Wochenende! Welches Wochenende?

Schon wieder Mitte der Woche und das nächste Wochenende ist nicht mehr fern. Dazu auch noch Herbstferien in Bayern, cool!

Aber was war nochmal am letzten Wochenende los? Was haben wir nochmal unternommen? Ach ja, ich erinnere mich dunkel: Kletterkurs (jeden Tag drei Stunden), Schulwettrennen beim Einen, Konfirmationskurs vom Anderen, Gottesdienst am Sonntag, parallel Hockeyturnier in Nürnberg, abends einsammeln der Kinder von den verschiedenen Aktivitäten und zur Ruhe kommen. Ist dazu nicht das gesamte Wochenende gedacht?!

Wenn es nach mir ginge, dann würde das Wochenende aus gemütlichem Beisammensein vor dem Kamin bestehen. Lesen, Brettspiele spielen, Fernsehen und gemeinsam kochen, essen, sich unterhalten ohne den Zeitdruck Termine wahrnehmen zu müssen.

Das jedoch ist schlichtweg Utopie. Allein die Wäsche türmt sich auf, die Hund will draußen herumtoben, die Kinder schreien sich ständig an und der Mann taucht ab ins Arbeitszimmer …

Also raus aus dem Haus, schaffen, Sport treiben und gesellig sein.

Umso mehr die „Perlenmomente“ genießen, wenn niemand von einem etwas will, das Feuer knistert und mein neuer Top-Rope-Kletterschein aus meiner Handtasche ragt.

 

Herbstzeitlose

O trübe diese Tage nicht,
Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
Und unser Winter bricht herein.

Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil man’s nicht mehr erhoffen mag,
Dass so die Stunde wiederkehrt.

Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz –
O sorge, dass uns keine fehlt,
Und gönn‘ uns jede Stunde ganz.

Theodor Fontane
(1845)

Neulich bei einer Freundin zu Besuch

Marie setzt den kleinen Henry (ein starkes Jahr alt) in den Hochstuhl: Fütterungszeit! Von Vorfreude ergriffen jauchzt der kleine Mann und klatscht begeistert auf sein Tischchen und in die Hände. Wow, kann die Erwartung auf Essen einen in Hochstimmung versetzen. Der Brei kommt. Wer Löffel fliegt quer durch den Raum (wer braucht schon Besteck?!) und ran an die Buletten! Händisch wird geschaufelt was das Zeug hält.

Um ein wenig den Anstand zu wahren reicht Marie dem Zwerg eine halbe Reiswaffel. So kann sie den Löffel mit Brei wenigstens ansatzweise zum Mund des hungrigen Monsters bewegen. Wie krass sich die noch zu erlernende Feinmotorik auf das Wohnzimmer meiner Freundin auswirkt: Breifetzen auf der Kommode, den Büchern – vom Boden mal ganz abgesehen; und hier tritt die beste Verknüpfung von Kind im Ess-Lern-Alter und einem Haustier zu Tage: der Hund.

Marie besitzt einen wunderhübschen schokobraunen Labrador namens Mr. James. Ein wahrer stummer Butler! Er hat bereits den Boden flächendeckend eingespeichelt und so von Breiresten befreit. Einem Hai gleich umkreist er den Hochstuhl und wartet auf den einen entscheidenden Moment. Nämlich darauf, dass Henrys Essen ein Ende hat. Sobald der kleine Mann aus dem Hochstuhl gehoben wird macht sich Mr. James an die Arbeit.

Ausgiebig und zuverlässig gründlich wird der Hochstuhl gereinigt. Voll Freude ist Mr. James bei der Sache. Müde und gestresst lässt sich Marie mit Klein-Henry auf dem Sofa nieder. Wir schauen alle drei Mr. James bei der Arbeit zu. „Wie kann man bloß ohne Hund ein Kind füttern?“, seufzt Marie.