Warum ich diese Auszeiten brauche

Hier sitze ich, auf der Liege, den Computer auf dem Schoß und den Blick vom Pool über die Baumwipfel in die dramatisch verhangenen Berge gleiten. Ich atme ruhig ein und aus. Das ist es. Jetzt bin ich wirklich bei mir.  Warum ich diese Auszeiten brauche? Ein Klärungsversuch.

Zuhause sind sie alle um mich, meine geliebte Familie, mein Hund, die Wäsche, der Müll und der Abwasch. Dazu noch die Dinge in der Kirche, vom Literaturkreis, die Redaktionen und das Lektorat. Und wenn ich Kinder sage, dann impliziert das die Schule, den Sportverein, die Geburtstagseinladungen und Übernachtungswünsche, Arztbesuche, Nachhilfestunden und den Musikunterricht mit den täglichen Übungszeiten. Also eine ganze Menge.

Das lasse ich nun alles hinter mir und fahre allein weg in dieses Kleinod im Wald, an den Bergen. Nach einer guten Mütze Schlaf schwimme ich mir die Bewegung aus den Gliedern, bis mein Kopf frei ist. Dann eine heiße Kanne Tee, also viel Tee. Manch einer mag ohne Kaffee nicht funktionieren, bei mir ist es der Tee. So, nun sind meine Grundbedürfnisse gedeckt (wenn mein Mann dabei ist, gibt es da noch eines …).

Dann erst, ganz langsam, wenn ich meinen Tagesablauf selbst in der Hand habe, eine Tüte Gummibärchen griffbereit um jederzeit sinnvoll zu sündigen, meine Musik im Ohr und einen flauschigen Bademantel um mich, das Feuer knistert, dann bin ich ganz da. Jetzt fühle ich das Wunder dieses irren Planeten und Gottes ganz unbarmherzige Liebe zu mir und in mir fließen. Kein Halten mehr, ich lächle leicht schwachsinnig vor mich hin. Die Gedanken rasen und mein Laptop ist so geduldig. Ich bin wieder bei mir und der Blick, getrübt vom Nebel des Verdrängens, lichtet sich und mir steht wieder klar vor Augen, warum ich all dies so gerne tue: Ich liebe sie, diese Familie.

Bild: Chiemsee, 2005

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