Die Gretchenfrage

„Und wie hältst Du es mit der Religion?“

Ich engagiere mich recht intensiv in unserer evangelischen Kirchengemeinde und das führt tatsächlich im kirchenkritischen Freundeskreis zu Irritationen.

Neulich fragte mich der Spielkamerad meines Sohnes, warum ich denn für die Kirche arbeite. Meine Antwort: Ich glaube an einen gütigen Gott, an die Mildtätigkeit der Menschen und an Moralvorstellungen, die tief im christlichen Glauben verankert sind.

Die soziale Verantwortung unserer Gemeinschaft (von der die Politik immer so schwadroniert) wird durch die Kirchen gelebt.

Ja, richtig, die Kirchensteuer wird vom Staat eingezogen. Das sehe ich als Hilfe all jener, die der Kirche angehören, aber diese mit ehrenamtlichen Tätigkeiten derzeit nicht unterstützen können. Sie zahlen zum Wohle aller einen Betrag, um Altenpflege, Seelsorge, Nachmittagsbetreuung, Instandsetzung der Kirchengebäude (in denen ihre Kinder getauft und konfirmiert werden, Weihnachten von Besuchern bestürmt wird, Bestattungen statt finden).

Wenn sich jemand über seine Kirchensteuer ärgert und meint der Gegenwert sei zu gering, der ist herzlich willkommen mal Sonntags Fünfe gerade sein zu lassen, das iPhone an der Ladestation und sich in den Gottesdienst zu begeben. Meist bekommt man bei der Predigt einen schönen Denkanstoß für die Woche. So geht es mir zumindest und ich sitze nicht jeden Sonntag in der ersten Reihe, wirklich nicht. Aber ab und zu und dann tut das sehr gut.

Irritationen gibt es eher meinerseits, wenn ich höre, dass sich bei den Pfarrern folgende Szenarien abspielen:

  • Die Tochter, die ausgetreten ist und ihre, ebenfalls aus der Kirche ausgetretene Mutter kirchlich Bestatten lassen möchte.
  • Der Mann, der aus der Kirche austritt und dennoch an vielen Gottesdiensten und Aktivitäten der Kirche teilnimmt – er hat seine Gemeinschaft mit seinem Austritt verloren. Er fühlt sich der Kirche dennoch tief verbunden („Wieso, ich bin doch getauft?!“).
  • Die Eltern, beide konfessionslos und ihre Freunde auch, die ihre Kinder unbedingt taufen lassen wollen.
  • Austritte der Eltern nach Vollzug der Konfirmationen ihrer Kinder.

Das macht mich etwas sprachlos (und musste mal hier Platz finden). Gerade in globalen Zeiten der Umbrüche, die geprägt sind von religiösen Extremen, finde ich es sehr wichtig sich fest zu seinem Glauben zu bekennen.

Ich glaube gerne.

Ein Gedanke zu “Die Gretchenfrage

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s