Wenn der Regen fällt

Wenn der Regen fällt
Ist alles schwer und so viel fruchtbar.
Tropfen schmerzen und verwischen die Sicht.

Ein Wanderer zieht mühsam dahin.
Das Bündel des Lebens drückt sich feucht auf seine Schultern.
Sein Stecken und Stab ist zu kurz.

Wo geht es hin? Was ist das Ziel?
Geformt von den oberen Zehntausend, nicht von ihm.
So zieht er Schritt für Schritt der Unsicherheit entgegen
Weg vom Apfelbäumchen in seinem Garten.

Gebückt unter der Weltenlast erreicht er das Land.
Das gelobte Land, seine und ihre Zukunft.
Wie das Heilige Paar der Erlösung entgegen,
Der Türe verwiesen.

Der Regen fällt.
Verwischt die Schuld der Schuldigen.
Hinter dem Zaun wird es wohl besser werden.
So hofft er.

Und der Regen fällt.

Heute mal was Nützliches:

Immer wieder werde ich nach den Regeln der Kommasetzung gefragt, daher gibt es hier und heute mal etwas Nützliches, nämlich die Kommaregeln der deutschen Sprache.
1. Nebensätze
Die meisten Kommas trennen Sätze voneinander, zum Beispiel Haupt- und Nebensätze. Sätze erkennt man am finiten (gebeugten) Verb. Bei einem Hauptsatz steht das Verb an zweiter Position, bei einem Nebensatz am Ende. Außerdem beginnen Nebensätze oft mit einer Konjunktion, an denen man sie erkennt (siehe unten).

Mia hat gesehen, dass ihr Plan funktioniert. Meine Schwester ist sehr müde, weil sie wenig geschlafen hat. Paul ist ein Typ, der seine Meinung nicht so schnell preisgibt.

2. Aufzählungen
In einer Aufzählung müssen zwischen die gleichartigen Satzglieder Kommas gesetzt werden. Bei Aufzählungen werden Kommas gebraucht, um die Wörter und Wortgruppen aneinanderzureihen. Am Ende der Aufzählung wird kein Komma mehr benötigt, wenn die Aufzählungsglieder durch bestimmte Konjunktionen verbunden sind. Z.B. durch die folgenden Konjunktionen wird das Komma komplett ersetzt:

und, oder, sowie, wie, beziehungsweise / bzw., sowohl … als auch, entweder … oder, weder … noch

Achtung: Wann wird kein Komma in der Aufzählung gesetzt?
Bei nicht gleichrangigen Adjektiven d.h. wenn ein Adjektiv die folgende Wortkombination erklärt, darf kein Komma stehen.
die jüngsten politischen Entwicklungen

3. Partizipialkonstruktionen
Nachgestellte Partizipien oder Partizipgruppen können mit Kommas eingeschlossen werden.
Die Klasse beschließt, von dem Ausflug völlig begeistert, dort noch einmal hinzufahren.

Wann brauche ich kein Komma?
Wenn nur ein einzelnes Partizip steht, wird kein Komma gesetzt.
Lachend betrat sie den Klassenraum.

4. Infinitivgruppen
Ein erweiterter Infinitiv, der durch eines der folgenden Worte eingeleitet wird, wird durch ein Komma abgetrennt:
als, anstatt, außer, daran, darum, darauf, um, ohne, statt.
Er rannte los, ohne auf die anderen Läufer zu achten. Ich bin früh aufgebrochen, um viel Zeit zu haben.

Infinitivgruppen, die von einem Substantiv abhängen, müssen durch ein Komma abgetrennt werden.
Sie wurde bei dem Versuch, bei der Klassenarbeit zu spicken, erwischt.

Wenn eine Infinitivgruppe von einem Verweiswort abhängt, z.B. es, daran, darauf usw., muss ein Komma gesetzt werden.
Ich habe mich darauf gefreut, sie zu sehen. Ihr Ziel ist es, den Jackpot zu knacken.

Wann brauche ich kein Komma?
Wenn der Infinitiv keine Erweiterung hat könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr ein Komma setzt oder nicht.
Sie hoffte (,) ihn bald wiederzusehen.

5. Konjunktionen
5.1. Entgegengesetzte Konjunktionen:
Vor entgegengesetzten Konjunktionen steht ein Komma, z.B. bei aber, allein, doch, jedoch, sondern, vielmehr.
Nicht nur der Text stammte von der Sängerin, sondern auch die Melodie
.

5.2. Anreihende Konjunktionen
Zwischen Satzteilen, die durch anreihende Konjunktionen verbunden sind, muss ein Komma stehen:
bald – bald
einerseits – andererseits
einesteils – anderenteils
teils – teils
je – desto
ob – ob
halb – halb
nicht nur – sondern auch
Einerseits würde Lina sich gerne mit ihrer Freundin treffen, andererseits weiß sie genau, dass sie ihre Übungsaufgaben noch beenden muss.

5.3. Gleichrangige Konjunktionen
Bei gleichrangigen Konjunktionen werden normalerweise keine Kommas gesetzt:
und
oder
beziehungsweise (bzw.)
entweder – oder
nicht – noch
sowie
sowohl – als (auch)
sowohl – wie (auch)
weder – noch
wie
Ich kenne weder die CD noch die Lieder darauf.

6. Nachgestellte Erläuterungen
Wenn Erklärungen nachgestellt werden, müssen sie mit einem Komma abgetrennt werden.
Wir sollten uns bald auf den Weg machen, in fünf Minuten.

6.1. Erläuterungen im Satz
Erläuterungen, die durch „d.h.“, „nämlich“, „z.B.“ , „wie“ , „und zwar“ eingeleitet werden, müssen durch Kommas eingeschlossen werden.
Einige Ausflugsziele in Berlin, z.B. den Reichstag, besichtigen wir jedes Mal mit unseren Austauschschülern.

7. Anreden und Ausrufe
Das Komma steht nach Empfindungswörtern, wenn sie besonders betont werden. Es steht auch mitten im Satz in der Anrede und bei Ausrufen.
Verflixt, wo ist der USB-Stick schon wieder! Klaus, halte bitte den Stuhl fest! Aua, das tut so weh!

8. Namen und Adressen
Solange die Namen auch mit Titeln in der natürlichen Reihenfolge stehen, werden keine Kommas gesetzt. Das gilt auch für Namenszusätze.
Friedrich der Große
Lucas Cranach der Ältere
Professor Dr. Heinrich Schmidt

Mehrteilige Orts-, Wohnungs-, Zeit und Literaturangaben grenzt man mit Komma ab:
Dieter Franke, Frankfurt a.M. Bamberger Str. 6, 5. Stock Schmidt
Anne, Eberswalde, Am Zollamt 4, 2. Stock

Quelle: www.orthografietrainer.net, www.duden.de 

Herbstideen – Apfel, Feuer und Geschenke

Jetzt lädt uns das Wetter ein uns zurückzuziehen.

Wenn wir uns in der Küche versammeln, am Kamin sitzen oder einfach Tee auf dem Sofa trinken, dann kann man die frühe Dunkelheit doch ganz gut genießen. Hier ein paar Tipps, die uns diese Jahreszeit noch gemütlicher erscheinen lassen und keine Hektik in der nahenden Vorweihnachtszeit aufkommen zu lassen:

  • Geschenke online shoppen
    Manufactum
    Isabelles Papierparadies
    Geliebtes Zuhause
    PappsalonHerbst.jpg
    Emil und Paula
    feinsein
    Nostalgie im Kinderzimmer
    Gretas Schwester Sueper Store 
  • Schöne, meist klassische,  Musik hören
  • Weihnachtskarten schreiben
    Kartenmacherei
    Prantl
    Carta Pura 
  • Bratäpfel backen 
  • Geschenke mit Kindern selber basteln
    Schlüsselanhänger aus Fimo
    Bilderrahmen mit getrockneten Herbstschätzen aus dem Park bekleben
    Lesezeichen als Collagen
    Aquarellbilder malen, rahmen, verschenken
    Streichholzschachteln bekleben
    Weihnachtskarten selber gestalten
    Plätzchen backen und in Tütchen mit selbstgestalteten Anhängern verschenken
  • Winterliteratur für unsere Kinder:
    Marias kleiner Esel, Gunhild Sehlin
    Krabat, Otfried Preußler
    Martin, Doris Dörrie
    Es klopft bei Wanja in der Nacht, Tilde Michels
    Hinter verzauberten Fenstern, Cornelia Funke
    Ein Schaf fürs Leben, Maritgen Matter
    Wintertraum und Sternenglanz: Advents- und Weihnachtsgeschichten
  • Buchideen für noch mehr Herbst- und Winterträume
    Herbstgedichte, Evelyne Polt-Heinzl
    Ein untadeliger Mann, Jane Gardam
    Wunderbare Jahre, Sybille Berg
    Meine geniale Freundin, Elena Ferrante
    Die schwedischen Gummistiefel, Hennig Mankell
    Ein perfektes Jahr, Charlotte Lucas
    Wintertraum und Weihnachtszeit – Rezepte und Ideen
    Farbenrausch: Zauberhafte Dekorationen für Herbst und Winter

    Noch mehr Literatur für Kinder und Erwachsene

Mensch sein

Meine kleine Familie ist sauber, ordentlich und wohlerzogen. Wir halten uns an die Regeln – sei es im Straßenverkehr, bei der Steuererklärung oder im gesellschaftlichen Umfeld. Denn das wird erwartet.

Biologisch hochwertiges Essen, Vermeidung von Plastik, die richtigen Bücher im Regal und Instrumente für die Kinder. Bloß, woher kommt dieser immense Druck dem ich mich unterworfen fühle? Wer kontrolliert mich? Nein, nicht nur ich mich:

Mensch sein.jpg

Joaquín Sorolla – Licht und Schatten            HypoVereinsbank München

 

Jede Talkshow weiß mittlerweile, wie man Kinder erzieht, ob die Krippe oder die Mutterbrust das Richtige ist und dass lautes Gepöbel von Kindern also so etwas von gar nicht geht! Da ist aber noch lange nicht Schluss. Auch für den Single herrscht ein unausgesprochenes Benimmprotokoll.

Kein Kilo zu viel, Abendessen ist eh gestrichen, Alkohol gibt es höchstens am Wochenende und ein ballaststoffreiches Mittagessen sind Pflicht. Daneben der Sport, die Pflichtlektüre der Zeit/ Spiegel/ NZZ – man muss ja am Ball bleiben … „Wie, Du bestellst noch nicht die super korrekte Bio-Kiste, die mit dem Fahrrad zu Dir geliefert wird?“

Mir scheint, als ob unser Leben gläserner geworden ist. Wir unterliegen nicht nur der Mitsprache der Familie und der Freunde, nein, auch Arbeitskollegen, Moderatoren und besonders der gemeine Mitbürger mischen sich immer mehr in unser Leben ein und wie wir es führen sollen.

Bis in die eigenen vier Wände hallt der Ruf nach ökologisch korrektem Fußabdruck, Bildungsbürgertum und Bewusstseinspflicht. Und wann kann ich einfach mal Mensch sein? Für meine Söhne eine Pizza zum Abendessen bestellen und mir ein Glas Rotwein einschenken – am Dienstag. Fünfe gerade sein lassen und keine Englischvokabeln abfragen.

Geht davon die Welt unter? Reißt gar der Schlendrian ein? Bin ich ein schlechtes Vorbild? Ganz entschieden: Nein. Ich vermittle Menschlichkeit, Vergeben und Loslassen. Auch eine gute Portion Gottvertrauen, aber eben auch Vernunft.

Was nützt es mir, mich einer von außen aufgestülpten Erwartung zu unterwerfen, die ich nicht leben kann und will? Ich bin einfach Mensch. Einer, der falsch liegen kann, aber auch steht zu dem was er tut.

Dies hier ist ein klares Plädoyer für die eigenen Prinzipien. Finde sie – und lebe sie.
Sei Dir selbst treu und niemandem sonst.

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.“
Johann Wolfgang von Goethe

Herbsttag

Herr, es ist Zeit.
Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke, 21. September 1902, Paris

Der Sommer war nicht eben groß, aber groß genug, ich beklage mich nicht. Ein Sommer sollte ja auch nicht zu gross sein, aber ich weiss: Manchem kann er nicht groß genug sein. Der Apfel fiel nicht weit vom Stamm, das hat die Ernte um Wesentliches erleichtert. Aber auf den Fluren hat jemand die Winde losgelassen, was ich als Rücksichtslosigkeit, wenn nicht gar als Beleidigung empfunden habe; jedenfalls zeugt es von schlechten Manieren – von Kinderstube will ich nicht reden, es ist zu schmerzlich.
Jemand hat auch den letzten Früchten befohlen, voll zu sein, und ihnen noch zwei südlichere Tage gegeben, die zwar unerträglich waren, dafür ist der Obstkeller jetzt gefüllt.
Aber irgendeiner – ich weiss nicht, ob es derselbe war – hat auch die letzte Süße in den schweren Wein gejagt. Ich habe den Kerl nicht zu fassen gekriegt, wahrscheinlich hat er nachts gejagt. Und nun muss ich mich, so wohl als übel, auf einen schweren, süßen Jahrgang vorbereiten – aber sei’s drum:
Die Jahrgänge werden ohnehin nicht leichter, ist Dir das auch schon aufgefallen? Kannst Du Dich etwa auch nur an einen einzigen süßen Zeitlauft erinnern?
Immerhin habe ich ein Haus gebaut. Es ist noch nicht trocken. Noch stehen die Mauern einigermaßen sprachlos und kalt, während vor den dreifach verglasten Fenstern der Schnee auf Einsilbiges wie Au und Flur, Hain und Pfad, Busch und Strauch, Bach und Teich etc. sowie auf Zweisilbiges wie etwa Buschwerk und Tannicht, Strauchwerk und Buchicht, Tümpel und Weiher herabrieselt.
Es handelt sich, wie du dieser Aufzählung entnommen haben dürftest, um Umwelt, die ich übrigens nach Gebühr schütze, sofern sie mich in Frieden lässt, was leider nicht immer der Fall ist …
Wolfgang Hildesheimer, Mitglied der Gruppe „47“ und mit vielen Auszeichnungen bedacht, wäre am 8. Dezember 2016 100 Jahre alt geworden …

Mein absolutes Lieblingsbuch von ihm sind die Lieblosen Legenden.

Detox your life! Befreie Dich!

Das habe ich jetzt zumindest mal angefangen. Aus meinem Kleiderschrank habe ich wirklich tolle Sachen aussortiert. Die sind dann auch noch bei Mädchenflohmarkt zu bekommen. Der Rest zieht in die Kleidersammlung vom Deutschen Roten Kreuz. Weiter ging’s durch die Kinderzimmer.

Alles raus, was kaputt, zu abgewetzt oder eh nicht gebraucht wird. Gutes zum Kindersachenbasar Dreieinigkeit und der Rest zum Wertstoffhof – ich liebe den Wertstoffhof: Einfaches und doch fachgerechtes Entsorgen. „Bringen Sie uns Ihre Sorgen, wir kümmern uns darum.“ – Ob das auch mit geistigem Müll geht? Na, dann wären die Tonnen wahrscheinlich zum Bersten voll …

Es fühlt sich gut an so ein entschlackter Haushalt – und in der Küche und im Keller war ich noch gar nicht. Man soll ja auch nicht alles auf einmal machen. Was also als nächstes? Mal etwas, das nicht mit körperlicher Schlepperei verbunden ist (ich kuriere noch meine Erkältung aus).

Nach einigem Umherschweifen vielen mir die i-Geräte der Kinder in die Hände. Au fein, das wird eine tolle Samstagsüberraschung, wenn coc (= clash of clans) nicht mehr verfügbar ist! Um mir diese Toberei zu ersparen, bin ich so nett und kündige mein Vorhaben an. Ich bin erstaunt, wie gelassen meine Technik-Aufräumwut angenommen wird.

Jeder darf ein Online-Spiel behalten, der Rest wird gelöscht. Dafür gibt es eine Gruppe mit Lernspielen. Durch eine Viertelstunde Kopfrechnen kann man sich auch fünf Minuten „Zockzeit“ dazuverdienen – ich bin ja kein Unmensch. Auch mein Handy wird strengen „brauch‘ ich/ brauch‘ ich nicht“-Checks unterzogen.

Anschließend aktiviere ich sämtliche Einschränkungen für Musik, Filme und Websites, alle Mitteilungen werden deaktiviert. Das fühlt sich wirklich nach Detox an, so kann die besinnliche Zeit kommen.

Detox-Queen Marie Kondo in der Zeit

 

Wunder – ein Buch über die Herzen junger Schüler

– über das, was wirklich zählt, ab 10 Jahren

August ist zehn Jahre alt und eigentlich ein ganz normaler Junge. Naja, das findet nur er. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als ein ganz normaler Junge zu sein. Er hat ein von Geburt an stark entstelltes Gesicht. Daher hat er noch keine richtige Schule besucht, aber das soll sich jetzt ändern. Aber wie wird das nur? August ist es gewohnt angestarrt und gehänselt zu werden. Er weiß, dass die meisten Schüler nicht absichtlich gemein zu ihm sind.

Jeder kennt das Gefühl mal anders zu sein, nicht dazuzugehören. Dieses Buch erzählt sehr liebevoll, wie ein Junge seinen Weg durch die Tücken der mitunter anstrengenden Altersgenossen findet und vielen Kindern zeigt, worauf es im Leben ankommt, wie groß das Herz eines jeden ist – egal, wie er aussieht. Für Jugendliche und Erwachsene ist dieses Buch eine gute Lebenslektion und erinnert auch uns Ältere daran nicht schnell zu urteilen. Versprochen, es bleibt kein Auge trocken.

Wunder von Raquel J. Palacio, € 16,90

weitere Literaturtipps von alltagsrauschen

 

Höhenrausch und Wadenschmerz

… liegen oft ganz eng beieinander. Letzten Samstag war es mal wieder soweit. Wir wollten als Familie den Alltag in der Stadt hinter uns lassen und düsten Richtung Kochelsee zum Herzogstand. So manch einer wird die Strecke kennen: Heimgarten rauf (3h), über den Grad (2h) und Herzogstand runter (1,5h).

Na, das klingt doch nach einem wahren Zuckerschlecken! Endlich etwas für Po und Waden tun, dabei die Zähne zusammenbeißen und die Kinder motivieren – so dachte ich mir das. Ich hasse nichts mehr, als am Berg nicht mein eigenes Tempo gehen zu können, ständig Wanderstöcke in deren Länge zu verstellen (nach dem letzten Bergabenteuer hatte ich eine Sehnenscheidenentzündung) und heulende Kinder für das anstrengendste Stück Berg zu motivieren.

Nicht so heute. Tatsächlich marschierten 2/3 meiner Familie zügig von dannen, rein in den Wald, am rauschenden Bach entlang und immer schön steil bergauf. Ich begleitete unseren Jüngsten, das heißt, eigentlich begleitete er mich. Meinen Tagträumen hinterherhängend, die Natur bewundernd, dem Plätschern lauschend, folgte ich meinem munter voraushüpfenden Sohn durch den ansteigenden Tann. Selten hat er bei seinen drei Brüdern die Möglichkeit zum Zug zu kommen, aber atemlos und beschäftigt wie ich war, schien ich die richtige Zuhörerin zu sein (ich fühlte mich ein wenig zwangsbelabert).

Es waren herrliche Geschichten der reinen Fantasie eines Sechsjährigen. Wir fanden Zauberschnecken und Wichtellöcher. Wusstet Ihr, dass die gute Bergluft einem gigantomanischen Super-Blatt zu verdanken ist, dass sich über den Erdball gelegt hat und seine kleinen Schwester- und Brüderblätter tief am Waldboden zurückgelassen hat? Oben auf dem Berg steht ein Pavillon. Was denn darin sei, fragte ich. „In dem Pavillon ist wieder ein Pavillon, nur kleiner. In diesem steht wieder ein Pavillon – so wie bei den russischen Puppen. Ganz in der Mitte, nicht größer als eine Erbse, da wohnt ein Zwerg zusammen mit seinem Kind. Das ist nicht größer, als eine Fruchtfliege.“

Staunend über seine Fantasie und Kondition, erreichten wir den Gipfel. Weiter ging es über Grad und rüber zur Bergbahn. Uns begleiteten Geschichten von riesigen Fischen im See unten zu unseren Füßen. Diese können wohl mit geöffneten Maul bis zur Bergspitze hinaufspringen, um die unzähligen Fliegen zu fangen, die sich hier tummeln. Die Fliegenkönigin hat sich nämlich einst hierhin in Sicherheit geflüchtet, da es unten im Tal zum Denken zu eng war. – Wie wahr!

Wenn ich erschöpft in der Bergbahn meine tapferen Krieger erblicke, wie sie sich heute über Geröll, Berggrat und Höhen gekämpft haben, mit unerschöpflichen Geschichten im Kopf, dann sind sie ihres Vaters Kindern mit Wadeln, so stark, dass jeder Berg ein Klettergerüst ist und meine Kinder mit den vielen Geschichten im Kopf.