Omas spitze Feder

– ein Gastbeitrag

Zur Bewältigung der fordernden Dompteuraufgaben bei der Enkelhütung strebe ich Fortbildung an und habe folgerichtig in einem Friede-verheißenden tiroler Wellnessresort ein Tagesseminar gebucht: „Oma-fit!“

Anreise am Freitag:

Dem Burnout nahe Altweiber und ein Opa („Kurt“) versammeln sich ab 18 Uhr um die Bar – es wird fröhlicher als vermutet: „Darf’s ein bissl mehr sein…?“ Ich erinnere mich noch dunkel, dass Natascha, die in Salzburg unbedingt bei mir einziehen will, in den Lift kotzte  – dann Filmriss.

Samstag:

Mit dem Aufschrei: „Enkelpower!“ (pssst: die übrigen Gäste!) versammelt sich die Truppe motivierter Gruffties um 6.30 Uhr auf der regnerischen Wiese vor dem Haus. Irgendwie sind meine Ballerinas, die unserem angekündigten Vorturner imponieren sollen, wohl nicht die beste Wahl gewesen.

Eine Art Animateur, der sich als spät-pubertierender Soziologiestudent im dritten Semester herausstellt und offensichtlich dringend seine Urlaubskasse aufzubessern hat, bevor seine „Dulcinea“ mit dem Porscheyuppi um die Ecke durchbrennt …  (Enkel kennt er vermutlich vom „Hören-Sagen“?), faselt irgendwas von ‚örly-börd‘ – und dass es wichtig sei VOR den kleinen „Krätzen“ aufzuwachen, um die Situation irgendwie im Griff zu behalten.

(Hmmm… da könnte was dran sein – ich denke an den Morgengruß meines jüngsten Enkels mit 200 Dezibel: „RUUUHHHEEE“!!!)… und beschließe, mich drauf einzulassen.

Wir entbieten also dem regnerisch-verhangenen Wilden Kaiser-Gebirgszug eine Art Yoga-Morgengruß – und ich bin nicht die Einzige, die sich weigert, die Nummer mit der „Kobra“ bäuchlings im Frühtau zu absolvieren!  „Hansi“ (wie auch sonst) demonstriert uns behände (gut gebaut, der Frischling), wie wichtig körperliche Fitness ist, will man weiter „mithalten“ mit den Jungen (auch da könnte was dran sein, wo ich schon schnaufe, wenn ich den Weinnachschub aus dem Keller in den ersten Stock schleppen muss).

Nach 20 gestreckten, gehüpften und gedehnten Minuten im kalten Gras ist die Motivation der meisten wohlmeinenden Großeltern verraucht und Hansi führt die wankende Truppe zum üppigen Frühstücksbuffet – endlich! Kurt schlurft schniefend hinterher. Die Ballerinas wabbeln formfrei um meine Knöchel.

Man trifft sich um zehn Uhr zum Wasserballett. Ich zwänge mich in den zu kleinen Swimsuit, der klemmt und zwickt, aber das Dekolté so vorteilhaft betont (Hansi ist schließlich auch nur ein Mann) und schlappe Richtung Pool.

Dekorative Schwimmnudeln um die schlimmsten Rettungsringe geben uns die Illusion von Attraktivität. Wo bleibt Hansi? Aber siehe, hier irrt die Oma: Barbara, 21 Jahre, Olympionikin, versucht uns zu Kunstturnnummern zu inspirieren, die sämtlicher Wasser- und Schwerkraft diametral zuwiderlaufen.

Christinas Schwimmnudel hat sich irgendwo verhakt und wird mit einem Ruck befreit. Kurt blubbert ungut in der letzten Reihe.

Zur Entspannung empfiehlt man uns ein Kurzessay zum Thema „der Enkel und ich“ zu verfassen: Die Wahrheit und nichts, als die Wahrheit … Mir schwant nichts Gutes und so ist es auch: Ein psychologischer Mediator zerpflückt alle Machwerke detailliert und rät uns, umzudenken.

Immerhin führt er uns anschließend in den „action-Raum“, eine Art großzügig gedämmte Isolierzelle und empfiehlt uns, unseren Aggressionen mal so richtig freien Lauf zu lassen. Die Sanitäter, die die wimmernden Überreste des Mediators 15 Minuten später abtransportieren, sind nicht zu beneiden und verteilten großzügig kleine rosa Beruhigungspillen.

Das Mittagessen verlief weitgehend schweigend – irgendwas läuft hier ganz schief! Aber: Hansi taucht auf – ahhh, ein Lichtblick! Er bestellt die Truppe für 15.30 Uhr an den Fuß der „Falkenwand“: „Myladies, bitte festes Schuhwerk tragen!“

Nach 15 Minuten in der Wand (unterer Teil) machen meine Muskeln schlapp und krampfen. Magnesium in Pulverform hilft, den Abstieg zu schaffen. Die hübsche Badenixe Natascha verrät uns, indem sie Richtung Bahnhof davonmacht … – ihre pinken Nikes seien hierfür nicht gedacht.

Aber Kurt läuft zur Hochform auf: Er überrascht uns alle und hangelt sich wacker aufwärts. Er will seiner Enkelin ein Edelweiß pflücken! Bis er in einer (doch eher noch bodennahen) Felsspalte hängenbleibt – verkeilt!

Jetzt hyperventiliert Hansi, schwitzt und ruft die Bergwachtkollegen – und die bergen Kurt und nehmen Hansi auch gleich mit. Ach, der Gute, etwas schade ist es doch um ihn. Na ja, in den Enkelgarten kommen halt nur die Harten.

Während wir grüblerische Haufen bilden, radelt eine fröhliche Gruppe Zweitklässler daher, bewaffnet sich klimpernd mit Seilen, Haken und Ösen und kraxelt was das Zeug hält hinter ihrem Trainer himmelan …

Wir staunen, klatschen, motivieren. Als die Kleinen wieder unten landen, haben wir inzwischen den Eisladen gestürmt und jeder bekommt eine kleine Belohnung für die tolle Leistung. Kleine Schürfwunden werden mit Pflastern aus unseren Hausapotheken beklebt, Taschentücher verteilt und Wasser gereicht: „Geh schau, die brave Omi!“

Der Abend klingt gemütlich aus. Wir finden, dass wir unterm Strich alle echte Superomas sind. Gegen 22 Uhr stoßen Kurt, Hansi und Barbara wieder zu uns. Es wird spät an der Bar. Natascha wird mich anrufen …  Ich fand, es war ein super Wochenende.

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