Lesefreuden

Immer wieder geschieht es, dass in meinem Kinderalltag mitunter Minuten, manchmal gar eine halbe Stunde Lesen drin ist. Ich liebe diese fiktiven Welten! Dieses Eintauchen in Beweggründe der Anderen, die Welt, wie sie wohl 2080 aussehen wird? Was wird sich wie verändert haben?

Ab und zu finde ich Phrasen, die mir auch auf der Zunge lagen, aber so viel treffender beschrieben sind. In „Altes Land“ von Dörte Hansen sind Menschenbilder so treffend umrissen – ich hatte Tränen in den Augen! „Mami, warum weinst Du denn, wenn Du schon Zeit zum lesen hast? Ist was passiert?“ – Ja, mein Kind, Welten bewegen sich zwischen diesen Seiten …

Hier ein kleiner Schmunzel-Auszug – Städter, die aufs Land ziehen; ein Meinungsbild der Landbevölkerung (aus Altes Land, von Dörte Hansen):

„Dirk zum Felde hatte die Schnauze voll von Idioten in teuren Gummistiefeln, die unbedingt aufs Land ziehen mussten. (…) Es hatte eine Weile gedauert, bis er kapiert hatte, warum sie das nicht hören wollten. Weil er ihnen das Panorama versaute. Ein diplomierter Agrarwissenschaftler, der mit moderner Landtechnik einen Altländer Obsthof bewirtschaftete, der Pflanzenschutzmittel auf seine Apfelbäume sprühte und sie einfach absägte, wenn sie nicht mehr trugen – das war wie eine vierspurige Autobahn in einem Heimatfilm. Er passte nicht ins Bild. Er störte sie.
Und sie störten ihn! Die verpeilten Kreativen, die aus den Städten in die Dörfer strömten, um sich zu erden, und dann tigerten sie mit ihren Golden Retrievern durch die Obstfelder und lungerten vor verfallenen Resthöfen und Landarbeiterakten. (…)

Diese verspannten Großstadt-Elsen mit ihren Sinnkrisen quengelten um marode Reetdachhäuser wie ihre Töchter früher um ein Pony. Es war so süß! Sie mussten es haben! (…) Er gab ihr drei Wochen. Dann würde sie ihm irgendein fair gehandeltes Gebräu in einer hingepfuschten Töpfer-Tasse ohne Henkel anbieten und harmlos fragen: „Was spritzt du da eigentlich drauf?“ Und natürlich wäre das keine Frage, sondern nur der Einstieg in ihre kleine Öko-Predigt, und spätestens nach zehn Minuten würde sie ihr Loblied auf die alten Obst- und Gemüsesorten singen. (…)

Diese Öko-Missionare konnten Boskop nicht von Jonagold unterscheiden und hatten garantiert noch nie einen verwurmten, schorfigen Finkenwerder Herbstprinz gefressen, sonst wüssten sie, dass diese beschissenen alten Sorten völlig zu Recht ausstarben.“

 

Als Gegengewicht empfehle ich diesen Sommer „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde.

 

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