Auf geht’s, zur Wiesn!?

Der Bayer an sich entstammt ja schon einem misstrauischen Volk. Die in Amerika staatlich betriebene Propaganda des „neigbourhood-is-watching-you“ hatte hier in den Alpendörfern seine Geburtsstunde und wurde anschließend nach Übersee exportiert. „Geh, schleich Di!“, wird einem in Bayern schneller an den Kopf geschmissen, als man eine Maß bestellen kann. Laptop und Lederhosen hin oder her. Dieses Verhalten wird aber dort zum Problem, wo das Bayernphänomen des Zammrutschens, Saufens und Feiern weltweit geliebt und auch euphorisch besucht wird: auf dem Oktoberfest. Was einst anlässlich einer Prinzenhochzeit mit Pferderennen auf der Wiese vor den Stadttoren begann, zieht nun jährlich sechs Millionen Menschen aus aller Welt an.

Wenn man nun ein schlauer Depp ist, der mit religiös-extremen Fähnchen wedelt und seinem Gott wieder einmal einen Bärendienst erweisen will, so bietet das Oktoberfest die perfekten Bedingungen: westliche Dekadenz in Form von bierseliger Menschenmasse, leichte Zeltwände und ungehinderten Zugang.

Da wird einem schon ein bisschen mulmig zu Mute. Das hat auch die Münchner Polizei erkannt und nun ist es soweit – die Wiesn wird zum ersten Mal eingezäunt. So wie die Flüchtlingslager in und um München. So wie ein Kibbuz in Israel. So wie ein Zwinger. Ein Zwinger der ausgelassenen Freude. Od das wirklich Sicherheit bringt oder nur vorgaukelt, bleibt noch zu diskutieren. Werden denn auch Taschen kontrolliert? Sonst bringt der Zaun ja nix. Rucksäcke sind schon verboten. Oder kontrolliert man nur auffällige Wiesnbesucher? Was macht einen verdächtig? Ein Vollbart? Den tragen nicht nur Islamisten, sondern auch die Vollblutbayern mit Stolz. Gibt man so den Kontrolleuren mal wieder die Macht der Vorurteile in die Hand? „Der sieht nett aus. Aber den da drüben, den müssen wir filzen!“

Was Anderes: Wie sieht ein Besuch der Kotzwiese aus? Ist die im Zaun mit drin? Wäre schwierig, wenn nicht: „Lassens mich schnell raus, ich muss kotz …!“ Vielleicht sieht der Zaun auch Kotzluken vor. Das wäre auch lustig. Kotzen mit anstellen. Hinter den Liken stehen dann Eimer bereit. Erleichtert auch das Loslassen. Die Eimer wären auch der Wiese rechts der Bavaria zuträglicher. Immer wieder stelle ich mir bemitleidenswerte Stadtgärtner vor, die elf Monate lang die Bepflanzung hegen und pflegen – bis zum Anstich.

Man darf gespannt sein. Na, dann prost!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s