Der ständige Begleiter

Der ständige, stets dienstbereite Begleiter einer jeden Frau ist ihre Handtasche. Hierin finden sich sämtliche Alltagshelfer, egal, ob die Situation einen Lippenstift, ein Taschenmesser oder ein fiebersenkendes Mittel für Kleinkinder erfordert.

Gepackt wartet sie im Hausflur, bereit zu neuen Schandtaten. Manchmal überrascht sie mit Glitzer, Fransen oder unendlichen Verschlüssen, in sämtlichen Farben des Regenbogens. Erstaunlich ist die Wankelmütigkeit der Besitzerinnen: Lieblinge kommen und gehen, ersehnte Unikate, Gegenstand unzähliger heißer Träume, verlieren nach Inbesitznahme oft ihre Faszination.

Für meinen Teil, kann ich nur sagen, dass mich einst dieses Fieber auch erfasste (wahrscheinlich ein Teil der Weiblichkeitsfindung auf dem Weg vom Kind zur Frau). Mittlerweile, also so einige Jahre nach meiner Pubertät *räusper*, zähle ich immerhin noch zwanzig große und kleinere Begleiter in meinem Schrank. Das Sehnen nach der einen weiteren, perfekten Tasche ist mir abhanden gekommen. Stolz darauf, kann ich mich nun auf die wirklich wichtigen Accessoires einer Frau besinnen: ihre Schuhe 🙂 Oder ist das Fehlen des Handtaschen-Sehnens ein erstes Zeichen des bevorstehenden Hormonwechsels? Uaaagh!

 

 

Grippewelle …

Angesichts der Grippewelle hier um mich herum, gibt es heute mal ein Gedicht von Luise Hensel (1798 – 1876). Dies soll Kraft schicken, nicht aufzugeben!

In schwerer Krankheit

Die Nacht ist schwarz und kalt und lang.
Der Tag noch wie so fern!
Mein Herz ist matt und krank und bang.
Und sehnt sich nach dem Herrn.

Der Kummer mir zu Häupten steht,
Und bei mir liegt der Schmerz;
Die Sorge um mein Bette geht,
Die Angst fällt mir aufs Herz.

Und an der Tür der Tod, die Not,
Der Meinen Not und Harm –
Sei still,mein Herz, und ruh in Gott:
Du ruhst im Vaterarm.

 

Bildquelle: www.wallhere.com

Bitte nicht stören

Meinen Arbeitsplatz suche ich mir sicher nach den Gesichtspunkten der „Bitte nicht stören“-Regel aus – meist ist dies nicht der Schreibtisch in Wohnungsmitte, zwischen Küche, Wohnzimmer und Kinderzimmern, denn das ist die allabendliche Lauf- und Unfallstrecke der Burschen meiner unmittelbaren Umgebung.

Vielmehr ist dies der große Lesestuhl im Wintergarten, eingehüllt in Wärme und in den verschneiten Garten blickend, da bin ich produktiv – und eben: Es stört mich keiner. Alles gefällt. So sollte es sein, oder?

Ist es nicht so, dass wir uns selbst oft genug stören lassen? Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich mich zum Schreiben setze und dann aber noch diese Mail, jene WhatsApp-Nachricht, manche Überweisung bedient werden will, bevor ich dann endlich mit meinem eigentlichen Tun anfangen kann.

Oft platzen die Jungs dann mit ihren überbordenden Ideen über mich herein. Ein lautes „Mamiiii!“ – und der Gedankenfaden reisst. „Bitte nicht stören!“, fahre ich dazwischen, dennoch nicht fähig den Luftballon der Gedanken noch packen zu können, bevor er entschwindet … Tja, damit haben nicht nur sie mich, sondern auch ich sie gestört. Mmh.

Dieses „bitte nicht stören“ scheint (mindestens) zweiseitig zu sein. Wenn ich mich also frage, was mich stört, dann muss ich auch fragen: „Wobei/ wodurch/ wann/ wen störe ich?“ Muss ich mich also nicht nur fragen, was mich stört, sondern auch, wo meine Beteiligung an umliegender Ruhestörung liegt? Diese Frage kann ich heute so nicht beantworten. Ich kann nur ständig reflektieren, ob mein Handeln und etwas mich stört.

Störfaktor No 1 ist derzeit mein Handy. Es fing einst ganz harmlos an: Ein Telefonat zu jeder Zeit, um sich verabreden und Informationen durchgeben zu können. Dann kamen diese SmartPhones, um uns Zeit zu schenken, dabei frisst es unsere Zeit ständig auf (na, an welches Kinderbuch von Michael Ende denke ich?!). Kaum ein Haushalt, der keine Handys am Tisch liegen hat. Morgens, bevor der Partner auch nur einen Augenkontakt erhaschen kann, werden die Freunde aus aller Herren Länder begrüßt und virtuell auf die Backe geküsst …

Das stört mich und wird in diesem Haushalt anders gehandhabt. Ganz sicher.

Denn: Bitte nicht stören

Schneetreiben

Mein Mann arbeitet. Ich versuche die Ferien zu genießen und packe daher vier mehr oder wenig schreiende Kinder sonnenbecremt, behandschuht, mit Helm, Skiausrüstung und meiner Zuversicht Richtung Bergbahn.

Natürlich zwickt es den einen hier, den anderen dort, „Mami, ich habe so Durst!“, „Mami, ich hasse den Bruder!“ und „Mami, wir machen aber nicht so lange Mittags Rast, oder?!“

Die Sonne scheint kalt auf die prächtigen Berggipfel, ich lasse den Blick schweifen, ignoriere den Brüderkampf um die Abfahrtsrangfolge und genieße dieses herrliche Wetter. Sobald wir aus dem Lift gestiegen sind, ist aller Unbill vergessen und selbst meine vier Kerle schwelgen in der Höhenluft und diesem Alpenrausch. Der Schnee funkelt und knistert, gemeinsam fahren wir ab. Ich bin schwer beeindruckt vom Fahrkönnen all meiner Jungs, denn ich bilde gerne und beschwingt die Nachhut. Kann gelassen und ohne ständiges Halten im Parallelschwung den Jungs folgen.

Die nächste Liftfahrt rechnen wir ein wenig: „Wenn der Lift 12 Bänke pro Berg- und Talfahrt je 8 Sitze hat, wieviele Plätze macht das insgesamt? Und wieviele Leute fahren im nur halb besetzten Lift hoch?“ Ab und zu ergeben sich auf philosophische Gespräche („Mami, wer hat die Zeit erfunden?“), Witze („Was ist ein Keks unterm Baum?“) und Gesänge („Es war eine Sau, eine ganz rosa Sau …“).

Nachmittags treffen wir erschöpft und glücklich im Häusl ein, es gibt Kuchen, Obst, Tee (oder einen Gin Tonic). Wir spielen Karten, lesen vor, schauen einen Film …

Mein Mann trifft kurz nach uns ein, hat keine Zeit für Spiel und Feuer machen – die nächste Telko ruft. Naja, da schaffe ich lieber die Jungs wieder auf den Berg und lass mich von ihnen abhängen …

Buch der Stunde

Wenn dieses winterliche Schmuddelwetter bleibt, der Kamin schon knistert, die Badewanne lockt, dann fehlt nur noch diese Buch:

TYLL von Daniel Kehlmann

Der Dreißigjährige Krieg tobt durch Europa. Pest, Hexenverfolgung, nullkommanull Hartz IV. Kindersterblichkeit, Prügel, Hunger, Aberglaube (so geil, die Drachenjagd!) und Heimatlosigkeit bestimmen das Tagesgeschäft.

Hier treibt es Tyll Uhlenspiegel aus dem elterlichen Haus. Kein Platz für Andersartige, aber eben dieses sichert sein Überleben – in der engstirnigen Dorfgemeinschaft dagegen der sichere Tod. Es führt ihn an Königshöfe und aufs Seil. Der große Burbage der Lord Chamberlain’s Men strahlt einem entgegen. Daniel Kehlmann vermengt Esel und Mehl noch dazu.

Es macht mich immer fertig, wenn ein jüngerer Zeitgenossen mir so ein Buch vor die Füße wirft.

Dickes Buch, kurzes Lesevergnügen.

 

Ein Schnäppchen

Die Sonnt scheint. Wärmen kann sie noch nicht. Der Hund will dennoch seine Runde drehen. Eine Russin in schwarzem Kleid und passenden Pelzmantel tippelt mir entgegen (nein, ich habe keine Vorurteile). Eine junge, mausgraue französische Bulldogge begleitet sie. „Au, wie alt ist denn Ihr Hundchen?“ „Ach, das iiist funf Wochän alt.“ – starker russischer Akzent. „Fünf Wochen? Öffnen Welpen ihre Augen nicht nach den ersten zwei Wochen? Sie sieht mir mehr nach zwölf Wochen aus“, frage ich verwundert. „Oh ja, ich rrredä Unsinn. Ich habe sie ärst seit eine Woche.“ „Oh“, antworte ich, „dafür gehorcht sie aber recht gut.“ Wir beide blicken auf die Hunde. Die kleine fordert meine vehement zum spielen auf.

„Meine Nachbarn sind rrrichtige Russen. Die züchten, denke ich, da laufen sächs Hundä rrum.“ „Aha“, murmle ich. Na, da habe ich ja die gemäßigte Russin vor mir …

„Isch habe sie im Internät gekauft. Sie sollte entsorrgt werden.“ „Ach, die Arme“, denke ich mir entsetzt. Das ist so ziemlich der letzte Ort, an dem man einen Hund kaufen sollte.

„Für 2.700 Euro habe wirr sie gerettet. Ein Schnäppchen.“ Ja, genau, ein Schnäppchen. Kopfschüttelnd wandere ich weiter, kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Wenn die Sonne scheint

Wenn die Sonne scheint und der Tee dampft, die Zeitung daliegt und die Kinder schweigen, dann, ja dann ist es wieder so weit: Es ist Samstag!

In Zeiten mit schulpflichtigen Kindern leben wir vermehrt von Ferien zu Ferien. Aufwachen weitestgehend ohne Termindruck, gemeinsame Spiele und gemütliches Beisammensein von allen beim Abendessen – herrlich!

Nun, jetzt sitze ich vor meiner Zeitung, aber die Augen können die Zeilen nicht halten. Sie wandern über die Aussicht vor dem Fenster, halten am Vogelhäuschen inne und ich genieße die Wärme, die diese ersten Strahlen mir versprechen. Ich lausche und vernehme nur Friede. Tiefer Friede im Herzen. Schnell bewahren, bevor das Chaos wieder ausbricht!