mein Fortschritt

Wenn ich mit der Sprache spiele, ist das eine sehr ernste Angelegenheit.
Das Bändigen dieser gut 26 Buchstaben (Umlaute nicht berücksichtigt) ist ein mühsamer Prozess.
Und die Literatur ist voll von Prozessen.

Eigentlich möchte ich jonglieren, nicht in einem zähen Ringen zeitzermalmt auch noch das letzte Fitzelchen aus der Tube kratzen, damit es gefällt.

Wenn mich also die Muse küsst – ich bin fest davon überzeugt, dass meine Muse eine männliche ist – dann sprudelt es. Ob meine Muse einen Transgenderprozess durchlaufen hat? Ach, da ist dieses Wort ja schon wieder. Als Prozedere gefällt es mir besser. Es ist freundlicher, als sein maskuliner Namenspate. Es birgt die Möglichkeit eines Durchschreitens, nicht dieses auf ein Ergebnis gequetschte Etwas.

Meine persönliche Prozedur unternehme ich nun Richtung Supermarkt.

Was machen gute Eltern dieser Tage?!

Tja, auf diese Frage gibt es bestimmt unzählige Antworten.
Worauf ich hinaus will, sind jedoch die Eltern von Grundschulkindern. Diese Woche startet hier in Bayern die Schule wieder und jeden Tag kommen die Sprösslinge mit Elternzetteln, Klassenkassenforderungen, Listen mit Schreibwarenutensilien und Büchern nach Hause. Mit vielen Büchern. Jedes meiner Kinder hat mindestens 15 Schulbücher und Arbeitshefte. Wie freuen sich die Kinder doch, wenn sie ein brandneues Exemplar mit nach Hause bringen: „Schau mal, Mami, ich bin die Erste, die das benutzen darf!“, freudestrahlend landet noch ein uneingebundenes Schulbuch auf meinem Schreibtisch.

Und während ich so vor mich hin die Bücher fein säuberlich mit Umschlägen versehe (daran denkend, dass ich bereits mit MEINEM Buch auf dem Sofa liegen könnte), ich heimlich diese glitschigen Plastikeinbände verfluche und mich an meine Kindheit erinnere, in der meine Mutter stundenlang diese Tätigkeit für uns drei Kinder versorgen durfte, wächst vor meinem geistigen Auge der Berg der Schulbuchplastikfolien.

Dieser Berg ist immens groß, wächst und wächst, scheint mir immer näher zu kommen und erdrückt mich schier. Binde ich gerade für diese Stadtverwaltung, die mir täglich mit einem Peter Lustig der nächsten Generation von ihren Müllautos winkt mit der Ermahnung nur keine weiteren Einwegkaffeebecher zu verwenden, die Schulbücher meiner Kinder mit mega-ekeliger Plastikfolie ein??

Jawohl, das tue ich. Keiner stößt sich daran, nur ich.
Vorsatz für ein Thema beim nächsten Elternabend (erst nach vorbeigezogener Elternsprecherwahl): Muss es Plastik, oder darf es etwas mehr Packpapier sein?

Hilfe! Wo ist die Lehrerin?!

Es geht wieder los – das nächste Schuljahr steht vor der Tür. Gespannt mache ich mich mit dem Drittklässler auf den Schulweg: „Welche Lehrerin hab ich denn jetzt?“, fragt er mich aufgeregt. „Na, das wirst Du mir nachher schon erzählen.“ Dabei denke ich mir, dass da vorne vielleicht gar keine steht.

Deutschland leidet unter eklatantem Lehrermangel. Die Bildungsausgaben stagnieren – und das im Land der Dichter und Denker. Unser wichtigster Rohstoff ist die Bildung – und einer der begehrtesten Exportschlager.

Was bringt unser Bildungssystem so ins Wanken? Der Hick-Hack zwischen Bundes- und Landeszuständigkeiten? G8-G9-Spielchen? Die vielen Flüchtlinge, die seit gestern an unsere Tür klopfen?
Und erst die Inklusion: Was früher von vielen sehr gut ausgebildeten Sonderpädagogen geleistet wurde, wird jetzt einer Lehrkraft untergejubelt. Und alle leiden. Die Sonderschulen werden nicht mehr subventioniert, sondern weiter geschlossen.

Was tun? Na, vielleicht von der Politik Lösungen fordern. Also hin zur politischen Veranstaltung und Mund auf. – Vielleicht sehen wir dann bald wieder mehr Lehrer auf den Straßen. 😉

Einen guten Schulanfang!

Bildquelle: www.pixabay.de

Keine Ereignisse

Das schönste am Urlaub? Egal wie das Wetter ist und wo ich mich rumtreibe – es gibt keinen Termindruck. Genau dann habe ich Ferien. Keiner wartet irgendwo auf mich, keiner drängt mich durch den Tag, keine Kinder müssen in genau fünf Minuten hier –  und dort sein.

Ich stehe auf, laufe mit dem Hund, bereite das Frühstück, lese ein Buch, leg mich kurz aufs Ohr, gehe mit den Kids ins Freibad/ auf den Berg/ in die Buchhandlung/ an den See.

Das ist das Gefühl, keine Ereignisse anstehen zu haben. – Und dennoch erleben wir eine Menge …

Backe, backe, Kuchen …

Da ist er wieder, der Juli (des Dezembers kleiner Bruder). Der Sportverein, die Abschiedsfeier, das Sommerfest – alles mal vier. Immer wird gebacken und gekocht. Und wissen Sie was? Es macht mir Freude! Nein, doch, wirklich!

Nichts verabscheue ich mehr, als die Blicke der Eltern, die zum Buffetbeitrag aufgefordert werden, aber nichts liefern können: „Da sind wir auf einer Familienfeier“, „ich bin im Ausland“, „unser Kind nimmt eh nicht teil“, „da sind wir sowieso nicht da“. Die Zahl der Ausreden ist schier endlos. Komisch aber, dass alle die Lehrerin doch verabschieden wollen, am Sportfest teilnehmen, zum Kirchensommerfest kommen und alles vorbereitet finden möchten, sich aber nicht selbst hinter die Theke stellen, Getränke verkaufen oder eben schlicht einen Zitronenkuchen backen. Schade.

Dies ist also ein klarer Aufruf zu: BACKT MEHR KUCHEN! Engagiert Euch! Machen, nicht meckern.

Schön passt dazu der Spruch einer dieser Edgar-Karten:

„Machen ist wie wollen, nur krasser.“

Lesefreuden

Immer wieder geschieht es, dass in meinem Kinderalltag mitunter Minuten, manchmal gar eine halbe Stunde Lesen drin ist. Ich liebe diese fiktiven Welten! Dieses Eintauchen in Beweggründe der Anderen, die Welt, wie sie wohl 2080 aussehen wird? Was wird sich wie verändert haben?

Ab und zu finde ich Phrasen, die mir auch auf der Zunge lagen, aber so viel treffender beschrieben sind. In „Altes Land“ von Dörte Hansen sind Menschenbilder so treffend umrissen – ich hatte Tränen in den Augen! „Mami, warum weinst Du denn, wenn Du schon Zeit zum lesen hast? Ist was passiert?“ – Ja, mein Kind, Welten bewegen sich zwischen diesen Seiten …

Hier ein kleiner Schmunzel-Auszug – Städter, die aufs Land ziehen; ein Meinungsbild der Landbevölkerung (aus Altes Land, von Dörte Hansen):

„Dirk zum Felde hatte die Schnauze voll von Idioten in teuren Gummistiefeln, die unbedingt aufs Land ziehen mussten. (…) Es hatte eine Weile gedauert, bis er kapiert hatte, warum sie das nicht hören wollten. Weil er ihnen das Panorama versaute. Ein diplomierter Agrarwissenschaftler, der mit moderner Landtechnik einen Altländer Obsthof bewirtschaftete, der Pflanzenschutzmittel auf seine Apfelbäume sprühte und sie einfach absägte, wenn sie nicht mehr trugen – das war wie eine vierspurige Autobahn in einem Heimatfilm. Er passte nicht ins Bild. Er störte sie.
Und sie störten ihn! Die verpeilten Kreativen, die aus den Städten in die Dörfer strömten, um sich zu erden, und dann tigerten sie mit ihren Golden Retrievern durch die Obstfelder und lungerten vor verfallenen Resthöfen und Landarbeiterakten. (…)

Diese verspannten Großstadt-Elsen mit ihren Sinnkrisen quengelten um marode Reetdachhäuser wie ihre Töchter früher um ein Pony. Es war so süß! Sie mussten es haben! (…) Er gab ihr drei Wochen. Dann würde sie ihm irgendein fair gehandeltes Gebräu in einer hingepfuschten Töpfer-Tasse ohne Henkel anbieten und harmlos fragen: „Was spritzt du da eigentlich drauf?“ Und natürlich wäre das keine Frage, sondern nur der Einstieg in ihre kleine Öko-Predigt, und spätestens nach zehn Minuten würde sie ihr Loblied auf die alten Obst- und Gemüsesorten singen. (…)

Diese Öko-Missionare konnten Boskop nicht von Jonagold unterscheiden und hatten garantiert noch nie einen verwurmten, schorfigen Finkenwerder Herbstprinz gefressen, sonst wüssten sie, dass diese beschissenen alten Sorten völlig zu Recht ausstarben.“

 

Als Gegengewicht empfehle ich diesen Sommer „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde.

 

Sommerferien! Wann, wo, wie?

Bald ist es wieder so weit: Sechs Wochen scheinbar ungeplante Freiheit tut sich vor uns (wohl weniger) und unseren Kindern auf. Was kann man wo alles erleben? Erholen sich auch die Eltern? Gibt es Spielkameraden am Zielort? Sind wir endlich da?

Ideen und Gedanken für eine der schönsten Zeiten im Sommer:

Auf der Reise – weil nur iPads und Earphones uncool sind:
– Was ist passiert? Ein nackter Toter im Baum und unten ist eine Wasserpfütze … Detektive aufgepasst! www.black-stories.de;
– Hörbücher sind der Hit, bereiten mitunter auf den Reiseort vor und verbinden alle Autoinsassen: Die kleine Spinne Widerlich (ab sechs Jahren), alle Angebote von Audible – auch für Erwachsene in Begleitung geeigne;t 😉
– Reisespiele, wie „Ich sehe was, was Du nicht siehst“, „Ich packe meinen Koffer“, „Sätze aus Kennzeichen bilden“;
– Mit Stift und Papier/ Buch: „Der neue große Wissenstest für Kinder„, „Stadt, Land, Fluß„, eine Geschichte schreiben mit drei Reizwörtern (zum Beispiel: Papa/ kotzen/ Absturz);

Wir fahren dieses Jahr nicht weit weg, sparen uns die Fahrzeit, dafür muss ich mir ein ansprechendes Ferienprogramm für die Kinder ausdenken. Hier unsere Highlights:
– Windsurfing
– Rafting
– Minigolf
– Wildpark
– Wandern (ok, das mögen lieber die Eltern)
– Schwimmen – der Freischwimmer steht für den Jüngsten noch an
– noch besser: Schwimmen im See
– Skateboardanlage
– Golfstunde
– Reitstunde
– ein Tag Bücherei/ Museum/ Schlossbesichtigung (meist gibt es Kinderführungen)
– Städtetrip mit Kindern als Reiseführer (Eisdielenzählen)
– Waldfeste mit Alphörnern
– Bauernhof „zum Anfassen“
– Feuer machen (Stockbrotteig selber kneten, Marshmellows grillen)
– Kino – vorher die Handlung selber ausdenken und aufschreiben
– Schnitzkurs
– Segelkurs

Für die Eltern heißt das, immer ein gutes Buch im Gepäck zu haben.

Und immer ein Ferientagebuch – das gibt uns die Möglichkeit die Ferientage abends Revue passieren zu lassen und am Ende der Ferien zu sehen, was man alles erlebt hat.

 

 

Wo kommen wir denn da hin?!

… wenn jeder einfach auf die Straße geht und sich nix dabei denkt? Jetzt ist es wieder so weit und die Sonne leuchtet uns den Sommer auf den Balkon. Ich will raus – und frage mich dabei ständig: „Kann ich das so tragen?“ – Passt mir das Kleid, die kurze Hose? Gehen meine Beine noch so? Ist mein Bauch zu dick?

Alle um mich herum scheinen jünger, schlanker und sportlicher zu sein.

Ich sage Euch Mädels, DAS IST EIN IRRTUM!!

Wir sitzen im Café, liegen im Freibad, schwitzen in der U-Bahn – und denken alle mindestens einmal täglich das selbe: „Die sieht besser aus, als ich.“

Wie wäre es, wenn wir das sein lassen? Wenn wir einfach die Zeit mit uns (und unseren Kindern und Freunden und Männern) genießen und selbstbewusst denken:

„So jung/ schlank/ fit komm‘ ma nimmer z’am.“

Viel Spaß im Leben!

Regengedicht (meiner Jungs)

nass, kalt, kühl, erfrischend, lang ersehnt, tief, tropfend, viel, heftig, feucht, schwer, oft, sprühend, warm, weit weg, gibt Leben, matschig, befruchtend, dunkel, schön, frisch, klar, ehrlich, kein Verstecken mehr.

Er wäscht – alles Dreckige ist weg, Unrecht hinfort. Er erfrischt die Seele, klärt den Geist. Reinigung. Sauber. Getauft.

Frühling? Sommer?!

Zeit für ein Frühlingsgedicht.

Obwohl es sich schon wie Sommer anfühlt. Die Bauern und Landwirte stöhnen: Es ist viel zu trocken!

Wir Städter freuen uns über die Sonnentage, laue Luft, wenig Feuchtigkeit. Die Tiere ächzen, die Viehhalter jammern.

Kann das Wetter es je allen recht machen?

Scheint unmöglich.

Der Frühlingsabend

Beglänzt vom roten Schein des Himmels bebt
Am zarten Halm der Tau,
Der Frühlingslandschaft zitternd Bildnis schwebt
Hell in des Stromes Blau.

Schön ist der Wiese Grün, des Tales Gesträuch
Des Hügels Blumenkleid,
Der Erlengang, der schilfumkränzte Teich,
Mit Blüten überschneit.

Schön ist der Quell, der Hain, der Abendstern,
Der Baum, der Kühlung taut,
Und alles, was mein Auge, nah und fern,
Dankweinend überschaut!

Friedrich von Matthisson 1762-1831