Bitte nicht stören

Meinen Arbeitsplatz suche ich mir sicher nach den Gesichtspunkten der „Bitte nicht stören“-Regel aus – meist ist dies nicht der Schreibtisch in Wohnungsmitte, zwischen Küche, Wohnzimmer und Kinderzimmern, denn das ist die allabendliche Lauf- und Unfallstrecke der Burschen meiner unmittelbaren Umgebung.

Vielmehr ist dies der große Lesestuhl im Wintergarten, eingehüllt in Wärme und in den verschneiten Garten blickend, da bin ich produktiv – und eben: Es stört mich keiner. Alles gefällt. So sollte es sein, oder?

Ist es nicht so, dass wir uns selbst oft genug stören lassen? Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich mich zum Schreiben setze und dann aber noch diese Mail, jene WhatsApp-Nachricht, manche Überweisung bedient werden will, bevor ich dann endlich mit meinem eigentlichen Tun anfangen kann.

Oft platzen die Jungs dann mit ihren überbordenden Ideen über mich herein. Ein lautes „Mamiiii!“ – und der Gedankenfaden reisst. „Bitte nicht stören!“, fahre ich dazwischen, dennoch nicht fähig den Luftballon der Gedanken noch packen zu können, bevor er entschwindet … Tja, damit haben nicht nur sie mich, sondern auch ich sie gestört. Mmh.

Dieses „bitte nicht stören“ scheint (mindestens) zweiseitig zu sein. Wenn ich mich also frage, was mich stört, dann muss ich auch fragen: „Wobei/ wodurch/ wann/ wen störe ich?“ Muss ich mich also nicht nur fragen, was mich stört, sondern auch, wo meine Beteiligung an umliegender Ruhestörung liegt? Diese Frage kann ich heute so nicht beantworten. Ich kann nur ständig reflektieren, ob mein Handeln und etwas mich stört.

Störfaktor No 1 ist derzeit mein Handy. Es fing einst ganz harmlos an: Ein Telefonat zu jeder Zeit, um sich verabreden und Informationen durchgeben zu können. Dann kamen diese SmartPhones, um uns Zeit zu schenken, dabei frisst es unsere Zeit ständig auf (na, an welches Kinderbuch von Michael Ende denke ich?!). Kaum ein Haushalt, der keine Handys am Tisch liegen hat. Morgens, bevor der Partner auch nur einen Augenkontakt erhaschen kann, werden die Freunde aus aller Herren Länder begrüßt und virtuell auf die Backe geküsst …

Das stört mich und wird in diesem Haushalt anders gehandhabt. Ganz sicher.

Denn: Bitte nicht stören

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