Afrika – mon amour

Die Enkel sollen etwas über die Welt wissen!

folgerichtig startet – dank geplünderter Sparschweine – die Großfamilie in den Pfingstferien nach Südafrika:

Mama, Papa, Oma, eine große Tochter mit speziellen Bedürfnissen, vier Burschen zwischen sechs und zwölf Jahren … Maja muss unbedingt am Fenster sitzen – freundliche Mitpassanten helfen, einen ersten Eklat zu verhindern.

Holzklasse – zehn Stunden! Hier helfen Kenntnisse in ‚Origami’ weiter: Wie viele Stellungen kann ein Körper auf einem qm einnehmen? Dank Videoprogramm überleben auch die Kinder und beginnen sogleich mit dem lernen: Diverse Tötungsmethoden, Pornoanregungen (Papa ist eingeschlafen) und Autohetzjagden vom Feinsten. Chipmunks kann ja jeder …

Nachdem wir uns in Johannesburg entfalten und das Flugzeug verlassen, stellen wir fest, dass der Jüngste fehlt. Vater hastet zurück: Der Kleine war vom Sitz gerutscht und schlief selig im Fußraum!

In Afrika lernt man alles über Schlangen – den gefürchtetsten begegnet man gleich im Transitbereich: 45 Minuten anstehen mit vier gelangweilten, müden Knaben, die alles besteigen, was sich erklettern lässt und alles schieben, was sich bewegt – auch fremde Koffer. Endlich … haben wir den ersehnten Schalter fast erreicht, da stellt Maja fest, dass ein Zusatz-dokument doch im Koffer ist. Dieser wird also geöffnet – raunen des lynch-bereiten Mobs hinter uns. Ach, es war dann doch in der Handtasche! – Augenrollen als Leistungssport …

Erstaunlicherweise erreichen wir unseren Bus, der uns zur Lodge hinausfährt: Alle können durchatmen, sich strecken und schlafen – Friede.

Früh am nächsten Morgen geht es zur ersten Tour hinaus ins wilde Afrika: Es müssen 16 feste Schuhe gefunden und gebunden werden: „Das T-Shirt mag ich nicht!“  „Georg hat meinen Houdie an!“ „Hast du die Kamera?!“ „Ich brauch keine Weste!“ Uagh! Und das soll Urlaub sein?!

Wow: Der riesige, offene Jeep mit ansteigenden Sitzreihen ist der Hit! Ein freundlich-geduldiger Ranger, Chris, erklärt uns Wissenswertes über Flora und Fauna… Eltern und Großmutter hinter ihm im Nahkampf: „Keine Hände rausstrecken (tatsächlich tragen die Sträucher, an denen wir vorbeirauschen, fingerlange Dornen)!“ „Ich will jetzt mal das Fernglas!“ „Hups! – Meine kappe ist weggeflogen!“ „Mir ist kalt …“

Und dann ungläubiges Staunen, als wir plötzlich auf dem Weg vor uns die Giraffe entdecken! Alle sind plötzlich still … das majestätische Schreiten beeindruckt. Und eine sehr junge Giraffe galoppiert der Mutter entgegen und trinkt… was für ein Anblick! – Nicht ganz so im Jeep: „Ich kann nix sehen!“ „Immer darf Jo nach vorne.“  „Ich hab’ Hunger!“

Das Frühstück bringt dann die dringend nötige Entspannung: Toast, Eier, Früchte und viel heißer Tee! – Das Wichtigste ist auf einer Reise: das WLAN funktioniert: Maja im Glück, Vater im ‚Büro‘ abgetaucht, Mama checkt ihre Mails. Und Oma? Spielt Mau-Mau. Sehr viel Mau-Mau …

In den nächsten Tagen erleben wir ganz großartige Tierbegegnungen: Wir treffen Familien von Zebras, Elefanten, Flusspferden, Gnus, Nashörnern – auch Büffel und alle lieben die Warzenschweine, die familienweise flüchten, den Schwanz wie eine Antenne in die Höhe gereckt.

Wir erleben Löwen beim Aufbruch zur Jagd und beim Fraß!

Max ruft schon: „Springbock!“, wenn er einen entdeckt. Tom murmelt „thank you“, wenn unser Ranger uns spät an der Lodge absetzt.

Ein Tag am Ozean beglückt: rechts wellen vom Feinsten: „Nicht so weit raus, Georg!“ Links eine friedliche Lagune – und Jan spielt mit den Rangern eine Runde Rugby im Sand.

Omas IPad hat einen neuen Besitzer gesucht und wohl auch gefunden. Es sucht sich jetzt seinen eigenen Weg durch die Wildnis. Trauer und Loslassenlernen an einem Nachmittag.

Und weiter geht’s: Aufbruch nach Zambia zu den Victoria-Falls – eine feuchtfröhliche und seehr imposante Erfahrung, wo wir nahebei in einem feinen Hotel entspannen, mit Zebras auf dem Hotelrasen und Affen, die dein Zimmer ausräumen, wenn die Terrassentür nicht zu ist.

Es gibt Berge von Pommes Frites (Tom im Glück) saftige Steaks (Papa im Glück) und feine Drinks für die Damen (heuer die ersten Campari-orange!).

Die Spannung stieg nochmal auf der Rückreise, als wir am Flughafen etliche Stunden warten müssen. Das nutzte Papa, um noch unbedingt ein Zebrafell zu erbeuten. Mama bereitete mit Jan noch schnell das Englischreferat über die Reise vor und die kleinen Jungs rennen gefühlt alle fünf Minuten aufs Klo und verschwinden im Gewühl. Schlussendlich fanden wir im letzten Moment das richtige Gate und kamen alle unversehrt zu Hause an.

Unvergessliche Tage, unvergessliche Reise! Es dankt die Ama

ein Blog fürs Leben

So sitze ich hier und beginne mir die Seele aus dem Leib zu schreiben. Es tut gut. Diese Art Ventil habe ich gesucht. Dauernd rauschen Eindrücke auf uns herab, ertränken uns beinahe mit ihrer trüben Breiigkeit, erwarten Mitleid, Verarbeitung. All das geschieht hier, denn für ein Buch reicht’s nicht – noch nicht …

Es ist soweit

Vor meinem geistigen Auge liege ich zusammengekrümmt auf dem Boden der Küche vor dem geöffneten Kühlschrank und rühre mich nicht mehr. Ich spüre die Kälte des Steinbodens unter mir, spüre den kalten Atem des Kühlschrankes auf mich fallen – und es macht mir nichts aus. Es macht mir nichts aus, weil ich es nicht mehr spüre, das heißt, natürlich reagiert mein Körper. Die Hände und Arme zittern, während sie sich um mich schlingen. Meine eiskalten, nackten Füße reiben sich aneinander – in der Säuglingsstellung wieder verharrend. Dennoch kommt nichts von dieser äußeren Kälte bei mir an. Ich lasse sie nicht ein, so wie ich seit heute Mittag nichts mehr einlasse. Ich habe geschlossen, durch und durch geschlossen. In meinen Ohren höre ich ein zuerst störendes Rauschen. So wie ein Dauerton nach Sendeschluss im Radio oder Fernsehen (ja, den gibt es noch). Dann aber, nach und nach verzieht sich das Störende des Rauschens und wird zu einem Auf- und Abschwellen einer Brandung, einer Meeresbrandung, die ich gerne schon längst in Natura aufgesucht hätte, mich aber immer habe hindern lassen. So liege ich und höre auf zu existieren. Ich bin weg aus Raum und Zeit. Na ja, das mit dem Raum scheint mir nicht zu gelingen, sonst würde mein Mann keinen hektischen Anfall bekommen, als er mich so auf dem Boden liegend findet. Er denkt an Herzinfarkt (nur weil ich schon 40 bin), an eine Art Muskelkrampf, aber bestimmt nicht an einen geistigen Starrkrampf, den mir meine Umwelt zugefügt hat. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie es soweit kam. Der Tag begann ausgesprochen gut und einigermaßen entspannt. Ich brachte die Kinder auf die Straße, begleitete zwei zu Schule und Kindergarten, wanderte mit dem Hund heimwärts durch den ersten Frühlingsmorgen dieses Jahres. Und dennoch reihten sich mehrere Dinge aneinander, die in mir Stress und Hektik auslösten: Der ADAC-Mensch kam gefühlte fünf Minuten, bevor der Erstklässler nach Hause kam und schickte mich mit dem wieder angesprungenen Auto sofort zur Werkstatt, Sohn Nr. zwei betrat schlaftrunken die Wohnung (Kurzschlaf im Autobus), um sofort in ein hysterisches Gekreische zu verfallen, nur weil er die Handschuhe und die Mütze nicht in die Außentasche seiner Winterjacke bekam. In der Zeit verkochten die Nudeln auf dem Herd… Macht nichts. Aber das Schreien macht etwas. Es ist ein scheinbar unkontrolliertes Gekreisch, dem ich nicht Herr werden kann. Er kreischt nach Hilfe und lässt diese nicht zu, kreischt noch mehr und lässt noch weniger zu. Ich schicke ihn – jetzt auch selbst kreischend – in sein Zimmer. Dieses unvermittelte, unstillbare Geschrei hat er seit nunmehr fast neun Jahren an sich. Ich kann es nicht mehr hören und ich kann nichts dagegen tun! Ich komme nicht an ihn heran und er weidet sich daran es nicht abzulegen. Der gute Knabe erreicht dieses Frühjahr das neunte Lebensjahr – und benimmt sich mitunter wie ein Dreijähriger… Ich kann es nicht mehr hören, denn ich nehme es persönlich, so wie ich all die Sorgen, Ängste und Hilferufe meiner vier Söhne ernst nehme. Nur diesem ist nicht beizukommen. Und ich habe das Erziehen nicht professionell gelernt! Der Tag geht weiter… Ich entziehe dem Zweiten in Gedanken und auch wörtlich die Mutterschaft meinerseits, wenn er so weiter macht – ich kann nicht mehr, will mich schon jetzt Hinlegen… will mein Leben zurück. So sehr er sich gegen meine Hilfe wehrt, so sehr hängt er an mir. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen die Großmutter ihn nicht anfassen, ihn gar anschauen durfte – nur Mami. Eine Ehre und eine unermessliche Last zugleich!

Nun gut, ich hole unter Berücksichtigung einiger Tätigkeiten für das Gemeinwohl (Kirche) Sohn Nr. Vier vom Kindergarten ab, um weiter zu Sohn Nr. Eins zu eilen. Dieser präsentiert mir eine sechs(!!!) im Vokabeltest – und das, nachdem wir jeden Abend in den Ferien, müde vom Skifahren, diese geübt haben. Das Buch, zu dem morgen ein Kurztest ansteht, hat der Herr der Schöpfung gleich mal in der Schule gelassen „weil ich es ihm nicht gesagt habe“ — das ist der Punkt an dem mich meine Contenance verlässt und ich zu weinen beginne. Ich lebe NICHT deren Leben; ich bin ich und ich weiß, wie man sich vorbereitet und auch Stresssituationen durchsteht – zumindest den Schulstress. Aber dieser Stress? Dieser Stress setzt mir zu, weil ich ihn scheinbar nicht ausgelöst habe, oder doch? Allein weil es meine Kinder sind?? Muss ich mich deshalb unreflektiert anschreien,  beschimpfen und verantwortlich machen lassen? Ich werde eine Petition einreichen (egal wo und nachdem ich mich von diesem Boden aufgerichtet habe): „Freiheit für die Eltern!“ – Lasst Eure Eltern in Ruhe! Macht Euch endlich selbständig! Fangt an Euer Leben zu leben – ohne die Ermahnungen sich beim Pinkeln zu setzen oder die Badehose vom Schwimmunterricht mitzubringen. Mein Gott, mein Ältester ist elf Jahre alt! Wie viele Badehosen soll ich ihm kaufen? Die, die vor ihm auf dem Boden der Schwimmhalle lag sah irgendwie wie seine aus – aber zu checken, ob er seine eigene auch eingesteckt habe, darauf kam er nicht (wahrscheinlich hatte ich morgens verabsäumt ihn darauf hinzuweisen Strandgut auf Persönliches zu überprüfen). Klar, ich bin Schuld. Die Frage, die sich mir aufdrängt, während ich auf dem Küchenboden über mein „Cappuccino trinkendes Mama-Dasein“ sinniere: Wie lange noch? Wann kann ich mich wieder um mich kümmern? Es wird kalt hier unten. Ich könnte aufstehen, das Jugendamt anrufen und alle (oder einen Teil) meiner minderjährigen Söhne auf Steuerzahlerkosten hier wegschaffen lassen – und das kostet die braven Steuerzahler dieses Landes echt eine Stange – aber ich tue es nicht. Natürlich nicht. Ich bin eine Kämpferin, eine Kriegerin des Lichts. Ich stehe langsam aber sicher auf, ich stelle mich diesem von mir gewählten Leben, ich überlebe diesen Schlaganfall des Kinderwahnsinns – bis zum nächsten Mal.

Blick über die Landschaft

Rapsgelbe Felder, sanfte Hügel, Sonnenlicht, das streichelt, sich aber vorbehält demnächst Regen zu schicken. Dickes Grün überall. Zarte Blumenwiesen, der Stadtring von Klatschmohn verländlicht. Die Straßen sind grau, wie überall. Viel zu viele, viel zu schnelle Autos rasen um mich herum. Mein Weg führt geradeaus. Autobahn. Wie wunderbar verzaubert einen diese Landschaft! Lockt den Blick weg vom Alltag hinaus ins Land. Dieses Land voller Köpfe, deren Beweggründer ich nicht kenne und keiner verstehen kann. Sorge um Verlust treibt den Einzelnen Angstschweiß ins Gesicht und Zorn auf die Stirn. Woher nur kommt diese alles durchströmende Unsicherheit? Woher diese mangelnde Zuversicht in das eigene Können – losgelöst vom Können des Nachbarn? Lasse ich den Blick auf die mich umgebende Gesellschaft schweifen, dann muss man sich ernsthaft Sorgen um den Geisteszustand dieser machen. Wenn Leute wie Alexander Gauland oder der britische Nigel Farage (Vorsitzender der populistischen United Kingdom Party (Ukip) sich aufschwingen, um ihre Rednermacht zu nutzen, um Ängste zu schüren, denen Taten folgen, dann muss es jetzt auch Leute geben, die aufstehen und Gegenrede halten. Leute, denen diese Landschaft und die darin lebenden Menschen schätzen. Leute, die aufbauen und erhalten wollen – nicht zerstören, wie wütende Kleinkinder den Sandkuchen im Kasten. Ich liebe dieses Land, ich liebe und lebe den internationalen Zeitgeist, der einen spürbar umweht. Gemeinsam statt einsam, vorwärts statt rückwärts – alle miteinander.

Busrauschen

Eine Stunde, ist eine Stunde. Viel Zeit, um die anstehenden Dinge des Lebens zu tun. Oder auch, um eine Stunde lang im Berufsverkehr zu stehen. Ich bin hin und hergerissen, ob ich diese Stunde lieber im eigenen Auto sitzend, oder im öffentlichen Bus – wahrscheinlich stehend – verbringen würde.

Im Ersten könnte ich immerhin Musik, Temperatur und Telefongespräche so handhaben, wie es mir passt und Platz für mein Zeug ist auch noch. In Zweiten besticht die Gemeinschaft (gebt zu, es gibt doch immer was zum schauen) und die Tatsache, dass das Stehen meiner Gesundheit zuträglicher ist. Ich nehme also den Bus und unterliege sofort dem Buskodex:

  • schau niemanden in die Augen
  • fasse möglichst wenig an
  • sprich leise (auch, wenn telefonieren unvermeidlich ist)
  • das gilt auch für Kinder und Jugendliche
  • nimm so wenig Platz wie möglich ein
  • sei am Besten gar nicht da

 

Boah, es ist schon immer wieder befreiend auszusteigen! Morgen nehme ich wieder das Auto und rege mich dann erneut über mich Einzelfahrer auf, der so egoistisch die Straßen blockiert und die Umwelt verpestet. Wie man’s macht, macht man’s verkehrt. Vielleicht ist ein Fahrrad die Lösung? Mal sehen.

Am meisten Spaß macht Essen im Auto

Deswegen besitze ich diese erhöhte Affinität zu Drive-In-Schaltern, speziell in meinem Lieblings-Fast-Food-Restaurant. Das Vergnügen an dieser Self-Service-Version des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich durch die Qualität der Gegensprechanlage gemindert. Gegensprechanlage? Meiner Überzeugung nach hat sie diesen Namen deshalb bekommen, weil sie völlig gegen das Sprechen ausgelegt ist. „Hiere Bechelun hippe!“ knarzt es mir aus dem Lautsprecher entgegen. Aus Erfahrung allerdings weiß ich, dass sich die Stimme (männlich? weiblich?… wohl eher männlich!?) am anderen Ende dieses Dosentelefons soeben nach meiner Bestellung erkundigt hat. Jetzt einfach bestellen wäre mir zu langweilig. Demzufolge stelle ich zunächst eine Frage: „Haben Sie etwas vom Huhn?“ Aus dem Lautsprecher ertönt ein schwer verständliches Wort, das aber eindeutig mit „…icken“ endet. Ich antworte: „Später vielleicht, zunächst möchte ich etwas essen.“ Etwas lauter tönt es zurück: „SCHICKEN!“ Ich kann es mir nicht verkneifen: „Nein, ich würde es gleich selbst abholen.“ Eine kurze Pause entsteht, ich stelle mir belustigt die genervte Visage des McKnecht vor. Als die Sprechpause zu lang zu werden droht sage ich: „Ach so, Sie meinen Chicken! Nö, lieber doch nicht. Haben Sie vielleicht Presskuh mit Tomatentunke in Röstbrötchen?“ „Hamburger?“ fragt mein unsichtbares Gegenüber zurück. Der Wahrheit entsprechend erwidere ich: „Nein, ich bin von hier. Aber hat das denn Einfluß auf meine Bestellung?“ „Wol-len Sie ei-nen H-a-m-b-u-r-g-e-r?“ „Jetzt beruhigen Sie sich mal! Ja, ich nehme einen.“ „Schieß?“ „Stimmt, hatte ich nach meiner letzten Mahlzeit hier. Mittlerweile ist meine Darmflora allerdings wieder wohlauf, ich denke, ich kann es erneut riskieren.“ Der Stimminhaber beginnt mir ein wenig leidzu tun. Er kann ja nichts für den Job. Aber ich ja auch nicht… „Ob Sie KÄÄÄSE auf dem Hamburger möchten!?“ „Ah ja, gern. Ich nehme einen mittelalten Pyrenäen-Bergkäse, nicht zu dick geschnitten, von einer Seite leicht angeschmolzen.“ Ob die nächste Ansage aus dem Lautsprecher „Sicher doch“ oder“A…loch“ lautet, kann ich nicht exakt heraushören. Deutlicher jedoch erklingt nun: „Was dazu?“ „Doch, ja. Ich hätte gerne diese gesalzenen fritierten Kartoffelstäbchen.“ „Also Pommes?“ „Von mir aus auch die.“ „Groß, mittel, klein?“ „Gemischt. Und zwar jeweils genau zu einem Drittel große, mittlere und kleine.“ „WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN?“ Diese, wiederum sehr laut formulierte Frage, verstehe ich klar und deutlich. Sie verlangt eine ehrliche Antwort: „Falls das die Bedingung ist, hier etwas zum essen zu bekommen: Ja. Also: Machen wir weiter?“ Die Stimme schnauft kurz und fragt: „Gut, gut. Etwas zu den Pommes?“ „Ein schönes Entrecôte, blutig, und ein Glas 1996er Spätburgunder, bitte.“ „ICH KOMM DIR GLEICH RAUS UND GEB DIR BLUTIG!!!“ „Machen Sie das, aber verschütten Sie dabei bitte nicht den Wein.“ „Schluß jetzt, Schalter zwei, vier Euro fünfzehn!“ Schon vorbei. Gerade, als es anfängt, lustig zu werden. Aber ich habe noch ein As im Ärmel. Ich zahle mit einem 200-Euro-Schein. „Tut mir leid, aber ich hab’s nicht größer.“ PIEP! … Freundlich werde ich ausgekontert: „Kein Problem.“ Mit kaltem Blick lässt ein bemützter Herr mein Wechselgeld auf den Stahltresen klappern. Nicht mit mir, Freundchen! Ich will den Triumph! Zeit also für’s Finale: „Kann ich bitte eine Quittung bekommen?“ frage ich überfreundlich. „Ist ein Geschäftsessen.“

Allegra

Auf ganz unmissverständliche Weise hatte sie ihm klar gemacht, dass es aus sei. Jetzt schwang sie die Beine über den Bettrand und ließ ihren Blick durchs Zimmer schweifen. Sie würde nichts vermissen, weder seine Elvisplatten (ewiges Gefühlsgedusel) noch seine literarisch hochtrabenden Romane. Sie stützte den Kopf auf die Arme. In zwei Stunden beim Shooting und die Fotos am besten schon entwickelt dabei… Noch genug Zeit für Dusche und Milchcafe. Sie stand auf, er drehte sich im Bett um, machte keine Anstalten zu gehen. „Verdammte Scheiße. Wenn er nachher immer noch da ist, zieh ich den Revolver“. Von dem Gedanken erschreckt und belustigt zog sie unter die Dusche. Dieser Ort schenkte ihr Geborgenheit, nackt, die Realität des eigenen Daseins unter dem Wasserstrahl spürend, fand sie hier die nötige Ruhe, um die Szenen für das heutige Shooting zu entwerfen. „Schnellimbiss ­- eine ganz natürliche Sache“, diesen Slogan geldbringend umsetzten. „Mit viel Frauen, alle schlank und schön.“ Den Auftraggebern wird nie was anderes einfallen. Sind halt auch nur Gefangene der Urtriebe. Essen und Sex. Wenn’s hilft? Sie schulterte die Fototasche und verlies das Haus. Es würde ein guter Tag werden.