Ich zehre schon …

Im Morgengrauen raus vor die Tür, die Kinder verabschieden. Zum ersten Mal Raureif von der Autoscheibe kratzen. Ja, es ist November. Aus dem Eiskratzen versuche ich eine kontemplative Meditationsminute zu machen, doch als mir die Fingerkuppen den Dienst versagen, bin ich wieder mitten im kalten Spätherbstmorgen.

Obwohl die Sonne schon hoch über den Baumwipfeln lacht, scheint es noch ewig zu dauern, bis sie  mich im Gesicht streicheln wird – und ob sie überhaupt noch wärmt?

Wie war das doch schön in denSommerferien! Diese schier unerträgliche Hitze am Strand, das Wellenrauschen, die Farbe des Meeres, das Lachen der Kinder und der Sand überall. Ja, davon zehre ich bereits, von diesen Sommererinnerungen.

Als wir im August eben dort an diesem Strand saßen, erzählte ich meinen Kindern erneut die Geschichte von Frederick, der Maus, die andere Sommervorräte als ihre Kumpanen sammelte. Er speicherte Farben, Empfindungen und Wörter. Wir haben im Sommer sogar ein Video vom seichten Wellenspiel aufgenommen. Jetzt, da es kalt und dunkel wird, ist es eine wahre Freude es anzuschauen.

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Zehren wir jetzt doch von den angenehmen Dingen, die uns in diesem Jahr bereits zugestoßen sind. Zu schnell ist es bereits November. Denn ständig sind die Menschen unzufrieden, meist eben mit dem Wetter (zu heiß, zu kalt, zu naß, zu trocken …). Meine These dazu: Erst in der Nachschau sind wir mit der Natur zufrieden. Im Sommer noch sagte einer der Jungs: „Mami, wann können wir endlich wieder Schlittenfahren gehen? Ich vermisse den Schnee!“, zeitgleich ärgerte er sich über den beschwerlichen Weg zum Strand in dieser Affenhitze. Jetzt, hier im  Herbst beklagt er sich über seine frierenden Hände: „Boah, war das in den Ferien schön heiß!“

Tja, ich ziehe jetzt auch Handschuhe an, um das Auto frei zu kratzen und meditiere über das Wellenrauschen …

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Wanderer über dem Nebelmeer, Caspar David Friedrich, 1818

2 Gedanken zu “Ich zehre schon …

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