Go, go Pokémon!

Neulich Abend saßen wir wieder in unserer Anwaltsrunde in einem herrlich gemütlichen Lokal beieinander. Vier Paare so Anfang, Mitte 40.

Zu Beginn der Ferien fielen alle Arten von Anspannungen von uns ab. Bei einem Glas Weißwein (oder eher nach der zweiten Flasche) beklagten wir uns gegenseitig die Irrtümer dieser Welt: einfältige Mandanten, 50-Stunden-Wochen, Fanatiker, die zu blöd sind ihr Leben in den Griff zu bekommen und dann auch noch zu dumm ein Attentat ordentlich zu planen und durchzuführen und die neue Sucht unserer Kinder – Pokémon go:

„Was die dazu treibt nachts noch mal raus eine Runde um den Block zu ziehen?“ „Wenn sie wenigstens den Hund mitnehmen würden.“ „Meine Jungs fordern Bodenampeln wie in Köln, damit sie beim Monsterfangen nicht überfahren werden.“ „Das ist doch eine Sucht! Wenn ich am Straßenverkehr teilnehme, dann schau ich nicht ständig auf mein Handy und bekomme von der Umwelt nichts mehr mit!“ „So ein Blödsinn. Unsere Jugend vergeudet ihre Zeit sowieso schon viel zu viel in dem kleinen Handkasten. Wir haben das damals nicht so gemacht. Konnten wir gar nicht, gab ja keinen App-Store auf dem ersten Ericsson-Knochen.“ „Ganz meine Meinung. Das ist doch wirklich ein Armutszeugnis, dieses ständige Zeitverdaddeln.“ Darauf wird angestoßen, schon wieder.

Dann kommt es aus einer Ecke des Tisches von Claudia, die bisher nur nickend an der Unterhaltung teilnahm: „Also ich hab mir das Spiel neulich runtergeladen.“

Fassungsloses Staunen und eine unangenehme Stille legt sich über den Tisch. „Ja, doch, irgendeinen Ausgleich zu meinem harten Arbeitsalltag muss ich ja haben. Für Yoga fehlt mir die Zeit. Und gut für den Körper ist das hier auch.“ Wir prusten los vor Lachen und beugen uns neugierig über den Tisch, um ihre Monstersammlung zu begutachten.

„Man muss doch mit der Zeit gehen und wissen, was unsere Kids so treiben …“ verteidigt sie sich.

Claudia hat recht. Wir sollten nicht so reaktionär mit unserer Weltsicht die Jungen verurteilen. Aber alles in Maßen – das betrifft auch den Weißweinkonsum.

Tja, da sitzen die Verräter direkt unter uns. Wir werden älter. Alle. Prost!

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