Von Gut und Böse und der Wahrheit

Neulich hatte ich mal wieder ein recht erhellendes Gespräch mit meinen Jungs. Es ging, ich glaube, um Star Wars (diese Filme lassen sich herrlich als Lebensparabeln verwenden). Wieder einmal hatten die Guten gesiegt und der Bösewicht war von der Bildfläche verschwunden, der Planet buchstäblich geteilt.

„Mami, warum hat sie ihn angegriffen?“ „Ich weiß nicht, mein Schatz, sie hat halt ihr Leben und ihre Freunde verteidigt, letztendlich alles, wofür sie im Leben steht.“ „Ja, aber der andere hat doch auch nur sein Reich verteidigt“, antwortet mir einer der Jungs. „Stimmt. Und wir haben gesehen, wie er zu dem wurde, was er jetzt ist.“ „Dann hat er auch irgendwie recht, oder?“, es brodelt in seinen Gedanken weiter.

„Ja“, erwidere ich, „und ihre Geschichte haben wir auch schon gesehen. Das heißt, dass jeder seine eigene Wahrheit lebt. Es gibt kein endgültiges Richtig und Falsch, Wahrheit und Lüge. Jeder erlebt sein Leben als einmalig und wahr.“ „Ok. Dann ist der Böse gar nicht so böse. Die sollten mal lieber miteinander reden!“ Froh, eine Lösung gefunden zu haben, trollen sich die Jungs ins Kinderzimmer.

Au, wie wahr. Ich mache mir eine geistige Notiz die Jungs an diesen Vorschlag zu erinnern, wenn sie mal wieder in Streitigkeiten verwickelt sind.

Mich beschäftigt diese Idee indes noch länger. Ich erinnere mich an ein Semester „neurolinguistisches Programmieren“ (NLP) meines Studiums. Hierbei geht es darum, dass alle Menschen sich ein Wahrnehmungsraster zulegen, das nur einige Reize dieser Wirklichkeit zu uns durchdringen lässt, damit wir diese Welt überhaupt erfassen und begreifen können. Dieses Raster sieht bei jedem anders aus. Wenn ich also mit meinem Mann im Zug sitze und aus dem Fenster schaue, fallen ihm die Sonnenkollektoren auf Hausdächern und mir die wunderbare Weite mit grasenden Pferden … Beides ist real und hier, wird aber unterschiedlich wahrgenommen.

Gibt es also eine objektive Wahrheit? Ist es nicht vielmehr so, dass jeder seine Umwelt anders wahrnimmt und all unsere Kommunikationsprobleme einfach nur daher entstehen, dass wir von unterschiedlichen Wahrnehmungen und daraus resultierenden Gesetzmäßigkeiten ausgehen? Wir sollten vielmehr miteinander reden, warum der eine es so, der andere es eben anders als richtig erachtet. Vielleicht klärt das einige schwelende Missverständnisse im Keim, bevor es zur Eskalation kommt.

Bildquelle: www.moviepilot.de

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