Alle Jahre wieder zur Sommerszeit

Hurra, es sind Sommerferien! Endlich geschafft, Koffer ins Auto und ab in den Stau! Warum nur? Warum stellen sich alle Deutschen zu Ferienbeginn so begeistert hinten an? Unsere deutsche Seele tut sich mit so etwas doch ungemein schwer.

Meine Theorie lautet, dass wir zu Ferienbeginn unseren Ballast an schlechter Laune sofort beseitigen wollen, indem wir uns unabgesprochen einem inneren Trieb folgend auf den Autobahnen einfinden, um uns über den Fahrer vor, neben, hinter uns auskotzen zu können.

Ist die erste Welle an Flüchen aufgebraucht, kann sich unser Mitgefühl Bahn brechen. Es werden Wasserflaschen, Kotztüten und Pipieimer geteilt und weitergereicht. Starterkabel, Keilriemen und Warnwesten verschenkt – hach, da kommt Gemeinschaftsgeist auf. Deutsche Hilfsbereitschaft ist ebenso eines unserer Markenzeichen wie das Gratlertum. So ein Völkerwanderungsstart in Richtung Ferien fördert den Zusammenhalt. Was man für die Insassen eines Autos wohl kaum behaupten kann. Auf engem Raum zusammengepfercht (Gott sei Dank mit Klimaanlage!) träumt man bereits dem Ferienziel entgegen – vielleicht ist der süße Typ vom letztem Jahr auch wieder da?! Kleine Brüder streiten, große Schwestern zicken und die Mutte blicket stumm über die Motorhaube…

Tja, alle Jahre wieder zur Sommerszeit.

Sommer ohne Buch?! Eine kleine Packliste …

 

Es tut mir leid für alle Actionfans im Urlaub, aber bei mir ist es die gesunde Mischung, die es macht. Ein Sommer ohne Buch ist für mich genauso undenkbar, wie einfach nur auf den Liegestuhl zu kippen. Ein spannendes Abenteuer in 3D, mit Anfassen und Anstrengung (ganz ohne Pokemon-catching) und anschließend ein Plumpsen in die Hängematte … Ja, das hat was, wenn denn die Begleitlektüre stimmt.

Da wartet aber das nächste Hindernis: Kindle oder Buch? Wie soll ich mich denn jetzt entscheiden? Also, wenn mich das Flugzeug weit weg bringt, ist die E-Book-Variante natürlich klasse, denn wenig Platz, viele Bücher. Aber welches soll ich denn nun lesen? Gehetzt springt mein Blick von Cover zu Cover, ich tauche nur halb in Geschichten ein: „Ach nee, doch nicht meins …“ Mich führt die Onlinebibliothek erst in Versuchung und dann in die Irre. Die Geschichten bekommen keine Chance mich für sich zu gewinnen.

Anders bei einem Buch. Wenn ich es mir vorgenommen habe, dann steige ich ein und sitze bis zum Schluss gebannt drin – wenn das Buch es wert ist …

Beim Kofferpacken überlege ich lange, welche Bücher mich begleiten dürfen (und natürlich fällt hier das Gewicht ins Gewicht).

Anbei eine knappe Aufstellung meiner „Best-of-spring-2016-Bücher“ – kurze, lesenswerte Bücher mit Tiefgang, dennoch lesbar:

Ein ungezähmtes Leben – Jeannette Walls Wildnis, Stärke, Lebenskraft

Stoner – John Williams Lebenszeichnung auf amerikanisch

Vom Ende der Einsamkeit – Benedict Wells junger Autor, starke Sprache, sehr bildstark

Ein ganzes Leben – Robert Seethaler eine Perle unter den diesjährigen Büchern

Nächsten Sommer – Edgar Rai unterwegs im Sommer und auf der Suche nach Erfüllung

Wo die Welt anfängt – Truman Capote erste Erzählungen des großen Genies

Die dunkle Seite des Mondes – Martin Sutter gerade verfilmt mit Moritz Bleibtreu

Das Bildnis des Dorian Gray – Oscar Wild Handeln und Konsequenzen spannend erzählt

Die Räuber – Friedrich Schiller wirklich handlich J, im Herbst im Residenztheater München

Noch mehr Lieblingsbücher für Erwachsene und für Kinder.

Welche Freude am Ende eines Badeurlaubes der neuen Bekanntschaft ein Buch in die Hände zu drücken, denn das macht man mit einem Kindle sicher nicht.

 

Zynische Gedanken aus München

– Ich verstehe dies hier als künstlerische Freiheit meine Gedanken kund zu tun und zu verarbeiten. Mein Mitgefühl gilt selbstverständlich allen Opfern und deren Angehörigen –

Wir hier in München fühlen uns unheimlich wichtig, sind es aber nicht. Dieses ist eine kleine, beschauliche Stadt. Wir wollen niemanden was Böses. Warum also hier auf Leute schießen?

Da gibt es doch bessere deutsche Flecken:

Wie wäre es mit Berlin? Das ist doch die deutsche Hauptstadt. Wenn ich also uns als Volk mit einer blöden Waffe treffen will, dann knöpfe ich mir doch die Berliner Subkultur vor. Na gut, die Flughäfen werden aus Sicherheitsbedenken erst gar nicht eröffnet und ein künftiges Mahnmal wird auch schon gleich in den Bau mit eingeplant.

Aber internationaler als München wäre zum Beispiel auch Frankfurt. Wird es doch nach den Brexitbestrebungen als neuer Börsenhotspot gehandelt. Hier ließen sich sogar einige Hochhäuser sprengen.

Aber nein, das ist vielleicht zu offensichtlich. Also weiter. Düsseldorf? Wo liegt das nochmal genau?

Oder die östlichen Bundesländer (die „neuen“ Bundesländer darf man mittlerweile nicht mehr sagen, oder man gibt sein Alter sofort preis)? Da gibt halt keine Ziele internationaler Aufmerksamkeit. Die fackeln ihre Asylunterkünfte schon erfolgreich gegenseitig ab, das ist bereits ein alter Hut. Aber damit kann man sich auch im deutschen Hinterland einen Namen machen, besonders, wenn man eine politische Karriere anstrebt.

Dem Bösen an sich kommt jetzt so langsam der Gedanke, dass diese Münchner Arroganz doch ein schönes Ziel sei. Hier fühlen sich wichtige und unwichtige Leute zu Hause, hier fühlt man sein Herz schlagen, wenn man an der Isar spazieren geht, einem Theaterstück lauscht, auf ein Bier am Chinesischen Turm sitzt.

München ist so einiges, aber sicher nicht bescheiden. Die Münchner (besonders die neuen) protzen gerne, laufen laut durch die Straßen, feiern, leben, lieben … Hier also ein Statement setzen. Die IS-Erfahrung zeigt, dass man nicht immer hunderte mit in den Tod reißen muss, sondern allein ein kleiner Axtschwinger die Aufmerksamkeit erfolgreich auf sich ziehen kann. Die Botschaft dahinter: „Wir bekommen Euch, egal wo Ihr seid.“

Diese Typen, die ihr Leben nicht im Griff haben, sich eine erfolgreichere Exitstrategie als England suchen, dabei andere in ihren Schmerz mit einbeziehen und sich dann noch diesen blöden IS-Aufkleber auf die Stirn heften, können mir den Buckel runterrutschen.

Wir feiern trotzdem heute Abend! Basta.

Ein Hoch auf den Pressesprecher der Münchner Polizei!

Jage die Ängste fort

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.

Für die paar Jahre wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein. Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh, wie wenig du brauchst.

Richte dich ein. Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen: Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen. Und ist es da, sieh ihm still ins Gesicht.

Es ist vergänglich wie Glück.
Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.

Auch der Bruder verrät, geht es um dich oder ihn.
Dein eignen Schatten nimm zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl. Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun und auch die Glocke am Tor.

Die Wunde in dir halte wach unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiss deine Pläne. Sei klug und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet im grossen Plan.

Jage die Ängste fort und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaléko

Ein perfekter Tag

Ein perfekter Tag liegt für mich definitiv in den Sommerferien. Mein perfekter Tag beginnt mit der Sommersonne, die mich an der Nasenspitze kitzelnd aufweckt. Ausschlafen – ohne Aufsteh-, Frühstückmach- und Schulstartstress …

Anschließend steht in der Küche eine Kanne Schwarztee bereit. Niemand hat meine Lieblingstasse verschmutzt, keiner braucht Tröstung, noch schnell eine Unterschrift auf dem Schulzettel oder den einzig wahren Pullover aus der Wäsche („Jetzt!“). Liebe, Kuscheleinheiten und ein gemeinsames Frühstück dagegen kann ich gerne verteilen. Im Sonnenschein auf der Terrasse stört mich anschließend niemand beim Zeitunglesen. Dann gehe ich ausgiebig Duschen. Mittags ein herbeigezaubertes Essen inklusive Weißwein mit Freunden. So gegen Nachmittag lege ich mich Schlafen, einfach so, ohne Ankündigung, ohne Zeitbegrenzung, ohne Einwände. Ich lese mein Buch, blinzle in die Sonne und ein Apérol Spritz wird mir gereicht. Wir spielen Karten, ein Brettspiel und Stille Post.

Abends finden wir uns mit Kindern und guten Freunden im Biergarten ein. Es wird diskutiert, gespeist und der Blasmusi gelauscht. Im lauen Nachthimmel tauchen die ersten Sterne auf, ich kuschele mich an meinen Begleiter, auf dem Weg nach Hause breitet sich eine wohlige Stille aus. Sternschnuppen begleiten uns.

Ach, wenn es doch wenigstens schon wieder Freitag wäre!

Er kommt um sieben

Er kommt um sieben! Er hat es versprochen. Das schaffst du locker. Gib dich ganz normal. Schließlich ist er auf deine Persönlichkeit scharf, sagst du dir, während du deine Zehen mit Bimsstein traktierst, die Mitesser auf der Nase ausdrückst, deine Achselhöhlen rasierst und eine vollbiologische Gesichtsmaske aus Gurke, Honig und Eiweiß anrührst.

Sechs Uhr. Dein Gesicht beginnt langsam zu gären. Du bleibst wie angewurzelt im Zimmer stehen. Gären…? Der Rotwein! Braucht der Rotwein nicht endlos Zeit zum Atmen? Während du die Korkenreste aus dem Flaschenhals pulst, nimmst du dir vor, dich zusammenzureißen. Atmen soll der Wein, was hat er denn? Rein ins Dampfbad mit ihm. Mal kurz aufs Etikett geschielt. Um Gottes Willen! Was, wenn er merkt, dass du die Flasche im Sonderangebot gekauft hast? Kurzerhand schnappst du dir deinen Schlabberpulli und läufst im Eilschritt zur nächsten Kneipe. Erst als du nach einem edlen, vollmundigen Rotwein fragst und dein Mund dir dabei den Dienst verweigert, fällt dir auf, daß du noch immer deine vollbiologische Gesichtsmaske trägst. Das Eiweiß ist jetzt so fest wie Zement. Vor lauter Angst, dein Nagellack Farbe „Malibu Passion“ könnte verschmieren, lässt du die Flasche fallen und der famose Franzose haucht auf dem schmutzigen Bürgersteig sein Leben aus. Die Hälfte deines verdammten Wochenlohns versickert im Pflaster.

Halb sieben. Wenn das Essen stimmt, merkt er nichts mehr von dem billigen Fusel. Die Liebe des Mannes geht ja bekanntlich durch den Magen … auch wenn das nicht der Körperteil ist, der dich an ihm interessiert. Ach, wird das toll, wenn du bei deinen Freundinnen auch endlich wieder mit einem Mann prahlen kannst! Deine Kochkünste kannst du sowieso vergessen. Nach einem dramatischen Kampf mit der Knoblauchpresse über der mexikanischen Avokadocreme stopfst du dich mit der großen Schüssel Bohnen voll. Wie war das doch gleich wieder mit den blähenden Speisen? Ach, wärst du doch bloß eins dieser schlanken Mädchen, die in vornehmen Restaurants mit der Gabel im Salat rumstochern und aussehen, als wären sie in Gedanken bei viel wichtigeren Dingen!

Den Hintern zum Spiegel gedreht reckst du den Hals und schaust dir selbst über die Schulter. Nicht nur, dass du alles andere als streifenfrei gebräunt bist, siehst du von hinten auch noch aus wie eine wandelnde Bowlingkugel. Und wenn schon dein Hintern ein Problem ist, wie steht es dann mit deinem Gehirn? Reden? Reden worüber eigentlich? Neulich auf der Party haben alle Gäste mit ihren Geschäftsabschlüssen, Theaterprojekten und Wirtschaftstheorien um sich geworfen. Das Interessanteste, was du in der letzten Woche geleistet hast, war dir die Ohren durchstechen zu lassen. Dein Kopf dreht sich zur anderen Schulter. Da bist du wieder und glotzt mit düsterer Miene dein Spiegelbild an. Warum? Warum bist gerade du mit dickem Hintern und hohlem Kopf auf die Welt gekommen? Die einzigen Shakespeare-Zitate die du beherrscht, stammen von einem Wandkalender. Fieberhaft probst du spontane Gespräche. Alkaida und der IS? Die Sicherheitsrisiken bei der Lagerung nuklearer Waffen? Du wirst das schon schaffen.

Viertel vor sieben. Dir fällt auf, dass deine Zimmerpflanzen ziemlich hinüber sind. Scheiße! Warum macht man sich überhaupt die Mühe? Hinter der Toilette sprießt, ganz ohne Pflege, eine ganz andere Art von Vegetation. Du zischst, räumst auf, kehrst unter den Teppich.

Fünf nach sieben. Dir fällt auf, daß in deinem Zahnbürstenbecher zwei Bürsten stehen. Irgendein männliches Beutetier aus grauer Vorzeit muß dieses ausgefranste Etwas wohl vergessen haben.

Sechs Minuten nach sieben. Du dimmst das Licht und nippst an deinem zweiten Gintonic. Seufz! Jetzt sieht alles schon viel romantischer aus!

Halb acht. Ganz ruhig. Ohm…Ohm…Ohm…Tief durchatmen. Deine Augen springen auf. Du siehst dir deine Wohnung an, als wäre es das erste Mal. Was sagt sie über dich aus?

Viertel vor acht. Ranhalten! Du schnappst dir einen Stapel Bücher und verteilst sie. Ein Gedichtband auf dem Klo zeugt von Sensibilität, ein Psychobuch neben dem Telefon signalisiert geistige Tiefe. Ein paar gelehrte Wälzer auf dem Coutschtisch verweisen auf das Ungewöhnliche, die Einzigartigkeit deines wahren Ichs.

Acht. Herr Pünktlich in Person! Er ist bestimmt aufgehalten worden. Hüte dich ihn anzurufen. Statt dessen schlürfst du noch einen Gintonic und blätterst in einem Bildband über die Zucht von Angoraziegen. Du knallst das Buch zu. Was zum Teufel gehen dich diese Ziegen an? Dein Blick auf die Bücher im Zimmer erfüllen dich mit Schrecken. Und wenn er diesen Büchergeschmack, der dir so herrlich exzentrisch vorkam, für schlichtweg schwachsinnig hält? Hektisch sammelst du die sorgsam ausgelegten Köder wieder ein. Du übst deine Zunge an den Seiten nach Innen zu rollen.

Halb neun. Es ist nun mal schick zu spät zu kommen.

Neun Uhr. So schick nun auch wieder nicht. Du springst vom Stuhl auf, verdammt! Du willst doch nicht einfach so rumhängen, wenn er kommt. Auf keinen Fall darf er denken du hättest nicht massenhaft anderes zu tun. Oder massenhaft andere Freunde mit denen du etwas tun könntest. Du zerrst die alte Zahnbürste wieder aus dem Müll, verteilst ein bißchen Dreck auf den Kacheln im Klo. Läufst ins Schlafzimmer und zerwühle das Bett. Caro hat dich gewarnt: „Das erste Mal im Bett mit einem neuen Mann ist immer eine Pleite.“ Wie vorzeitig kann eine Ejakulation sein, wenn er noch nicht mal da ist?

Zehn. Du fällst in dich zusammen, als wärst du selbst ein Teil des Sitzsackes und mit nichts anderem gefüllt als mit Styroporkügelchen. Du hast die Schnauze voll von Partygesprächen, denen man nur mit einem Wörterbuch folgen kann. Doch den Eiswürfeln im Glas sei`s gesagt, Treibstofformeln für Exocetraketen und die Namen giftiger Moleküle in tuberkulösen Kälberlungen kommen dir nicht so leicht über die Lippen. Intellektuelles Geschwafel, erklärst du der Schüssel mit Avocadocreme, heißt mit mehr Worten um so weniger sagen. Du pellst dich aus deiner Jeans und wendest dich wieder deinem Schlabberpulli zu. Und während du dich aus deinem Strechthöschen befreist, beschließt du mit diesen ewigen Diäten aufzuhören.

Elf. Du tröstest dein verzweifeltes Herz mit dem Gedanken, dass bei den salzstangendünnen Mädchen in den Schicki-Micki-Restaurants auch das Gehirn unterernährt ist.

Halb zwölf. Du probierst ein paar neue Gesprächsthemen: Radikale Zölibate, lesbische Liebe, Selbstmordraten bei alleinstehenden Frauen und du trinkst den letzten Schluck deines zehnten Gintonics. Du rufst ihn an. Bei dem Klang seiner schläfrigen Stimme beginnst du zu kichern: „Es gibt … es gibt nur eins …“ sagst du, mittlerweile heulend, „was man über den Iran wissen muss. Die Perser…“-Ruhepause- „…die Perser werden täglich noch perverser!“

Autorausch

Jeder von uns kennt das Gefühl in einer Situation zu stecken, in der wir überall sein wollen, nur eben nicht dort, wo wir gerade sind. Ob in der dritten Stunde Telko mit nervigen Kollegen, bei der Zahnreinigung oder im Kreissaal.

Besonders schlimm aber sind Situationen, die dann nicht einmal produktiv sind. So wie dieser Feierabendstau – noch dazu im Regen! Auch das noch: kein Biergarten, kein Grillen, kein Grund den Fernseher anzuschalten und sich beim Fußball abzureagieren.

Und wer ist Schuld? Natürlich der nervige Autofahrer vor mir. Wie der schon wieder auf seiner Spur eiert! Und zufahren kann der auch nicht. Der hat wohl schlechten Sex oder gar keinen?! Man, man, man.

Was tun? Einfach den James Bond rauskramen mit seinen Q-Autos aus früheren Tagen … Augen zu und durch. Ein Himmelreich für eine Bazooka! Aber die BMWs von 007 sind auch nicht mehr das, was sie früher mal waren.

Vielleicht eine Bond-Night? Dunkel ist es heute ja schon …

Wenn der vor mir nur endlich mal zu fährt!

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Die Kunst des Seins

Manchmal denke ich, ich existiere nur in der Literatur. Ich bin der forsche Extremskifahrer in den Rockys, die tollkühne Erfinderin der Langsamkeit oder der unsichere Sucher einer Wirklichkeit. Je länger ich lese, um so mehr zieht es mich in die Fiktion in meinen Händen. Ich erleide Schiffbruch, werde Millionär und verliere alles.

Weile ich in dieser körperlichen Nebenexistenz, zum Beispiel beim Aufräumen, Kochen und Arbeiten, dann merke ich, wie ich die Probleme der Protagonisten löse. Merke, wie sie ein Teil von mir werden, ein Teil von mir sind und es auf ihre Art immer bleiben werden.

Vielleicht besteht der Sinn aus Literatur genau daraus: uns zu spiegeln, zu einem besseren Leben durch Reflektion zu inspirieren.

Meine vermessene These ist, dass das der Auftrag jedweder Kunst ist. Ob Literatur, Musik, bildende Kunst. Wenn wir uns ihnen öffnen, die zarten Anspielungen erhören, dann sehen wir in unsere Seele und die unserer Gesellschaft.

Meine Tipps:

Haus der Kunst

Franz Mark Museum, Kochel am See

Museum Brandhorst

Galerie Carol Johnssen

Bücher – geniale Tipps

Kinderliteratur

Staatsoper München

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Bildquelle: Pinterest

 

Sommerhitze

 

Zur Erinnerung: Vier Söhne und ein Mann sind meine ständigen Begleiter.

Es ist heiß. Ich sitze nachmittags um drei Uhr, also wenn die brütende Hitze ihren Höhepunkt erreicht hat, vor meinem PC und versuche unseren Sommerurlaub zu buchen. Es ist nicht leicht sich einen Ort vorzustellen, an dem es noch heißer und dennoch alles vorhanden ist, als unsere Wohnung. Nun gut: Die einen wollen nach Italien „Wo es gaaanz viel Eis gibt!“ (No 4, 5 Jahre alt). War das nicht eigentlich der Nordpol?! Die anderen wünschen sich viel Action, also Wellenreiten, Fahrradtouren, Fußballspiele, Kanufahren und was das Jungsherz noch höher schlagen lässt (No 1 und 3, 11 und 7 Jahre alt). Mein Mann mag nur auf einen Berg, am liebsten steil, schwierig und so richtig schweißtreibend. Das scheint eine komplizierte Urlaubsstrecke zu werden. Im Geiste sehe ich mich am Steuer unseres Autos Richtung Italien düsen. Auf dem Weg dorthin setzen wir meinen Mann in den Alpen aus. Weiter geht es zur nächsten Eisdiele hinter dem Gardasee. Die Jungs drängen mich vorwärts an einen Strand bei Pisa – der Turm neigt sich ebenso, wie meine Bereitschaft bei dieser Hitze nochmal ins Auto zu steigen. Gerade als ein Hai droht unsere Söhne von ihren Surfboards zu holen, spaziert mein Mann über den Strand auf uns zu: „War doch nicht schwierig, die Alpenüberquerung.“ – Schweißgebadet wache ich aus meinem Tagtraum am Computer auf. Theodor, unser zweiter Sohn (9 Jahre alt) steht neben mir und sagt: „Mami, ich mag in den Urlaub da hin, wo es Dir am besten gefällt.“ Sehr gerührt schließe ich ihn in die Arme und überlege, was das für mich bedeutet. Mein perfekter Urlaub besteht aus einer Mischung zwischen Lesen, Schwimmen, gutem Essen und meiner Ruhe – wo ich diese finde ist mir letztlich egal. Und da dämmert mir unser Urlaubsort. Denn wir bleiben dieses Jahr genau da, wo wir sind: zu Hause. Hier gibt es genug Platz im Freibad und auf den Bolzplätzen, im Hochseilgarten und am Baggersee. Jeden Tag radeln wir zu einer anderen Eisdiele und testen Eis, was das Zeug hält. Und mein Mann bekommt eine Saisonkarte für die BOB (Bayerische Oberlandbahn).

Veröffentlicht im Rundbrief 2015

Gedicht meines 12jährigen:

Bin heute extra früh raus
Hab den Bus verpasst
Und die Trambahn fiel aus
Hab’s grad noch geschafft – passt.

Nachsitzen, nachsitzen
Warum nur das?
Jetzt muss ich hier schwitzen
Ich bin schon ganz nass.

Der Lehrer sagt wir sollen in Mathe was dichten
Da würd‘ ich doch viel lieber Gleichungen richten
Jetzt hab ich das Gedicht noch zu Hause gelassen
Und muss es ad hoc hier nochmal verfassen.

 


Hintergrund: Die Klasse macht Quatsch im Matheunterricht und anstelle des Nachsitzens muss ein dreistrophiges Gedicht erstellt werden …