2. Halbzeit Ferien – Schulanfang ante portas

Noch scheint die Sonne uns am Strand auf die Nase, doch schon bald heißt es wieder: Schulstart! Damit der (Neu-)beginn so stressfrei wie möglich wird, hier ein Paar Tipps:
Die kleinen Großen freuen sich auf die erste Klasse. Was gibt es, das man jetzt schon vorbereiten kann? Was kommt in die Tüte? Eine Ideenauswahl:

  • kleine Legopackung
  • besonderer Radiergummi/ Lineal/ Stift
  • Armbanduhr
  • Wecker
  • Lieblingsschokolade
  • Sticker
  • Anhänger für den Ranzen
  • Namensaufkleber
  • Adressstempel

Achtung: Die Hausaufgabe am ersten Schultag ist das Malen des Schultüteninhalts.

Ideen zum Schulstart für Wiederbeginner:
Meine Mutter führte uns drei Mädels einzeln in die Stadt aus, um uns einen neuen Pullover, ein paar Schuhe oder einen Haarreif zu kaufen. Mit diesem neuen Stück feierten wir immer den ersten Schultag des neuen Schuljahres – ein Neubeginn mit allen Chancen in unserer eigenen Hand. Das Gefühl des ersten Hefteintrages in einem neuen Heft werde ich nie vergessen. Hier ein paar Ideen für den erneuten ersten Schultag:

  • Mini-Schultüte mit Süßigkeiten auf dem Frühstücksplatz
  • neue Brotzeitbox & Trinkflasche
  • Lieblingsmittagessen kochen
  • Neuer Lieblingsstift – der Schreibwarenladen Ihres Vertrauens weiß, was in welcher Altersklasse angesagt ist
  • Studentenfutter mitgeben

Tipps für den gelungenen Start zurück:

Folgende Dinge lohnen sich ein paar Tage vor Schulstart zu tun:

  • Foto für den Schülerpass/ das Busticket ausdrucken
  • Schultasche ausräumen, Stifte nachbestücken, ebenso Kleber, Zirkelspitzen etc.
  • unter www.schlaukopf.de lassen sich Lerninhalte gut online wiederholen
  • Öffentlichen Verkehrsverbindungen prüfen – oft gilt ab Herbst ein neuer Fahrplan
  • Kleidung am Vorabend rauslegen
  • genug Zeit für ein gemeinsames Frühstück einplanen
  • Kleine Geldscheine für Klassenkasse/ Kopiergeld/ Unterrichtsmaterialien parat haben
  • sich für abends Zeit nehmen, um alle Eindrücke des Tages geschildert zu bekommen

So kann man die letzten Ferientage und -wochen noch genießen und verliert nicht zu Schulbeginn die Urlaubsentspannung.

 

Wo findet man seine Ruhe? – Am Berg

Wir machen in den Ferien mal das etwas andere Programm: Downsizing. Entschleunigung, Konsumbereinigung. Und wo das Ganze? Oben auf dem Berg, besser gesagt in den Bergen. Im Stubaital hoch oben auf der Neuen Regensburger Hütte.

Gepackt wird nur das Nötigste und jeder schleppt selber – auch der Sechsjährige: Hüttenschlafsack, Regenjacke, Taschenlampe, Karten, Wechselklamotte, Taschenmesser, Müsliriegel, Trinkflasche und los!

Der Anstieg zur Hütte ist super spannend. Ab durch den Wald, Moosboden und Fichtennadeln begleiten uns. Ein erstes Kruzifix am Wegesrand. Die Autos der Dorfstraße sind kaum mehr zu hören. Die Kinder steigen munter plaudernd, die Eltern leise schnaufend dem Mittagessen auf der Ochsenalm entgegen. Der Wald lichtet sich. Eine Almwiese wie im Bilderbuch öffnet sich unserem Blick. Heuschober und Gebirgsbrunnen zum Abkühlen stehen neben der Einkehr. Und dann sieht man die Regensburger Hütte oben thronen. Scheinbar an der Bergeskante, auf 2.286 Meter Höhe, ragt unser Ziel uns entgegen. Ein sehr beeindruckender Wasserfall lässt jedes Gespräch verebben. Die Jungs sind jetzt eh leiser, denn nun geht es zwei Stunden steil bergauf. Keiner redet mehr. Kaum einer begegnet uns. Jetzt macht jeder den Weg mit sich allein und doch gemeinsam.

Meine Gedanken kreisen immer langsamer und kehren zu mir zurück. Ich schwitze und bin wirklich angestrengt. Scheinbar mühelos klettern die Burschen mit ihrem Gepäck auf den Berg. Und ich? Was ist mit meinem Gepäck? Es drückt auf meine Schultern. Trage ich zu viel mit mir herum? Was soll ich loslassen, was lohnt sich mitzunehmen? Huch, solche Fragen tauchen im Tal doch nicht auf?!

Endlich haben wir die Hütte erreicht. Welch Erleichterung die schweren Schuhe abzustreifen (und wieder der Gedanke: welche Gewohnheiten sind überflüssig?), die Arme in den eiskalten Trog vor dem Haus zu stecken, sich in die Wiese zu legen … Die Jungs springen kurze Zeit später in den kleinen See neben der Hütte. Anschließend spielen sie Alphorn mit einem alten Duschschlauch, sie füttern die Hühner und streicheln die Babykatzen. Sie sind mit sich zufrieden. Keine Fragen nach: „Was machen wir jetzt?“ oder „Mir ist so langweilig!“ Und mein Mann stiefelt, bar eines Handynetzes, um mich herum: „Ich hab nix zu tun! Na, dann geh ich eben mit den Jungs schwimmen.“ – Herrlich! Tatsächlich verbringt auch mein Handy die vier Tage auf dem Berg im Flugmodus. So haben wir beide mal Ruhe.

Die Tage auf dem Berg sind klar strukturiert: 6:30 Uhr aufstehen, Frühstück gibt es nur bis 7:30 Uhr. Danach packen für den Tagesmarsch mit heißem Tee und reichlich Schokolade. Anschließend steigen, steigen, steigen, inklusive geistiger Bereinigung. Der Triumph am Gipfel: „Diesen Berg haben wir geschafft und seht mal da unten, unsere Hütte!“ Einen Gletschersee besucht, Murmeltieren gelauscht, Kühe vom Weg verscheucht. Abstieg und Rückkehr am frühen Nachmittag. Genug Zeit zum Lesen, Baden, oder einer heißen 2-Minuten-Dusche … Abendessen um 18:30 Uhr, Hüttenruhe um 22 Uhr. Einfach, nichts dran zu rütteln, unumstößlich. So werden einem viele Entscheidungen abgenommen und der Kopf wird klar.

Wir genießen das gemeinsame Zubettgehen. Hier findet sich die Zeit für Gute-Nacht-Geschichten, Kartenspiele und gegenseitigem Zuhören.

Derart entschleunigt, körperlich erschöpft, aber munter, steigen wir den Berg hinab und der Wirklichkeit entgegen.

Es ist so laut hier. Die Leute reden zu schnell und zu viel. Im Supermarkt schreien uns die grellen Produkte an. Die Kinder zappeln und sind hin und her gerissen.

Am Abend planen wir deshalb sofort unsere nächste Tour.

Münchner Hausberge

Wölfe ums Schloss

Eine Jugendbuchrezension

Gerade, aber nicht nur in den Sommerferien fehlt oft der Lesestoff für die Jugendlichen unter uns. Hier eine Rezension des zwölften Bandes der Kinder-Edition der ZEIT: Wölfe ums Schloss von Joan Aiken

Die beiden Kinder Silvia und Bonnie genießen ihr Leben auf dem Schloss von Bonnies Vater, Sir Willoughby. Ein Pony, handgearbeitete Schlittschuhe und feinstes Essen machen das Paradies perfekt. Doch schnell wendet sich das Blatt, denn Bonnies Eltern brechen zu einer langen Seereise auf. Die Kinder bleiben in der Obhut der bösen Kinderfrau, die nach dem Schloss trachtet, die gesamte Dienerschaft entlässt und die Mädchen kurzerhand ins Waisenhaus steckt. Dort lernen sie den Ernst des Lebens durch Entbehrungen aller Art kennen. Nur mühsam gelingt ihnen die Flucht und sie erreichen London, denn sie wollen die garstige Gouvernante aufhalten, denn die Eltern sind immer noch nicht wieder zurück. In London finden die Beiden Silvias Mutter dem Tode nahe. Ein junger Arzt bietet Rettung in letzter Sekunde an und schon wieder überschlagen sich die Ereignisse. Rechtsanwälte, Waisen, Wölfe, Polizisten und ein Happy End.

Eine gut lesbare Sprache und nicht zu klein gedruckt ist dieses Buch ein wahres Familienereignis.

Susanne Gaschke schrieb:
„Wölfe ums Schloss ist nicht zuletzt ein Bildungsroman: Bonnie und Sylvia lernen (zugegebenermaßen auf recht drastische Weise), dass das behütete, verhätschelte Leben, in dem einen Dienstboten auf Händen tragen und Mütter einem jeden Wunsch von Augen ablesen, nicht wirklich auf Lebenskrisen vorbereitet. Und Joan Aiken gibt damit ihrer Überzeugung Ausdruck, dass Reichtum, dass auch Glück im Leben eigentlich nicht ererbt sein darf, sondern erarbeitet werden muss.“

Zu bedenken ist, dass der geschichtliche Kontext ein fiktiver ist. Das werden nicht alle Kinder alleine entdecken können.  Sowohl den König, Jakob III. der Gute, als auch den Kanaltunnel zwischen Dover und Calais gab es im Jahre 1832 nicht. Dieser Tunnel dient den großen Rudeln ausgehungerter Wölfe auf die britische Insel zu gelangen.

Wölfe ums Schloss, Joan Aitken
Leseempfehlung ab acht Jahren

Mehr Literaturempfehlungen für Kinder und Jugendliche

Kopfkino

Was verrät uns dieses Auto? Ein Münchner Range Rover. Natürlich schwarz lackiert. Hinter dem Markennamen verrät sich der Besitzer (oder die Blondine) durch ein kleines Tierchen. Andere Autos sind an dieser Stelle durch die Namen der jüngsten Mitfahrer gezeichnet: „Lukas an Bord“ oder „Lena.“ Wahrscheinlich eher Leopold und Marie – derzeit der Deutschen liebste Kindernamen. Wir sind ja nicht im Land von Kevin und Monique … Nein, diese Fahrzeug wird von einer Gämse geziert; eher gesagt einem Kitz. Das Zeichen der österreichischen Stadt Kitzbühel – eigentlich ein Münchner Außenposten … „Wir verbringen jetzt die Wochenenden auf dem Land. Diese Stadtmenschen kann ja keiner mehr ertragen!“ Dass sich hier und dort die gleiche Mischpoke im Fünferl und Take Five (was haben die nur mit dieser Zahl!?) die Klinke in die Hand gibt und sich somit zum selbsternannten Club der Insider zählt, das sagt ihnen lieber niemand. In München sind es die Mitgliedschaft im Verein zur Förderung der Neuen Pinakothek und der Espresso in der Schuhmanns Tagesbar – natürlich per Du mit dem Barista. Die Blicke der Freundin auf das neue Auto mit Alljahresreifen auf dem Vierradantrieb werden mit einem: „Wir holen jetzt öfter die Milch direkt beim Bauern“ quittiert. Diese zieht die Augenbrauen hoch. Mei, in ist, wer drin ist. Mitten in München, im gleichen Stau wie ich (ätsch!).

Grübeln im Park

Ich stehe in der frischen Morgenluft auf der Wiese. Meine Füße sind bereits nass. Die Schuhe trotzen dem Morgentau genau drei Schritte lang. Die Sonne wärmt bereits, aber ich schlucke noch kalte Luft. Mein Gesicht wird gewärmt, ich blinzle in die Sonne. Ein Versprechen nach Freibad, Pommes und Bierchen schickt sie zu mir herunter.

Das prachtvolle Grün der Bäume leuchtet fast sonnenblendend über die Wiese zurück. Was ist also der Plan für diesen Tag? Wirklich Schwimmbad? Ich würde so gerne mal eine Badeburka von Nahem sehen, bevor sie verboten wird… Als Normalbürger habe ich mir dazu noch keine rechte Meinung gebildet.

Das ist das schwierige mit der Politik. Da schwingt sich einer mit einer Meinung auf, die auf den ersten Blick plausibel und vernünftig erscheint, andererseits gibt es genügend Gründe genau das Gegenteil zu behaupten. Hilft nix, da muss jeder wohl selber ran. Aber dass die Totalverschleierung nix mit religiöser Überzeugung zu tun hat, ist sogar mir klar.

Und ich liebe und lebe Religion! Als durchaus liberal eingestelltes Wesen ist es mir auch sehr wichtig, dass wir so wenig staatliche Vorschriften haben wie möglich und nur so viele wie nötig.

Aber das mitgelieferte Frauenbild der Burka ist hinterwäldlerisch und falsch. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf.

Neulich stand so eine Dame hinter mir an der Kasse im H&M. Wozu sie die Sachen einkauft, fragte ich mich. Sieht doch eh keiner. – Anscheinend habe ich meine persönliche Meinung zur Totelverschleierung doch schon gefunden.

Noch während ich mir diese Gedanken mache, schiebt sich ein Schatten auf mein Gesicht. Die Blümchen, noch kaum geöffnet, schließen sich schleunigst wieder. Es beginnt zu nieseln. Ein typischer August in Deutschland.

Links:

Was ist eine Burka?

n24.de – Thomas de Maizières

 

Little Instructions for Life

Sing in the shower ● Treat everyone you meet like you want to be treated ● Watch a sunrise at least once a year ● Leave the toilet seat in the down position ● Never refuse homemade brownies ● Strive for excellence, not perfection ● Plant a tree on your birthday
● Learn three clean jokes ● Return borrowed cars  with the gas tank full
● Never refuse a hug ● Compliment three people every day ● Never waste an opportunity to tell someone you love them ● eave everything a little better than you found it
● Keep it simple ● Think big thoughts but relish small pleasures ● Become the most positive and enthusiastic person you know ● Floss your teeth ● Ask for a raise when you feel you’ve earned it ● Be forgiving for yourself and others ● Overtip breakfast waitresses
● Say “thank you” a lot ● Say “please” a lot ● Avoid negative people ● Buy whatever kids are selling on card tables in their front yards ● Wear polished shoes ● Remember other people’s birthday ● Commit yourself to constant improvement ● Give a friend a massage at least once a year ● Carry jumper cables in your trunk ● Have a firm handshake
● Send lots of valentine cards and sign them, “Someone who finds you terrific”
● Look people in the eye ● Be the first to say “Hello” ● Use the good silver
● Return all things you borrowed ● Make new friends but cherish the old ones
● Keep secrets ● Sing in a choir ● Plant flowers every spring ● Have a dog ● Always accept an outstretched hand ● Stop blaming others. Take responsibility for every area of your life ● Wave at kinds on school busses ● Be there when people need you ● Feed a strangers expired parking meter ● Don’t expect life to be fair ● Never underestimate the power of love ● Drink champagne for no reason ● Live your life as an exclamation, not an explanation ● Don’t be afraid to say “I don’t know” ● Compliment even small improvements ● Keep your promises (no matter what) ● Marry only for love
● Rekindle old friendships ● Count your blessings ● Smile for no reason at all
● Call your mother ● Life’s precious moments don’t have value, unless they are shared
● Look for opportunities… not guarantees ●

Life is a journey… not a destination, so enjoy the trip!

— nicht aus meiner eigenen Feder, aber meine Weltanschauung —

Go, go Pokémon!

Neulich Abend saßen wir wieder in unserer Anwaltsrunde in einem herrlich gemütlichen Lokal beieinander. Vier Paare so Anfang, Mitte 40.

Zu Beginn der Ferien fielen alle Arten von Anspannungen von uns ab. Bei einem Glas Weißwein (oder eher nach der zweiten Flasche) beklagten wir uns gegenseitig die Irrtümer dieser Welt: einfältige Mandanten, 50-Stunden-Wochen, Fanatiker, die zu blöd sind ihr Leben in den Griff zu bekommen und dann auch noch zu dumm ein Attentat ordentlich zu planen und durchzuführen und die neue Sucht unserer Kinder – Pokémon go:

„Was die dazu treibt nachts noch mal raus eine Runde um den Block zu ziehen?“ „Wenn sie wenigstens den Hund mitnehmen würden.“ „Meine Jungs fordern Bodenampeln wie in Köln, damit sie beim Monsterfangen nicht überfahren werden.“ „Das ist doch eine Sucht! Wenn ich am Straßenverkehr teilnehme, dann schau ich nicht ständig auf mein Handy und bekomme von der Umwelt nichts mehr mit!“ „So ein Blödsinn. Unsere Jugend vergeudet ihre Zeit sowieso schon viel zu viel in dem kleinen Handkasten. Wir haben das damals nicht so gemacht. Konnten wir gar nicht, gab ja keinen App-Store auf dem ersten Ericsson-Knochen.“ „Ganz meine Meinung. Das ist doch wirklich ein Armutszeugnis, dieses ständige Zeitverdaddeln.“ Darauf wird angestoßen, schon wieder.

Dann kommt es aus einer Ecke des Tisches von Claudia, die bisher nur nickend an der Unterhaltung teilnahm: „Also ich hab mir das Spiel neulich runtergeladen.“

Fassungsloses Staunen und eine unangenehme Stille legt sich über den Tisch. „Ja, doch, irgendeinen Ausgleich zu meinem harten Arbeitsalltag muss ich ja haben. Für Yoga fehlt mir die Zeit. Und gut für den Körper ist das hier auch.“ Wir prusten los vor Lachen und beugen uns neugierig über den Tisch, um ihre Monstersammlung zu begutachten.

„Man muss doch mit der Zeit gehen und wissen, was unsere Kids so treiben …“ verteidigt sie sich.

Claudia hat recht. Wir sollten nicht so reaktionär mit unserer Weltsicht die Jungen verurteilen. Aber alles in Maßen – das betrifft auch den Weißweinkonsum.

Tja, da sitzen die Verräter direkt unter uns. Wir werden älter. Alle. Prost!

Omas spitze Feder

– ein Gastbeitrag

Zur Bewältigung der fordernden Dompteuraufgaben bei der Enkelhütung strebe ich Fortbildung an und habe folgerichtig in einem Friede-verheißenden tiroler Wellnessresort ein Tagesseminar gebucht: „Oma-fit!“

Anreise am Freitag:

Dem Burnout nahe Altweiber und ein Opa („Kurt“) versammeln sich ab 18 Uhr um die Bar – es wird fröhlicher als vermutet: „Darf’s ein bissl mehr sein…?“ Ich erinnere mich noch dunkel, dass Natascha, die in Salzburg unbedingt bei mir einziehen will, in den Lift kotzte  – dann Filmriss.

Samstag:

Mit dem Aufschrei: „Enkelpower!“ (pssst: die übrigen Gäste!) versammelt sich die Truppe motivierter Gruffties um 6.30 Uhr auf der regnerischen Wiese vor dem Haus. Irgendwie sind meine Ballerinas, die unserem angekündigten Vorturner imponieren sollen, wohl nicht die beste Wahl gewesen.

Eine Art Animateur, der sich als spät-pubertierender Soziologiestudent im dritten Semester herausstellt und offensichtlich dringend seine Urlaubskasse aufzubessern hat, bevor seine „Dulcinea“ mit dem Porscheyuppi um die Ecke durchbrennt …  (Enkel kennt er vermutlich vom „Hören-Sagen“?), faselt irgendwas von ‚örly-börd‘ – und dass es wichtig sei VOR den kleinen „Krätzen“ aufzuwachen, um die Situation irgendwie im Griff zu behalten.

(Hmmm… da könnte was dran sein – ich denke an den Morgengruß meines jüngsten Enkels mit 200 Dezibel: „RUUUHHHEEE“!!!)… und beschließe, mich drauf einzulassen.

Wir entbieten also dem regnerisch-verhangenen Wilden Kaiser-Gebirgszug eine Art Yoga-Morgengruß – und ich bin nicht die Einzige, die sich weigert, die Nummer mit der „Kobra“ bäuchlings im Frühtau zu absolvieren!  „Hansi“ (wie auch sonst) demonstriert uns behände (gut gebaut, der Frischling), wie wichtig körperliche Fitness ist, will man weiter „mithalten“ mit den Jungen (auch da könnte was dran sein, wo ich schon schnaufe, wenn ich den Weinnachschub aus dem Keller in den ersten Stock schleppen muss).

Nach 20 gestreckten, gehüpften und gedehnten Minuten im kalten Gras ist die Motivation der meisten wohlmeinenden Großeltern verraucht und Hansi führt die wankende Truppe zum üppigen Frühstücksbuffet – endlich! Kurt schlurft schniefend hinterher. Die Ballerinas wabbeln formfrei um meine Knöchel.

Man trifft sich um zehn Uhr zum Wasserballett. Ich zwänge mich in den zu kleinen Swimsuit, der klemmt und zwickt, aber das Dekolté so vorteilhaft betont (Hansi ist schließlich auch nur ein Mann) und schlappe Richtung Pool.

Dekorative Schwimmnudeln um die schlimmsten Rettungsringe geben uns die Illusion von Attraktivität. Wo bleibt Hansi? Aber siehe, hier irrt die Oma: Barbara, 21 Jahre, Olympionikin, versucht uns zu Kunstturnnummern zu inspirieren, die sämtlicher Wasser- und Schwerkraft diametral zuwiderlaufen.

Christinas Schwimmnudel hat sich irgendwo verhakt und wird mit einem Ruck befreit. Kurt blubbert ungut in der letzten Reihe.

Zur Entspannung empfiehlt man uns ein Kurzessay zum Thema „der Enkel und ich“ zu verfassen: Die Wahrheit und nichts, als die Wahrheit … Mir schwant nichts Gutes und so ist es auch: Ein psychologischer Mediator zerpflückt alle Machwerke detailliert und rät uns, umzudenken.

Immerhin führt er uns anschließend in den „action-Raum“, eine Art großzügig gedämmte Isolierzelle und empfiehlt uns, unseren Aggressionen mal so richtig freien Lauf zu lassen. Die Sanitäter, die die wimmernden Überreste des Mediators 15 Minuten später abtransportieren, sind nicht zu beneiden und verteilten großzügig kleine rosa Beruhigungspillen.

Das Mittagessen verlief weitgehend schweigend – irgendwas läuft hier ganz schief! Aber: Hansi taucht auf – ahhh, ein Lichtblick! Er bestellt die Truppe für 15.30 Uhr an den Fuß der „Falkenwand“: „Myladies, bitte festes Schuhwerk tragen!“

Nach 15 Minuten in der Wand (unterer Teil) machen meine Muskeln schlapp und krampfen. Magnesium in Pulverform hilft, den Abstieg zu schaffen. Die hübsche Badenixe Natascha verrät uns, indem sie Richtung Bahnhof davonmacht … – ihre pinken Nikes seien hierfür nicht gedacht.

Aber Kurt läuft zur Hochform auf: Er überrascht uns alle und hangelt sich wacker aufwärts. Er will seiner Enkelin ein Edelweiß pflücken! Bis er in einer (doch eher noch bodennahen) Felsspalte hängenbleibt – verkeilt!

Jetzt hyperventiliert Hansi, schwitzt und ruft die Bergwachtkollegen – und die bergen Kurt und nehmen Hansi auch gleich mit. Ach, der Gute, etwas schade ist es doch um ihn. Na ja, in den Enkelgarten kommen halt nur die Harten.

Während wir grüblerische Haufen bilden, radelt eine fröhliche Gruppe Zweitklässler daher, bewaffnet sich klimpernd mit Seilen, Haken und Ösen und kraxelt was das Zeug hält hinter ihrem Trainer himmelan …

Wir staunen, klatschen, motivieren. Als die Kleinen wieder unten landen, haben wir inzwischen den Eisladen gestürmt und jeder bekommt eine kleine Belohnung für die tolle Leistung. Kleine Schürfwunden werden mit Pflastern aus unseren Hausapotheken beklebt, Taschentücher verteilt und Wasser gereicht: „Geh schau, die brave Omi!“

Der Abend klingt gemütlich aus. Wir finden, dass wir unterm Strich alle echte Superomas sind. Gegen 22 Uhr stoßen Kurt, Hansi und Barbara wieder zu uns. Es wird spät an der Bar. Natascha wird mich anrufen …  Ich fand, es war ein super Wochenende.