Von Pelz und Piste

Skifahren in Kitzbühel geht so: Man trägt natürlich eine Montclair-Jacke, die Jethose vom Frauenschuh und ausgeschäumte Profiskischuhen von Strolz. Die Head-Ski sind extra im Laden bestellt worden, denn Massenware törnt ja nicht an. Der Hit dieser Saison sind allerdings beheizte Handschuhe mit großer LED-Anzeige des Batteriestands.

Neulich im Skilift: „Das Fünferl kann man vergessen. Da treibt sich jetzt die russische Hautevolee herum. Das sieht im Take Five auch schon so ähnlich aus.“ „Ja, leider. Aber auch die Sonnenrosi ist nicht mehr sicher.“

Warum stehen im Kitzbühler Louis Vuitton-Shop keine Unikate mehr im Schaufenster? Weil folgender Wortwechsel keinen geringen Seltenheitswert hat: „Haben Sie diese Tasche nicht auch in pink?“ „Nein, tut mir leid, wie ich Ihnen bereits mehrmals versicherte, es handelt sich hierbei um ein Unikat.“ „Ja, ja, so, so. Und in hellgrün?“

Man geht nicht mehr auf die „Breitlingalm“ (einst die Sonnbühel), nein, man zieht um ins Hahnenkammstüberl, zumindest die ältere Generation. Um abgefahren anders zu sein und mit Daddys Geld bereits mittags die erste Methusalem nicht schmeckenden Moet Champagners knallen zu lassen, muss man sich auf die Maierlalm begeben. Dort ist auch der Rolexfaktor am Handgelenk wieder auszuhalten. Denn man möchte sich ja unter seines gleichen wissen und doch so anders sein, die Welt verbessern und nicht zu diesen Schicki Mickis gehören. Getreu dem Motto: „Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme so selten dazu.“

Hier finden sich die armen Vollzeitmamis mit Pelz und Fellmoonboots, die noch ärmeren Geldprekariatssöhne, von den Eltern vernachlässigt, von der schwarzen Amex aber nie im Stick gelassen, und die wirklich armen und deshalb unterernährten Mädels mit blonden und braunen Haaren, die hoffen hier den Prinz zu treffen, der sie erlöst. Das wird aber nicht passieren, denn die Geldtiger haben ein unerschütterliches Gespür für vorgegaukelten Reichtum und nicht erhaltene Kinderstube.

Wer die Literatur der Großväter nicht gelesen, keinen Tanzkurs besucht und keinen Hummer zerlegt hat, der fällt schnell durch. Zum Grundfachwissen dieser Menschen gehört auch das sichere Umgehen mit Dresscodeangaben für „casual“, „Dinnerjacket“ und „Smoking“. Und dass Beste? Zur Maierlalm kann man auch ohne Lift gelangen …

Ski heil!

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