Weihnachtsgeschenke

Der kleine Engel Fridolin saß hoch auf seiner Wolke und war ratlos. Bisher war ihm jedes Jahr bis spätestens Ende November  eine zündende Idee gekommen, wie er seinen Engelfreunden und den Menschen auf der Erde eine Weihnachtsfreude machen konnte.
Jedes Mal hatte er sich dann voller Vorfreude ans Werk gemacht und in seiner Weihnachtswerkstatt herumgewerkelt, bis die liebenswürdigen Kleinigkeiten fertig gestellt waren, die dann anderen die Zeit bis Weihnachten hell und sie fröhlich machen sollten.

Was war mit ihm los, dass ihm dieses Jahr einfach nichts einfallen wollte? Vermutlich war es die Tatsache, dass er sich dieses Jahr ein besonderes Ziel gesetzt hatte. Fridolin hatte nämlich in den letzten Jahren festgestellt, dass viele seiner Engelfreunde und auch viele Menschen über all den schönen Basteleien und hektisch anmutenden Vorbereitungen selbst gar nicht mehr zur Ruhe kamen. So waren zwar die schönsten Geschenke entstanden, aber eigentliche, tiefe Freude über das Weihnachtsgeschehen hatte gar nicht entstehen können. Es war einfach keine Zeit vorhanden gewesen.

Der kleine Engel war sehr erschrocken, als er einem Menschen von seinen Überlegungen erzählen wollte und dieser nur geantwortet hatte: „Sinn – Weihnachten – keine Ahnung! Lass uns ein anderes Mal darüber reden! Ich habe gerade so wenig Zeit!“

Und Fridolin dachte bei sich : „Wozu denn all die schönen Weihnachtsgeschenke und -freuden, wenn das größte Geschenk, die allergrößte Freude und der Grund aller Aufmerksamkeit in Vergessenheit geraten ?“

Tja, und nun saß er auf seiner Wolke und dachte nach. Wie konnte er nur den anderen, die er alle so gerne mochte, wirkliche Weihnachtsfreude schenken – diese eigentliche große Freude? Hmmm, er rätselte und grübelte…

Draußen fiel der erste Schnee und aus vielen Wohnungen duftete es schon verdächtig nach Weihnachten.  Plötzlich sah der kleine Engel in der Ferne einen kleinen Punkt, der sich bewegte und langsam näher kam. Nach einiger Zeit erkannte er das Gesicht seines Freundes Arnulf.

Er freute sich sehr über den unerwarteten seltenen Besuch, stellte schnell einen Teekessel auf den warmen Ofen, zündete Kerzen an und stellte Lebkuchen auf den Tisch. Bis Arnulf dann ankam, hatte er in Windeseile einen gemütlichen Teetisch hergerichtet. Die Begrüßung der Freunde war sehr herzlich, und sie hatten sich viel zu erzählen. Sie saßen lange beieinander und der kleine Engel erzählte auch von seinen Sorgen der Geschenke wegen.

Da begann Arnulf zu sprechen: „Fridolin, ich war eigentlich nur hierher gekommen, um schnell dein Geschenk abzuliefern, aber nach deiner herzlichen Begrüßung und beim Anblick dieses liebevoll gedeckten Tisches brachte ich es nicht übers Herz, gleich wieder zu gehen. Ich muss gestehen, ich hatte das wahre Weihnachten eigentlich auch vergessen, aber deine Liebe und Wärme ließen mich zur Ruhe kommen. Du hast mir heute nichts geschenkt als deinen wunderbaren Lebkuchen und den duftenden Tee – und trotzdem hast du mir Weihnachten viel näher gebracht als alle Geschenke, die ich sonst bekam. Ich danke dir von Herzen.“

Arnulfs Worte gingen dem kleinen Engel noch lange durch den Kopf und plötzlich hatte er eine Idee. Er bereitete viele kleine Säckchen vor und packte nur eine Kerze, einen Teebeutel, einen Lebkuchen und einen kleinen Zettel hinein, auf dem stand:

Lieber Freund,
mit diesen Gaben möchte ich Dir die Grundlage für eine gemütliche Advents- und Weihnachtsstunde liefern. Zünde die Kerze an, brühe den Tee auf und während Du den Lebkuchen isst, besinne Dich auf all die wundervollen Menschen in Deinem Leben, die Dir Liebe schenken.
                    Dein Freund Fridolin

Verfasser und Quelle sind leider nicht bekannt.
Bild: Erica von Kager

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