Kindheitserinnerungen

 

Wenn ich in den Spiegel seh´ und meine Haare seh´,
Ach Gott erbarme, die langen Haare.

Die reiß ich alle aus
Und mach ne Bürste draus.

Die Bürst verkauf ich,
Das Geld versauf ich.

Da kommt ein Polizist und schreibt mich auf die List,
Da muss ich fasten drei Tag im Kasten.

Jedoch ich bin nicht dumm
Und kipp den Kasten um.

Dann kann ich laufen
Und wieder saufen.

Ich steig auf Bergeshöh´,
Da gibt es viele Flöh.

Ja sogar einen
Mit achtzig Beinen.

Den hab´ ich aufgehängt
Und zu Salat gemengt.

Das schmeckte gerade
Wie Schokolade.

Wird in unserem Haus besonders auf Bergtouren immer und immer wieder gesungen.

Früher war alles einfacher …

„Früher war alles einfacher“, so sagen die Alten. Gehöre ich auch schon dazu? Mit meinen jungen Hüpf-ins-Feld-Jahren? Na ja, es sieht ganz so aus. Früher steckte ich meine kleinen Kinder einfach nach dem Abendessen um 18 Uhr ins Bett, las ein Märchen, sang zwei Lieder und gut war’s.

Das war einmal. Jetzt ist es bereits 21:45 Uhr und ich kann erst eine 50%ige Erfolgsquote des Zubettbringens vorweisen. Ja ja, so geht es dahin. Allein durch die verschiedenen sportlichen Events der Kinder kommt es zum verzögerten Abendessen.

Dies zieht eine verspätete ich-scheuch-die-Kinder-ins-Bad-Aktion, gefolgt von der „ist alles für den morgigen Tag bereit?!“-Ermahnung und dann sitze ich, so wie gestern, um 22 Uhr noch am Schreibtisch, um die physikalische Formel für die Gravitation zu googlen.

Früher konnte ich da gepflegt ein Weißweinchen trinken und den Nachbarskatzen bei der abendlichen Mäusejagd zuschauen. Wenn ich jetzt auf die Terrasse trete, dann ist es stockfinster. Genau, der Tag ist um und ich bin so müde, dass ich nur zwei von den angestrebten zehn Seiten im Buch lese. Diese reichen auch schon vollkommen aus, um mir das Gefühl zu geben heute wirklich etwas für mich getan zu haben. Man wird genügsam …

Bildquelle: kwerfeldein 2014

 

Vom Glück

Das Wort „Glück“ stammt ursprünglich von „gelucke“ aus dem 12. Jahrhundert und bedeutet so viel wie „Art, wie etwas gut ausgeht“. Demnach war Glück der günstige Ausgang eines Ereignisses. Man braucht weder Talente noch eigenes Zutun, um glücklich zu sein, aber die individuelle Einstellung spielt eine große Rolle. Daher kommt das Sprichwort: „Jeder ist seines Glückes Schmied“.

Ein Glas Wein, ein Buch – mehr brauche ich eigentlich nicht, um mich rundherum glücklich zu fühlen. Diese kleinen Momente des Alltags tragen eine derartige Köstlichkeit in sich, dass es schwer fällt sie in Worte zu packen.

Wenn dann auch noch die Sonne scheint, dann ist das Glück schier unfassbar. Wie viel schwerer fällt es nur diese Augenblicke als solche zu wahrzunehmen? Warum stresst uns das Leben nur so oft und macht uns blind für die schönen Dinge des Lebens?

Täglich versuche ich diese Momente zu fassen zu bekommen. Nicht eilen, sondern wahrnehmen. Zwischen Einkaufstüten, Referatsvorbereitungen, Kochen, Wäsche, Streit und ungehobeltem Benehmen der Kinder ist das manchmal nicht so einfach.

Wenn aber alle ruhig vor sich hin schaffen, dann genieße ich meinen Lieblingsplatz an der Tür, meinen Sonnenplatz. Ein einfaches Sitzkissen und einen Kaffee – herrlich!

„Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ Albert Schweizer

 

Die Menschen mögen Möwen leiden,  während sie die Löwen meiden

Der Schüttelreim ist eine Reimform, bei der die Anfangskonsonanten der letzten beiden betonet Silben vertauscht werden.

Hier meine Lieblinge:

Ich fuhr mit meinem Leiterwagen,
wo Steine und so weiter lagen.

Ich hörte einen Schrei, der klang
als käm‘ er aus dem Kleiderschrank.

Ich seh‘ mit einem siechen Grausen
die Euros zu den Griechen sausen.
Wohlauf ihr Chefs der siechen Gruppe,
nun würzt die fade Griechensuppe!

Ist das nicht der Suppenhahn,
den wir noch gestern huppen sah’n?

Ist dieser Hund auch stubenrein?
fragt mißtrauisch Frau Rubenstein.

Du bist
Buddhist.

O Du,
Udo!

Wo’s gestaubt hat,
das war die Hauptstadt.

Unter den schönsten Steppdecken
kann der blödeste Depp stecken.

Der Männerchor trinkt Bier vom Fass,
besoffen sind schon vier vom Bass.

Fürs Fest kauf schnell drei Fässer Bier,
wenn Harald kommt, doch besser vier!

Lass Bier in die Posaune laufen!
Dann kannst du je nach Laune saufen.

Ich esse nicht gern Spiegelei,
weil ich sonst wie ein Igel spei.

Ich kenne einen Schweinemäster,
der ist so dick wie meine Schwester.

Beim Zahnarzt in den Wartezimmern
hört man nicht nur Zarte wimmern.

Die Mutter freut sich am Rosenduft,
der Vater nach den Dosen ruft.

Nächtelang der Stauer soff,
dann starb er mangels Sauerstoff.

Auch solltest Du bei Magenleiden
den Wein aus sauren Lagen meiden.

Ein Säufer klagte neulich schüchtern:
„Heut’ fühl’ ich mich abscheulich nüchtern!“

Es könnte meinem Beine schaden,
drum will ich nur zum Scheine baden.

Wenn ich doch am Himmelbett
zum Wecken eine Bimmel hätt‘.

Im Lehnstuhl sitzt der gähnende satte,
sich nach dem Bette sehnende Gatte.

Die Predigt, mit Gefühl gestaltet,
macht Hände im Gestühl gefaltet.

Es war einmal ein Trotzkist,
der fand die Welt kotztrist.

Der Philosophen vage Thesen
sind alle schon mal da gewesen.

Was soll mir so ein gelber Sud?
Mein Magen wird von selber gut.

Will einer sich sein Recht erschleichen,
kann er’s im Guten schlecht erreichen.

Wer andern eine Zange leiht,
vermißt sie dann für lange Zeit.

Wer reist, braucht Schuhe.
Wer scheißt, braucht Ruhe.

Für den von Hitze platten Schatz
sucht sie jetzt einen Schattenplatz.

Erotisches:

Die Kathrin kauft kein Höschen mehr,
sie zeigt lieber ihr Möschen her.

Ins Bett soll man die Weiber legen,
schon ihrer schönen Leiber wegen.

Instead of being dead by wave,
she wanted to get wet by Dave.

Kann man arge Zoten bügeln?
Nein, grad nur den Boten zügeln.

Hüllen die fallen,
füllen die Hallen.

 

Schüttelreime machen Lust,
möglich, dass du lachen musst.

Bild: Max und Moritz, Wilhelm Busch, 5. Streich

Das Märchen von der traurigen Traurigkeit – Gastbeitrag

Es war eine kleine alte Frau, die bei der zusammengekauerten Gestalt am Straßenrand stehen blieb. Das heißt, die Gestalt war eher körperlos, erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.
„Wer bist du?“ fragte die kleine Frau neugierig und bückte sich ein wenig hinunter. Zwei lichtlose Augen blickten müde auf. „Ich … ich bin die Traurigkeit“, flüsterte eine Stimme so leise, dass die kleine Frau Mühe hatte, sie zu verstehen.
„Ach, die Traurigkeit“, rief sie erfreut aus, fast als würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
„Kennst du mich denn“, fragte die Traurigkeit misstrauisch.
„Natürlich kenne ich dich“, antwortete die alte Frau, „immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet.“
„Ja, aber …“ argwöhnte die Traurigkeit, „warum flüchtest du nicht vor mir, hast du denn keine Angst?“
„Oh, warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selber nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst und dich so nicht vertreiben lässt. Aber, was ich dich fragen will, du siehst – verzeih diese absurde Feststellung – du siehst so traurig aus?“
„Ich … ich bin traurig“, antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.
Die kleine alte Frau setzte sich jetzt auch an den Straßenrand. „So, traurig bist du“, wiederholte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. „Magst du mir erzählen, warum du so bekümmert bist?“
Die Traurigkeit seufzte tief auf. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie vergebens versucht und …
„Ach, weißt du“, begann sie zögernd und tief verwundert, „es ist so, dass mich offensichtlich niemand mag. Es ist meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und eine Zeitlang bei ihnen zu verweilen. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Aber fast alle reagieren so, als wäre ich die Pest. Sie haben so viele Mechanismen für sich entwickelt, meine Anwesenheit zu leugnen.“
„Da hast du sicher Recht“, warf die alte Frau ein. „Aber erzähle mir ein wenig davon.“
Die Traurigkeit fuhr fort: „Sie haben Sätze erfunden, an deren Schutzschild ich abprallen soll.
Sie sagen „Papperlapapp – das Leben ist heiter“, und ihr falsches Lachen macht ihnen Magengeschwüre und Atemnot.
Sie sagen „Gelobt sei, was hart macht“, und dann haben sie Herzschmerzen.
Sie sagen „Man muss sich nur zusammenreißen“ und spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken.
Sie sagen „Weinen ist nur für Schwächlinge“, und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe.
Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht spüren müssen.“
„Oh ja“, bestätigte die alte Frau, „solche Menschen sind mir oft in meinem Leben begegnet. Aber eigentlich willst du ihnen ja mit deiner Anwesenheit helfen, nicht wahr?“
Die Traurigkeit kroch noch ein wenig mehr in sich zusammen. „Ja, das will ich“, sagte sie schlicht, „aber helfen kann ich nur, wenn die Menschen mich zulassen. Weißt du, indem ich versuche, ihnen ein Stück Raum zu schaffen zwischen sich und der Welt, eine Spanne Zeit, um sich selbst zu begegnen, will ich ihnen ein Nest bauen, in das sie sich fallen lassen können, um ihre Wunden zu pflegen.
Wer traurig ist, ist ganz dünnhäutig und damit nahe bei sich.
Diese Begegnung kann sehr schmerzvoll sein, weil manches Leid durch die Erinnerung wieder aufbricht wie eine schlecht verheilte Wunde. Aber nur, wer den Schmerz zulässt, wer erlebtes Leid betrauern kann, wer das Kind in sich aufspürt und all die verschluckten Tränen leerweinen lässt, wer sich Mitleid für die inneren Verletzungen zugesteht, der, verstehst du, nur der hat die Chance, dass seine Wunden wirklich heilen.
Stattdessen schminken sie sich ein grelles Lachen über die groben Narben. Oder verhärten sich mit einem Panzer aus Bitterkeit.“
Jetzt schwieg die Traurigkeit, und ihr Weinen war tief und verzweifelt.
Die kleine alte Frau nahm die zusammengekauerte Gestalt tröstend in den Arm. „Wie weich und sanft sie sich anfühlt“, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. „Weine nur, Traurigkeit“, flüsterte sie liebevoll, „ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Ich weiß, dass dich viele Menschen ablehnen und verleugnen. Aber ich weiß auch, dass schon einige bereit sind für dich. Und glaube mir, es werden immer mehr, die begreifen, dass du ihnen Befreiung ermöglichst aus ihren inneren Gefängnissen. Von nun an werde ich dich begleiten, damit die Mutlosigkeit keine Macht gewinnt.“
Die Traurigkeit hatte aufgehört zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete verwundert ihre Gefährtin.
„Aber jetzt sage mir, wer bist du eigentlich?“
„Ich“, antwortete die kleine alte Frau und lächelte still. „Ich bin die Hoffnung.“
© Inge Wuthe, Dipl.-Sozialpädagogin, Gestalttherapeutin, Heilpraktikerin (Psychotherapie)
Dieser Text hat mir in so mancher dunklen Stunde weitergeholfen, hier für alle, die ihn ebenso brauchen können …

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Links, oder das andere Links?!

Mein Mann verzweifelt noch an mir (na ja, ich auch an ihm) – wann immer wir gemeinsam Auto fahren und er mir sagt: „Da vorne musst Du links abbiegen“, schaffe ich es den Blinker rechts zu setzen und in die entgegengesetzte Richtung denn der gewünschten einzubiegen. „Das andere Links!“, tönt es dann genervt vom Beifahrersitz. Und nun frage ich mich, woran das nur liegt, dass ich ständig die Richtung verwechsle.

Schon als kleines Kind habe ich gerne mit der linken Hand das Messer geführt und war regelmäßig überfordert, wenn es beim Tischdecken darum ging Messer und Gabel korrekt zu platzieren. Den Trick mit: „Messerrechts und Gabellinks“ habe ich erst viel später gelernt (Für alle, die es noch nicht wissen: Das gibt es auch für die Uhrumstellung. Sommer – vor, Winter – hinter). Meist half mir der Eselbrückenvers auch nicht, denn es erklärte sich daraus ja leider nicht, welche Seite denn nun die linke ist. So handelte ich mir jahrelanges Üben beim Tischdecken ein (würg).

Leider hat dieses Üben und auch meine fortgeschrittene geistige Reife (die Hoffnung stirbt zuletzt) nicht dazu geführt mir merken zu können, welches denn nun links und rechts ist. Dazu muss ich mich wirklich konzentrieren.

In meinem Auto herrscht nun Seerecht: Links ist Backbord, rechts Steuerbord, ganz nach internationalen Richtlinien. Damit komme ich bestens zurecht. Gepflegt kann ich auch den Anweisungen der Navi-Frau folgen – ich liebe diese großen Pfeile zur Richtungsangabe! – und fahre zur Yogastunde. Dort liegt die Lehrerin auf der Matte, mit dem Gesicht uns zugewandt, also spiegelverkehrt, hebt ihr linkes Bein und sagt: „So, nun alle mal das rechte Bein ganz langsam hochnehmen.“ Schweiß strömt mir über das Gesicht …

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Schreckliche Fastenzeit

Wir sitzen im Auto, also die Kinder und ich: „Mami, was ist Fasten?“ „Mmh, also wenn man auf etwas eine Zeit lang verzichtet, dass man sonst sehr gerne hat. Das tut meistens dem Körper oder aber dem Geist ganz gut. Ich werde auf meine Weißweinschorle verzichten und darauf Euch nach 18 Uhr anzuschreien (dies ist meine Höstgefährdungszeit außer mir zu sein, wenn die übermüdeten Kinder sich gegenseitig die Köpfe einschlagen).“

Es kehrt kurze Stille ein auf der Rückbank. Wir fahren durch das regennasse München über belebte Straßenkreuzungen und schließlich an der Grundschule vorbei. No 3 meldet sich von der Rückbank: „Jetzt weiß ich es! Ich verzichte auf Hausaufgaben, die lieb‘ ich nämlich eigentlich.“ „Au fein, ich verzichte auf Spinat, Brokkoli und esse nur schreckliche Chips“, höre ich vom 11-Jährigen.

Diese Unterhaltung lockt sogar ein leichtes Schmunzeln auf das Gesicht des 13-Jähringen. Er schiebt sich einen Beats-Kopfhörer vom Ohr: „Also ich verzichte ganz auf Schule. Und meines Wissen nach ist die Fastenzeit sechs Wochen lang.“ Erstaunt über sein plötzliches Allgemeinwissen setze ich den Blinker. Von den Geschwistern ertönt Applaus und Gejohle. Also das mit dem Fasten haben sie verstanden, wenn auch noch leicht verdreht 🙂

Übrigens: Das mit der Weißweinschorle hat ganz gut geklappt – nur mein Versprechen mit dem Anschreien habe ich täglich brechen müssen, aber die nächste Fastenzeit kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche.