Mitarbeit?! Nein, danke.

  • Achtung: ein Meckerblog

Wenn ich hier in meinem schönen Stadtteil so durch die Straßen laufe, zurück vom Einkauf, der Grundschule oder auf dem Weg zur Post, dann überkommt mich das wohlige Gefühl in einer Gemeinschaft zu leben, die es sich leisten kann, sich umeinander zu kümmern. Die Gegend strahlt Ruhe, Geborgenheit und auch Zuversicht aus. Gut, am ehesten habe ich dieses Gefühl, wenn ich an unserer Kirche vorbeigehe. Meist natürlich unter Zeitdruck und mit einem kurzen Blick auf die alte Dame, der ich jetzt gerade nicht helfen kann die Treppe zu meistern.

Dennoch, hier in dieser Kirchengemeinde fühlt es sich gut an etwas für seine Nächsten zu tun. So bin ich nun mal drauf. Das scheint meine Eigenart zu sein.

Aber etwas verwundert mich zusehend – hier ein Beispiel:
Unsere Gemeinde hat einen eigenen Kindergarten, der gedeiht und wunderbar etwas unterhalb des Kirchgartens gelegen ist. Hier spiegelt sich die wunderbare Vielfalt der Gemeinde wieder. Eltern unterschiedlichster Herkunft, Hintergründe und Konfessionen haben mit mehr Glück als Verstand hier einen der wenigen, sehr begehrten Kindergartenplätze ergattert. So, nun ist der Nachwuchs versorgt, dann kann man sich ja zurücklehnen. So, oder ähnlich scheinen es viele der Eltern zu halten.

Immer mehr beobachte ich, wie hier Leistung erwartet wird (ausgewogene Ernährung, ein ausgeklügeltes pädagogisches Konzept, eine hervorragende Vorschule), aber keiner dieser Eltern ist bereit sich darüber hinaus im Gemeindeleben zu engagieren.

„Mitarbeit?! Nein, danke.“ So scheint es vielen durch den Kopf zu gehen. Natürlich, die Belastungen junger Familien sind vielseitig und sehr zeitfordernd. Mit meinen vier Kindern weiß ich, wovon ich rede. Ein wichtiger Bestandteil meines Erziehungsauftrages ist es aber auch Selbstlosigkeit, Mithilfe und soziales Engagement zu vermitteln. Und das klappt leider nur am eigenen Tun.

Natürlich kann ich diese Art nicht anderen vorschreiben. Was mich dennoch beschäftigt sind Äußerungen anderer, die ständig Kritik üben an bestehenden Hilfestellungen (dafür sei die Kirche nur ein Beispiel) und selbst ihren Hintern nicht bewegen.

Wenn nicht wir unsere Umwelt gestalten, dann tut es eben nicht ein anderer, dann geschieht nichts, dann ist da nichts, dann wird nichts sein. Das hat je, Gott sei Dank, jeder selbst in der Hand.

Also auf geht’s! Miteinander füreinander etwas gestalten, das Freude bringt!

 

Oh mein Gott, er ist 14!

Wo ist er hin, der einst so süße Hosenscheißer? Klangvolles Babygebrabbel aus der Wiege? Er sitzt vor der PlayStation, hat die stinkerten Turnschuhfüße auf dem Couchtisch und fragt, ob es noch mehr Chips gäbe …

Ein gequältes Seufzen entfleucht meiner Brust, die ach – so lang ist’s her – ihm einst Milch spendete.

Auf macht er sich, auf den Weg zum Sport, allein, die Tasche geschultert, ein flüchtiger Blick zurück: „Bye, Mami!“ Immerhin, meine Brust hebt sich und schmerz erneut.

Wie wunderbar sie gedeihen und ziehen zu sehen, wie schrecklich, dass er schon so groß ist, wie schön, dass er meine Hilfe ab und zu noch braucht.

Der Nebel liegt tief

Vor mir ist eigentlich eine Schneelandschaft. Aber sie liegt hinter einer dichten Nebelwand verborgen. Ich höre die Stimmen meiner Kinder in der Ferne. Sie lachen, johlen, aber ich kann sie nicht sehen. Mein Auge dringt nicht weiter, als zu meiner Fußspitze. Ich sitze in einer Art Haube und kann nicht heraus, kann nicht auf sie zugehen, sie entgleiten mir.

Ich sehe nicht, was vor meinen Kindern liegt. Ob sie Schmerz, Leid oder Freude erwartet. Wahrscheinlich von jedem ein bisschen. Ich kann es nicht steuern, muss loslassen, muss Wunden geschehen lassen, muss warten. Sie ihrer Wege ziehen lassen. Der Nebel liegt tief.

Erst, wenn sie den Weg nach Hause gefunden haben, egal, wie lange es dauert, dann kann ich sie in die Arme nehmen, sie beglückwünschen oder trösten. Vielleicht auch beides auf einmal. Darauf freue ich mich. Darauf, dass sie sich auf uns besinnen, umkehren, um erneut zu starten.

Was uns der Januar verspricht

Der Januar breitet seine ganzes Jahresfülle vor uns aus. Ich spüre ein Kribbeln und regen, als ob es mich einem Vogel gleich über die nächsten Baumwipfel hebt. Zu gerne würde ich meiner Zeit ein wenig vorausschauen …

Gut, dass das nicht geht. So halte ich meine Nase in den Wind und schnuppere Zukunft!

 

 

Selbstoptimierung?! What the f…

Was für ein hässliches Wort! Ja, klar, natürlich würde ich immer gerne besser aussehen, als ich mich im Moment so fühle, aber mittels des Wortes „Selbstoptimierung“ funktioniert das schon mal gar nicht.

Bei mir greifen eher Schlagworte wie Wellness, Seele baumeln lassen, gutes Buch, Fondant au chocolat, Weißwein und so weiter.

Heute bei Sturmwetter Cookies backen, sich Zeit nehmen und den Kids vorlesen, den Hund vom Schmuddelwetter erzählen, drinnen bleiben und den Kamin anmachen – ja, da fühle ich mein Familienleben doch schon ganz anders selbstoptimiert.

Als ob das von selbst so laufen würde … Ständig muss man zerren und zetern, damit sich der Familienkahn träge in die gewünschte Richtung manövrieren lässt und wenn er dann Fahrt aufgenommen hat, muss man eh wieder bremsen, weil die nächste Klippe naht.

Optimistisch muss man in diesen Tagen ja eh sein …

Einen schönen Tag wünsche ich – und nur keinen Stress aufkommen lassen!

BR – Selbstoptimierungswahn

Bildmaterial:
einstueckvomglueck.ch

10 Sätze, die das Wochenende zu eben diesem machen

  1. Bleib liegen, Schatz, ich mach das schon.
  2. Tee/ Kaffee ist fertig!
  3. Ich hab Semmeln geholt und Dir ne Zeitung mitgebracht.
  4. Die Lampe im Esszimmer geht wieder.
  5. Ich hab uns was vom Inder bestellt.
  6. Was kann ich für Dich tun?
  7. Du, meine Eltern wollen heute unbedingt mit den Kindern in den Zoo.
  8. Mami, ich habe den Mathetest doch nicht verbockt – ist ne drei!
  9. War doch Regen angesagt – jetzt scheint die Sonne.
  10. Ich liebe Dich.

Carpe diem

Auf geht’s zurück in den Alltag – damit wir uns auf das Wesentliche besinnen, hier ein Gedicht von Droste-Hülshoff:

Pflücke die Stunde, wär sie noch so blaß,
Ein falbes Moos, vom Dunst des Moores naß,
Ein farbloses Blümchen, flatternd auf der Heide;
Ach, einst von allem träumt die Seele süß,
Von allem, was, ihr eigen, sie verließ,
Und mancher Seufzer gilt entflohnem Leide.

O, wer nur ernst und fest die Stunde greift,
Den Kranz ihr auch von bleicher Locke streift,
Dem spendet willig sie die reichste Beute.
Doch wir, wir Toren, drängen sie zurück,
Vor uns die Hoffnung, hinter uns das Glück,
Und unsre Morgen morden unsre Heute.

Annette von Droste-Hülshoff, 1797-1848

 

Die drei Könige, sie ziehen …

Die drei Könige unserer Krippe sind endlich! am Stall in Bethlehem, also auf unserem Regal, angekommen.

Für mich ist das das untrügliche Zeichen die Weihnachtsdeko so langsam abzubauen und für ein ganzes Jahr zu verstauen. Wehmütig wandern die Hirten samt Schafen und Engeln  in die Kiste zurück, dabei hat das Weihnachtswunder doch gerade erst angefangen. Was jetzt in Bethlehem geschieht ist die Flucht seiner Familie nach Ägypten, um Herodes Zorn zu entgehen (kein anderer König neben ihm). Das kommt mir auch dieses Jahr wieder bekannt vor – ziehen nicht alle in umgekehrter Richtung über das Meer?

Nun, ein ganz neues Jahr liegt vor mir. Was fange ich damit an? Wird es seine Versprechen halten? Welche Klippen gilt es zu meistern? Es macht mich neugierig auf das, was kommt.

Der christliche Kalender (Kirchenjahr) ist uns als Familie eine gute Stütze dabei. Schon bald starten die Diskussionen über „auf was verzichten wir in dieser Fastenzeit?“. Bitte nicht schon wieder auf Hausaufgaben machen …

Dann krabbeln so langsam die Frühlingsboten aus der Erde und Gottes Verheißung wird durch Christi Auferstehung an Ostern offenbart und an warm-lauen Frühlingstagen spürbar.

Pfingsten überbrückt die Zeit bis zu den Sommerferien. Christi Geist kommt hernieder – wollen wir hoffen, dass er auch Chemie und Mathe als Erleuchtung im Gepäck hat.

Der Sommer wird heiß mit Wasser, Ferien und Freizeit genossen. Ich persönlich liebe besonders die Johannizeit im Juli – ein halbjährlicher Vorbote auf Christi Geburt, Sonnwende, die Welt beginnt wieder einzuatmen.

Dann ist schon wieder Herbst, die Wiesn!, innere Einkehr – bis die Krippenleute erneut aus der Holzkiste klettern, der Engel auf dem Fensterbrett von der alljährlichen Erneuerung Gottes Liebe durch Christi Geburt kündet. Kurz vor Weihnachten die längste Nacht des Jahres, ein neuer Stern am Himmel, Könige die ziehen – die Welt atmet langsam wieder ein. Ein Heben und Senken des Jahreslaufs. Wir mittendrin.

Was wäre wenn …

Was wäre, wenn es endlich doch alles ganz anders käme? Würde ich vor Glück zerfließen? Oder würde es mich shocken? Wieviel Veränderung (die wir uns unweigerlich am letzten Tag des alten Jahres vornehmen) sind wir bereit zu (er)tragen?

Was wäre, wenn die Kinder alle mühelos funktionieren, ihr eigenes Leben ausfüllen und keinerlei elterliche Richtschnur mehr benötigen? Es könnte sein, dass ich in einem neuen Job aufblühen würde; dass ich mit meinem Mann ungeahnte Reisen unternehmen würde; dass ich noch vier weitere Kinder adoptieren oder eine KiTa gründen würde.

Es könnte aber auch sein, dass mein Mann noch mehr in Arbeit abtauchen, ich in Sinnlosigkeit und Schwermut verfallen würde und wir uns aus den Augen leben, dass es uns zerreißt im Sturm der ungeahnten Möglichkeiten.

Und das hier ist nur ein angenommenes „was wäre wenn“-Szenario. Hoffentlich lesen es meine Kinder nicht. 🙂

Also schätzen wir, also ich, unser Leben so, wie es ist. Dennoch nehme ich mir Dinge vor (mehr Großzügigkeit meinen Kindern und meinem Mann gegenüber; Loslassen von meinen Vorstellungen, wie es alles hier so zu laufen hat; Geduld mir selber gegenüber; schlicht: Liebe und Gelassenheit). – Auf in ein neues Abenteuer …