Reformation – und Du?

So viel mehr als Gewitter, Gefurze bei Tisch, Thesen, Flucht (vogelfrei – was für ein Wort!), Junker Jörg und Schreibarbeit …

Ich gehe gern in die Kirche. Warum? Das ist eine längere Geschichte. Zum einen schätze ich diese analoge Berieselung von oben. Ich muss da hingehen, keiner kommt zu mir mit den Lehren, Einsichten und Ansichten. Das steht einer auf der Kanzel und erzählt mir was. Ich höre zu und versuche zwischen dem Gesagten und mir eine Verbindung herzustellen.

Meist gelingt das ganz gut. Dann ist es ein wunderbarer Tag – ich öffne meinen Geist, kann nur hören, nicht wiedersprechen. Versuche umzusetzen, was mich betrifft.

Und dann gibt es diese Tage, da die Predigt an mir vorbeirauscht, ich mich in den rituellen Abläufen des Gottesdienstes und seinen Liedern wiederfinde. Ich trage dann meist zu viel mit mir herum. Aber egal wie es ist, hierher kann ich immer kommen, kann schweigen, zuhören und einfach nur sein und gerne glauben.

Anders stelle ich mir das vor, wenn man vor dem Jahr 1516 eine dieser kalten Kirchen ohne Sitzbänke betrat, um den Hoheiten in alltagsfremden Latein zu lauschen, einfach, weil es die Obrigkeit gebot und es etwas Körperwärme des Nachbarn versprach, sowie eine kurze Pause im Weihrauch von der Stall- Respektive Feldarbeit. Auch mal ein anderer Duft …

Aber diese Sprache? Damals konnten die wenigsten Kirchenbesucher überhaupt lesen, geschweige denn Latein verstehen. Der steuerentrichtende Pöbel war ein Spielball absoluter Herrschaftssucht von falsch verstandenen Gottesabtrünnigen. Vom Ablasshandel ganz zu schweigen. Das können wir uns hierzulande nur noch unter den Steuersünden der Bundesregierung im Schwarzbuch vom Bund der Steuerzahler vorstellen – und dabei werden wir bei diesem Steuerzahlen noch nicht einmal von unseren eigenen Sünden befreit! Na ja, anderes Thema …

Da kommt dann einer aus den eigenen Reihen und fordert Gleichheit, Freiheit und Transparenz – obwohl er die verkalkte Kirche eigentlich nur zu deren ehemaliger Grundform zurückführen möchte. Na gut, und übersetzen. Aber das bedeutet für mich eigentlich genau dieser Freiheits- und Gerechtigkeitsgedanke:

Erst wenn ich verstehen kann zu was ich mich verpflichte, kann ich das auch tun. Dann kann ich mich verpflichtet fühlen – und zwar nicht den Popanzen gegenüber, sondern Gott.

Das alles beinhaltet für mich die Reformation, die mit diesem Kirchenjahr beginnt und sich im Jahr 2017 zum 500sten Mal jährt. Begonnen mit Martin Luther, begonnen mit den 95 Thesen an seiner Kirche in Wittenberg.

Tipps zur Selbsterfahrung mit der Reformation:
Biografie Martin Luther, Heinz Schilling (selbst kein Pastor)
die „neue“ Luther-Bibel von 2017
Besuch der Wartburg in Thüringen
App Martin Luther – für Kinder geeignet

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Luther-Bibel 2017

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