Unter Frauen

Alle fünf haben sich ein wenig schick gemacht. Endlich mal wieder Mädelsabend! Bei Kerzenschein, ein, zwei, drei Gläsern guten Weins kann man sich wunderbar fallenlassen und entspannt über die Probleme des Alltags quatschen: „Im Keller steht das Wasser, die Arbeit macht mich fertig und sie fragt mich noch, ob ich ihr Kind wieder mal kutschieren kann. Diese Prinzessin!“ /“Was?!  Ich dachte Dein Sohn würde sich in der Schule jetzt besser benehmen. Er hat aber wohl schon wieder einen Verweis bekommen …“ /“Boah, zu Hause liegt dieser wahnsinnig schöne Fellmantel von Burberrys. Ich hab ihn online bestellt und noch nicht bezahlt …“ /“Also immer dieser Stress mit den Flügen nach Dubai in den Herbstferien. Das machen jetzt einfach immer mehr Leute mit.“ … Eigentlich ist dies alles ohne Worte.

Aber was passiert da, was ist los, wenn wir uns so austauschen? Ist da schon wieder die Frau der Frauen Feind? Treiben uns Missgunst und Neid? Oder hilft das Darüberreden beim Verstehen der jeweils anderen Lebenssituation? Löst diese Art der Reflexion langsam aber stetig das eigene Problem? Oder ist es schlichtweg ein Abwägen der eigenen Lebensumstände („Oh, Gott sei Dank ist es bei uns nicht so schlimm …“ „Na schau an, bei denen läuft auch nicht alles rund …“)?

Ich kann es nicht beantworten, auch nach fast 43 Jahren Frauendasein und schier endlosen solcher Gesprächsrunden, die mich wirklich immer wieder aufs neue erheitern und begeistern. Es scheint nur sehr wahrscheinlich, dass es eine heiße Mischung der aufgeführten Beweggründe sind, die uns veranlassen uns miteinander und übereinander so auszutauschen. Wir loten unsere Tiefen und Untiefen aus, versuchen im Gegenüber eine Begeisterung oder aber mögliche Meinung und Hilfe zu erfragen,

Und dann gibt es diese Runden, denn neulich war es anders.

Neulich saßen wir in ganz vertrauter Runde beieinander. So, wie lange Zeit nicht mehr, da einige etwas weiter weggezogen sind, mit denen ich in wirklich engem Kontakt stand.
Nun, da saßen wir, wertfrei, ungezwungen, uns sehr gut kennend, fast alle Höhen und Tiefen des Gegenüber kennend. Und da geschah das, was wir wahrscheinlich immer in solchen Runden suchen, aber eben kaum finden.

Hier kam es zur Katharsis. Es breitete sich eine Stimmung des unendlich Nahseins aus, nichts war verfälscht, nichts stand zwischen uns im Raum und es herrschte vollkommene Offenheit. Wir sahen in unsere Seelen, in die scheinbaren Abgründe unserer Familien und konnten das Schicksal genau so annehmen, wie es sich uns offenbart. Es herrschte nur Verständnis für die anderen und Zuversicht in das eigene Tun, vollkommen ungeschminkt und rein. Fast, wie ein göttlicher Funke.

Kein Ende in Sicht 🙂

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