Diese ach so stade Zeit!

Oft suche ich sie. Sie entgleitet mir ständig, aber besonders schlimm ist es in dieser oft „staden“ Zeit. Also in den paar Wochen vor Weihnachten. Auch jetzt scheint es weniger Zeit als sonst zu geben.

Mir scheint, als ob ein unsichtbarer Zeitwichtel aus dem Weihnachtsland jedes Jahr wieder schaut, wie viel wir Mütter in dieser Zeit schaffen, wenn er dabei heimlich, heimlich an der Uhr dreht …

Es beginnt ganz harmlos damit, dass man sich Gedanken macht, bis wann die Kinder ihre Wunschzettel fertig haben und ob aus den Sommerferien ein geeignetes Bild für die Weihnachtskarte dabei ist. Ich lasse mir Zeit beim Aussuchen des Designs, der Schrift- und Farbwahl. Wann gehe ich denn in die Stadt, um für die Patenkinder (und natürlich auch die Patenkinder meines Mannes) Geschenke auszusuchen. Diese kommen in die Ecke für den einen Postgang, den ich plane. Ha, wäre doch gelacht, wenn ich mich öfters in diese Schlange stellen muss! Oh, da brauch ich auch noch die Kalender für die Omas und Opas. Was basteln die Jungs denn dieses Jahr für die Paten? – Der Zeitwichtel beginnt sachte am Uhrband zu ziehen.

Wann kommen denn nun die Weihnachtskarten? Die muss ich ja noch schreiben! Was auf meinem Schreibtisch indes ankommt sind Einladungen zu Schulveranstaltungen: Kranzbinden mit nur einigen Kleinigkeiten, die bitte von den Eltern zu besorgen sind, Schulweihnachtsfeiern („Bitte studieren Sie mit Ihren Kindern kleine Weihnachtslieder auf dem Instrument und bringen Sie doch Selbstgebackenes mit.“), Wichtelgeschenke und Weihnachtsdeko für die Klassen sind zu besorgen.

Die Weihnachtskarten sind da – hurra! Nun wird abends geschrieben. „Du, Mami, wann hängst Du denn den Adventskalender auf?“, fragt mich der Sechsjährige. Ach Du grünen Neune! Morgen ist ja der erste Dezember! Nachts werden die Säckchen aufgehängt und nur das erste befüllt. Puh!

Der Zeitwichtel zieht fester an der Uhr …

Also, für das Kranzbinden bin ich gerüstet. „Was schenken wir denn den Sportlehrern vom Verein?“, eine andere Mutter bricht bei diesen Worten stöhnend zusammen … Es wird eine kleine Menge Geld gesammelt, der Gutschein später besorgt. Weiter geht’s, der Zeitwichtel bringt mich so langsam ins Schwitzen, auch wenn der Adventskalender mittlerweile leidlich befüllt worden ist. In einer Mußestunde dekoriere ich die Wohnung, schreibe gefühlte 200 Weihnachtskarten und backe mit den Kindern Plätzchen … Der Postberg füllt sich.

Jetzt noch die Geschenke für die Kinder (am besten online shoppen), die selbstgemachten Marmeladen für die Klassenlehrerinnen beschriften, alles verpacken – den Mann nicht vergessen! Oh mein Gott, was schenke ich dem denn? Der Zeitwichtel beginnt zu lachen, ich zu stöhnen. Diverse Adventseinladungen zu Tee und Plätzchen finden ohne mich statt, da ich noch mit einem riesigen Berg drei Stunden auf dem Postamt verbringe. Verschwitzt eile ich zum Metzgers meines Vertrauens und bestelle das Weihnachtsessen vor.

Es ist mittlerweile der 21. Dezember und ich habe den Vorrat an Weihnachtskerzen für den Baum noch nicht überprüft. Immerhin haben wir einen Baum, da den immer mein Mann besorgt. Die Frage, ob wir nicht als Familie mal in den Wald ziehen, um einen eignen Baum auszusuchen und nach Hause zu geleiten, hat bei mir einen Heulkrampf ausgelöst. Also nicht, der Baumverkäufer meines Vertrauens hat meine Vorauswahl meinem Göttergatten präsentiert, gekauft, geschleppt und aufgestellt.

Wenn alle Weihnachtsfeiern in der Schule, im Sportverein, der Musikschule, dem Freundeskreis und der Krabbelgruppe gefeiert sind, alle Kinder endlich in die Weihnachtsferien starten, dann steht noch der schlimmste Abend ins Haus: der 23. Dezember. Die Kinder wollen vor Aufregung nicht ins Bett, der Baum nicht ins Wohnzimmer passen. Wo ist denn der Weihnachtsschmuck? Ist denn das eine Geschenk immer noch nicht per Post geliefert worden??

Ah, da ist es. Der Schweißausbruch ist abgewehrt. Noch ein kleiner Geschenkeverpack-Marathon, ein letztes Kügelchen auf den Baum, die Krippe platziert und schlaflos mit kribbelndem, weil überarbeiteten Körper ins Bett. Dann steht dem Weihnachtstag nichts mehr im Weg – und mein Mann fragt sich immer, warum die erste Flasche Rotwein so schnell leer ist. Der Zeitwichtel und ich prosten uns zu.

Bis zum nächsten Jahr in der staden Zeit …

3 Gedanken zu “Diese ach so stade Zeit!

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