Wovon ich rede, wenn ich vom Reiten rede

(halt so ähnlich wie Haruki Murakami mit seinem Laufen)

Wenn ich die Stadt hinter mir zurücklasse und die Felder sich öffnen, wenn die Farben deutlicher werden und mein Geist sich beruhigt, dann ist der Stall bereits zum Greifen nahe. Langsam rollt das Auto die Schotterstraße der Auffahrt entlang, kühler Schatten des mich umgebenden Waldes empfängt mich und das Gehöft öffnet sich meinem Blick.

Hier bellen die Hunde, muhen die Bullen und wiehern die Pferde – aber die Menschen schweigen. Als ob ein unausgesprochenes Gesetz der täglich mühsamen Arbeit des Mistens, Füttern, Fegens die Menschen ihrer Sprache beraubt hat, so geht jeder seiner Pflicht nach. Ich stehe vor der Koppel, genieße die Ruhe. Mein Blick schweift über die friedlich grasende Pferdeherde.

Ein kurzer Ruf und fünf Köpfe heben sich. Einer antwortet und mich durchströmt das bestätigende Gefühl willkommen zu sein. Die sonnenwarme Stute führe ich zum Putzplatz, drei Hunde umspielen uns. Sie genießt und ich schufte, bis sich ein Teppich aus Winterfell uns umgibt und mein Mädel glänzt.

Ich sattle und trense, führe zum Sandplatz, gurte, steige auf. Und jetzt durchfließt mich die Gewissheit, dass uns das Reiten seit Menschengedenken begleitet hat. Ich spüre die Stute unter mir, umschlossen von meinen Beinen. Wie viele Heere weltumspannend konnten sich Dank der treuen Vierbeiner behaupten, wie viele Nomaden zogen mit ihnen in den täglichen Überlebenskampf, wie viele Pferde ließen in den Schlachten dieser Welt ihr Leben und wurden im Zuge der Industrialisierung wegrationalisiert und dürfen jetzt, wie hier, in diesem Fleckchen Erde ein pferdewürdiges Leben führen.

Ich blicke erneut auf in die Ferne und sehe, dass sich an der Nachbarkoppel eine Gruppe Jährlinge postiert hat, um zu beobachten, was ich hier treibe. Zu meiner Linken grasen Mutterstuten mit ihren ach so jungen Fohlen. Konzentriert ziehe ich meine Kreise, finde in der Bewegung mit meinem Pferd zusammen. Ich spüre, wie sie auf meine kleinsten Hilfen reagiert, nachgibt, sich trägt, in der Innenhand die Ganasche weich wird. Sie nimmt mit der Hinterhand Gewicht auf und wir starten in einen versammelten Galopp, während neben uns die junge Hengstherde ihren ersten Frühlingstrieben freien Lauf lässt.

Da ist es dann mit unserer Konzentration auch schon wieder vorbei. Sie kaut am langen Zügel, der Hals gedehnt und zusammen mit dem Hund starten wir eine gemächliche Schrittrunde ins Gelände. Nach einer Stunde auf dem Pferd ist mein Kopf frei, mein Körper angenehm müde und Pferd und ich sehr zufrieden.

Herrlich!

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