Regengedicht (meiner Jungs)

nass, kalt, kühl, erfrischend, lang ersehnt, tief, tropfend, viel, heftig, feucht, schwer, oft, sprühend, warm, weit weg, gibt Leben, matschig, befruchtend, dunkel, schön, frisch, klar, ehrlich, kein Verstecken mehr.

Er wäscht – alles Dreckige ist weg, Unrecht hinfort. Er erfrischt die Seele, klärt den Geist. Reinigung. Sauber. Getauft.

Frühling? Sommer?!

Zeit für ein Frühlingsgedicht.

Obwohl es sich schon wie Sommer anfühlt. Die Bauern und Landwirte stöhnen: Es ist viel zu trocken!

Wir Städter freuen uns über die Sonnentage, laue Luft, wenig Feuchtigkeit. Die Tiere ächzen, die Viehhalter jammern.

Kann das Wetter es je allen recht machen?

Scheint unmöglich.

Der Frühlingsabend

Beglänzt vom roten Schein des Himmels bebt
Am zarten Halm der Tau,
Der Frühlingslandschaft zitternd Bildnis schwebt
Hell in des Stromes Blau.

Schön ist der Wiese Grün, des Tales Gesträuch
Des Hügels Blumenkleid,
Der Erlengang, der schilfumkränzte Teich,
Mit Blüten überschneit.

Schön ist der Quell, der Hain, der Abendstern,
Der Baum, der Kühlung taut,
Und alles, was mein Auge, nah und fern,
Dankweinend überschaut!

Friedrich von Matthisson 1762-1831

 

Der Schulwechsel

Heute ist es soweit: Ich melde unseren Sohn im Gymnasium an. Warum dies nicht einfach ein Behördengang ist, sondern ein Happening? Ich weiß es nicht. Es muss sich schleichend entwickelt haben, still und leise, dass aus jedem „Kindertag“ ein besonderes Ereignis geworden ist.

Der erste Kindergartentag wird mit Schultüten im Miniformat, Kuchen, Großeltern und Belobigungen durch die Eltern gefeiert. Dazu gibt es Rucksäcke in rosa und himmelblau, Trinkflaschen, Kuscheltiere und eine neue Garderobe. Ok.

Die Einschulung wird wie der Eintritt ins Berufsleben zelebriert mit ewig recherchierten Schulränzen, farblich abgestimmten Schultüten, passenden Reflektoren und einem Dreigänge-Menü beim Lieblingsrestaurant.

Jetzt also der Übertritt. Nächte langes Bangen und Zähneklappern um die Noten, die hier in Bayern mit einer Weisung der Lehrer einhergehen, für welchen Schultyp der Zögling denn nun geeignet ist. Tränen fließen, Verzweiflung macht sich breit. Oft. Ist die Hürde des „Schulnummerus-Klausus'“ genommen, regnet es Geschenke.

Mein 10jähriger kam heim und meinte: „Mama, was bekomme ich denn für meinen Übertritt geschenkt?“ Ich: „Einen neuen Turnbeutel, einen Rucksack und wenn Du magst einen neuen Füller.“ „Ah, ok“, meinte er. „Was gibt es denn bei den anderen so?“, frage ich zaghaft nach. „Naja, Ludwig bekommt ein neues iPhone, Maya ein Hoverboard und Ferdinand das aktuelle WM-Deutschlandtrikot.“

Ich zucke zusammen. Ok, wir wohnen nicht im finanziellen Brennpunkt dieser Stadt, aber solche Geschenke?! Ermattet von der gedanklichen Last dieser Gaben sinke ich aufs Sofa. Übervorteile ich meine Kinder? Sollte ich auch meine Wertschätzung für sie nicht viel mehr in materiellen Gütern zeigen? Nein, das werde ich nicht tun (und sie hungern und dursten hier nicht, müssen nicht unbekleidet das Haus verlassen).

Abends schnappe ich mir meinen zukünftigen Gymnasiasten: „Mein Schatz, heute Abend darfst Du Dir den lang ersehnten Film endlich anschauen – das ist mein Geschenk an Dich. Ich finde es super, wie Ihr alle vier Eure eigenen Wege geht, denn das ist Euer Leben und Ihr macht sicher das beste daraus.“

Auch interessant: Leistungsdruck?!

Bildquelle: www.helpster.de