen für Heimspieltage, und ständig bleibt etwas liegen: ein Handschuh, der Schläger und wo ist denn schon wieder dieser Mundschutz hin?!

Warum nur tue ich mir das an? Und was hat mein Kind davon? Eine ganze Menge …

Der Mannschaftssport führt dazu, dass Kinder Gemeinschaft erleben – ob sie nun als Einzelkind, oder aus einer Geschwisterbande herausgelöst im Verein lernen, dass die Leistung des Einzelnen im Verbund die Mannschaft zu Sieg oder Niederlage beitragen kann.

Die Dramaturgie eines Hockey-Spiels ist immer gleich und dennoch jedes Mal wieder packend: Die Spannung steigt bei der Begrüßung der Schiris und der gegnerischen Mannschaft. Noch ist alles offen. Jeder gibt sein Bestes, bis zur letzten Minute. Ein Sieg ist ein Triumph! Ein selten erlebtes Glücksgefühl, das die ganze Mannschaft ergreift und so selbst verdient ist.

Eine Niederlage ist schmerzhaft und verlieren will gelernt sein – gerade in der heutigen Leistungsgesellschaft, in der es nur einen Sieger gibt und nur derjenige langfristig Erfolg hat, der Niederlagen gut verarbeiten kann.

Ich habe selbst viele Tränen nach einem Spiel getrocknet und kleine Hockey-Helden aufgemuntert mit der Gewissheit: Es wird ein nächstes Mal geben und Du als Spieler hast es selbst in der Hand, auf welche Weise Du ein Spiel beendest. Ob man wütend und schlägerschmeißend vom Feld zieht, oder anständig, aber mit gedämpfter Stimmung eine Niederlage einsteckt und überlegt, wie es besser laufen könnte, lehrt früh das Geschehene zu reflektieren. Dies hilft auch in anderen Lebensbereichen.

Doch neben dem Auf und Ab als Spieler, bietet der Hockey-Sport unseren Kindern auch Erfahrungen als Schiedsrichter: Jeder wird immer wieder mit der Trillerpfeife am Spielfeldrand stehen und Entscheidungen treffen, die mal richtig, mal falsch sein können. Diese Erlebnisse erleichtern es, die Entscheidungen eines Schiedsrichters zu akzeptieren, ohne zu meckern. Zudem fördert dies den unbedingten Willen zu eigener Fairness. Und wenn sich ein junger Schiedsrichter mal Respekt verschafft, indem er einen am Spielfeldrand schimpfende Vater vom Platz verbannt, hat der junge Kerl schon mal gelernt, sich Gehör zu verschaffen und durchzusetzen. Auch der Umgang mit eigener Autorität mag gelernt sein.

Und noch etwas lernen die Kinder – und besonders die Jugendlichen: Dein Coach hat immer Recht, vertraue auf ihn, dass er den Überblick über die Mannschaft hat und jeden Spieler an der für ihn besten Stelle einsetzt. Besonders, wenn unsere Kinder in der Pubertät beginnen, sich von den Eltern abzunabeln, können Trainer und Mannschaft Halt bieten.

Im Großen und Ganzen sind es also unsere heutigen Wertevorstellungen, die durch den Mannschaftssport Feldhockey ganz so im Nebenbei erlebt, gelebt und weitergegeben werden: Respekt, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Fairplay, Toleranz, Leistungsbereitschaft und Teamgeist. Immer wieder Teamgeist, denn in der Arbeitswelt von heute und morgen entscheidet die Zusammenarbeit im Team über Erfolg und Misserfolg – wie im Hockey.

2 Gedanken zu “Per Aspera ad Astra

  1. andraspallart schreibt:

    meine absolute bewunderung gilt einer mehrfach-mutter, die statt mal ein buch und ihre eigene, wenige freizeit zu geniessen, fahrdienste und hockey-begleitung (und zwar für mehrere buben) leistet! die argumentation für die reife-prozesse, die der mannschafts-sport quasi ’nebenher‘ vermittelt, sind total nachvollziehbar!! toller beitrag! ama

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